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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-09 · Heft 2 (9.1.1866) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 2 (9.1.1866)
Date
1866-01-09
Page
Seite 25 (sequence 11)
Language
German
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volle Anerkennung gezollt. Sie haben als treues Organ des,belgischen Volkes ihren vielgeliebten und hochgeachteten Landesvater'beweint und wahrhaft, betrauert. Die politischen Zeitungen Europas bildeten im Lobe der Tugenden des guten Königs und. in der Trauer um seinen Verlust ein allgemeines, beinahe einstimmiges Echo. Diese Begebenheit, als politische Nachricht, so interessant sie auch für jeden Gebildeten und Freiheitsfreund ist, könnte aber als solche eben so wenig Aufnahme in Ihre hochgeschätzte Zeitung finden, als die der Thronbesteigung des Sohnes des selig Verblichenen unter dem Namen Leopold II. Es knüpft sich aber ein Factum an die Beerdigungsfeier des Heimgegangenen und an die Thronbesteigung des neuen Königs, das das Iudenthum näher angeht. Es ist 'dies der Antheil an der Begräbnißfeier des Königs, der dem jüdischen Cultus öffentlich im Regierungsblatte (Moniteur)' angewiesen wurde. Vor dem Leichenwagen gingen die Priester der protestantischen Kirche, deren Culte der König angehörte, in dem Dienstornate. Ihm folgten die katholischen Priester, mit Ausnahme des Primat und der Bischöfe Belgiens, die sich an der Trauer nicht mehr als durch Beileidsbezeugungen, die sie der königlichen Familie in ihrem Palaste darbrachten und nicht durch Anschluß am Zuge betheiligten. Der katholischen Geistlichkeit schlossen sich der Präsident und die Mitglieder des isxael. Consistoriums, der Großrabbiner und die zwei Officianten an. Letztere drei trugen ihr Dienstgewand.*■ Die Regierung ertheilt also nicht nur den Juden als belgischen Bürgern alle politischen und bürgerlichen Rechte, sondern sie erkennt auch öffentlich das Judenthum als Religionsgenossenschast, gleichberechtigt mit den andern Culten an. Sie thut es zwar seit dem Bestehen Belgiens als unabhängige Nation, seit der Proclamirung der Constitution, indem sie dem jüdischen Cultus aus Staatsmitteln einen verhältnißmäßigen Beitrag giebt und indem der constitutionelle König am 1. Januar jeden Jahres das jüdische Consistorium als officielle Körperschaft öffentlich empfängt; nichtsdestoweniger war genannte öffentliche Betheiligung an der Begräbnißfeier eine neue Consecration des Princips her Gleichberechtigung. *; ' 1 ' Eine item Bestätigung dieses Prinnps fand auch an den darauf folgenden Tagen statt. Die Begräb- . nißfeier wurde am 16. December gehalten. Tags darauf machte der neue König. LeoPÄd'll.' seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt, um vor ddn versammelten Kämmern den constitutiönellen Eid abzulegen. Die öffentlichen Blätter sprächen mit Recht von beM seltenen Enthusiasmus,; mit welchem der eingeborene Prinz empfangen und begrüßt wurde. Am 18., nach Absingung des Te deum in der katholischen Hauptkirche, empfing der junge König die öffentlichen Körperschaften und unter diesen auch wieder das israelit. Consistorium. Der jüdische Cultus betheiligt sich auch in consequenter Weise an der öffentlichen Trauer und hat sein Organ, das Consistorium, verordnet, daß während 30 Tagen in allen Synagogen Belgiens Trauerpsalmen recitirt werden sollen. Heute, den 24. Decbr., wurde in hiesiger Synagoge ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten, der sehr erhebend war. Die Vorhalle und der innere Raum, auch die Fenster der Synagoge waren sehr geschmackvoll mit schwarzen Draperien, auf welchen silberne Thränen brodirt waren, behängen. Die belgischen Wappen mit Fahnen waren mit schwarzem Flor umhüllt. Eine große Menge Gas- und Wachslichter erhellten die dunklen, schauerlichen Räume des Gotteshauses und verwandelten es in eine charhbre ardente. Der Anblick der Synagoge war in der That imposant. Der Trauergottesdienst, zum Theil dem mbm mra wrn am entlehnt, war einer der erhabensten Dienste, denen ich je anwohnte. Herr A. Cohti, unser erster Cantor, hat durch die treffliche 'Anordnung und gelungene Execntirung der Gesänge das größte Lob und volle Anerkennung verdient. Das Recitiren der Psalmen hätte jedoch geschmackvoller sein dürfen. Herr vr. Löb, Großrabbiner von Belgien, hat, in einer gediegenen, theilweise in Form einer Betrachtung und theilweise in der eines Gebetes abgehaltenen Rede; die Zuhörer tief ergriffen. Dieselbe drückte in gedrängten erhabenen Worten, der Größe des weisen Königs würdig/ die hohen Tugenden' des 'verstorbenen Monarchen aus. Sie lehnte sich an das' Beispiel, des Königs David an. /Oie Eröffnung des 2. Theils des Gottesdienstes, als Einleitung zum Gebet für den neuen König, geschah durch diä Absingung /des Psalm 25 in französischer Sprache. Es ist dies eine Conchösi'tion des Herrn E. Lassen, Capellmeister an dem Hostheater zu Weimar und Sohn des Präsidenten des isr. Consistoriums dahier. Ich wünschte diesen erhabenen Meister-Gesang auf den hebräischen Text angepaßt, in allen

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