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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-09 · Heft 2 (9.1.1866) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 2 (9.1.1866)
Date
1866-01-09
Page
Seite 23 (sequence 9)
Language
German
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23 werde'— -und die Juden sind' im Genussd des activen und passiven Wahlrechtes. Sie sehen also, daß die Judenfrage, die theilweise mit der Revision der 1848ger Gesetze zusammenhängt, gerade an die Spitze und in den Vordergrund' gestellt wurde ~: und sogar den Berathungen über' -die staatsrechtlichen Fragen - und über die gemeinsamen Angelegenheiten vorausgehen muß. Wir verlangen durchaus nicht, daß der Reichstag eingehend mit den Angelegenheiten der Juden sich befassen soll, oder daß ein besonderer §. beim XX. Gesetzartikel: die Religionsangelegenheit, eingeschaltet werde, daß die jüdische Religion als eine gesetzlich recipirte anerkannt werde, sondern bloß, daß der Reichstag wenigstens negativ alle Hindernisse Hinwegräume, die der vollkommenen Gleichstellung Eintrag thun — und dazu brauchen nur bei» den erwähnten §§. die Ausdrücke: gesetzlich anerkannte Religionen ausgemerzt zu werden. Bei dem allgemein vorherrschenden liberalen Geiste des Reichstages läßt sich wohl erwarten, daß seiner Zeit die vollkommene Gleichstellung aller Confessionen ausgesprochen werden wird; aber Recht und Billigkeit fordern es,' daß bei der Revision der 1848ger Gesetze, die nächst der Adresse die Thättgkeit des Reichstages zuerst in Anspruch nehmen wird, alle auf den- Juden lastenden Beschränkungen hinweggeräümt werden mögen. In vielen von verschiedenen Nationalitäten bewohnten Comitaten hat man bei den letzten Wahlen die Ausschließung der Juden von den Wahlen nur zu sehr bedauert und allgemein beklagt — und darum lassen sich hier-auch die schönen Worte der Thronrede anwenden: Wir hoffett dies umsomehr, als das Land, indem es Kraft und Gewicht verleih^ an Kraft und Gewicht zunimmt! Rabb. D. Oppenheim. Aus Ungarn, 24. December. (Privatmitth.) Die Union Siebenbürgens mit Ungarn scheint trotz der Proteste der Sachsen und Rumänen bald eine Thatsache zu werden. Die ungarische Partei setzt bereits alle Hebel in Bewegung, um bei der bald zu erwartenden Einberufung der Abgeordneten von Siebenbürgen nach Pest in der Majorität zu sein — und das Werk der Union zu vollenden. Ein merkwürdiger Präcedenzfall, der eben dadurch' im Entstehen ist, beschäftigt;' bereits die Presse? ■■ Die Juden übten bisher an den Landtagen w I. 1863 und 1865 nach der octroyirten Wahlordnung, dem'October-Diplom gemäß,' in Siebenbürgen 'das ° Wahlrecht aus, wie überhaupt Sie--/ benbürgen in Betreff der Glaubens - und Gewissensfreiheit ein wahres Eldorada in Oesterreich war. / So z. B. war der Uebertritt vom Christenzurrt Judenthume daselbst nicht ungewöhnlich — und geschah öffentlich, obwohl wir die bezüglichen gesetzlichen Punkte? nicht kennen. Es scheint dies daselbst ein alter usueller Gebrauch gewesen zu sein, da ohnehin in Siebenbürgen die Unrtarier (die in Ungarn durch die 1848ger Gesetze recipirt wurden) Vollständig längst gleichgestellt sind. Jedenfalls würde uns eine mit den gehörigen §§. ausgeführte Belehrung sehr willkommen sein! — Da nun aber bei der nächsten Einberufung der Abgeordneten nach Pest die 1848ger Gesetze auch in Siebenbürgen in Anwendung kommen werden; so werden die Juden auch daselbst von dem activ e n und passiven Wahlrechte ausgeschlossen sein. Sie können sich denken, daß diese Bescheerung den Juden' in Siebenbürgen nicht sehr willkommen ist, und eine Siebenbürger Zeitung „Korunk" hat darüber bereits einen Leitartikel gebracht, der die vielen Anomalieen, die in diesem Falle enthalten sind, sehr klar darlegt. Pest, 24. December. (Privatmitth.) Sie lassen mich wohl nachtragen, daß dem Herrn Rabb. Meisel in Pest und dem Herrn Rabb. Hirsch in Alt-Ofen die Ehre zu Theil wurdezur königl. Hoftafel, gleichwie die gesämmte Geistlichkeit in Pest-Ofen, geladen; und zugezogen zu werden — ein Ereigniß, welches ungeheure Sensation erregte! Neu-Berbaß, 21. December. (Privatmitth:) Die Pester Gemeinde-Repräsentanz hat am..9. beschlossen, neben Dr. Meisel noch einen Ungar. Prediger anzustellen, welcher Beschluß in der maghar. Presse einen sympathischen Wiederhall fand. Ob wohl die Bemerkung des Kaisers: daß der magyar.-israel. Verein seine Aufgabe ohne confessionelle SpaUungen verfolgen . solle, mit obgedachtem Beschlusse der Pester Cult.-Repräsentanz in irgend einer Beziehung stehet?' Wie wir in Nr. 48 mittheilten, betheiligten sich die Israeliten KlausenbNrgs, der Hauptstadt Siebenbürgens, an den Landtagswahlen. Heute sind wir nun in der Lage,, die erfreuliche Mitteilung machen zu können, daß sämmtliche Israeliten dieses unga- - rischen Nebenlandes im Sinne des allerhöchsten-Rescriptesan den siebenbürgischen Landtag aüfgefordert 2

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