Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1866)
- Date
- 1866-01-09
- Page
- Seite 21 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226530--23629-3250942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 ehe die Fluth ankommt — Noah und seine Familie in die Arche sich retten. Aber auch die Wissenschaft feiert ihre Triumphe; denn Kleophas hat den Eintritt der Fluth voraus .gewußt und genau genug berechnet, um sich mit Allen, die zu ihm gehören, noch zeitlich genug in seinem Palaste verbrennen zu können. — Aber noch Eins. Japhet will, daß Eva mit ihm in die Arche einziehe'. Eva weigert sich dessen und stirbt freiwillig in den steigenden Wassern. Sie mag die untergehende Welt nicht überleben, und Noah erkennt ihr die „Palme des ersten Märtyrertodes" zu. — Um aber den Effect bis auf pen Gipfel zu treiben, ist dafür gesorgt, daß hoch über der zerstörenden Fluth und dem brennenden Palaste eine Art „Offenbarung des Himmels" im lichtesten Strahlenglanze sichtbar wird. — Es sei uns indeß erlassen, zu detailliren, was hierbei Alles zum Vorscheinkommt. Man sieht mehr, als man sehen soll und will. — Die Franzosen sind frivol, aber sie haben viel Phantasie. . Aus diesem Grunde eben möchte man fragen, warum die Herren Dichter nicht lieber des Prometheus .Sohn Deukalion und die Mythe von der Wasserfluth des Zeus zum Gegenstände der dramatischen Bearbeitung gewählt halben? Louis Weyl. Frankfurt a. d. Oder, 24. Dec. Ueber „die Juden in Algier" ist in den letzten Jahren — in Blättern, wie in Brochüren und größeren Werken — viel geschrieben worden. Das Neueste über diesen Gegenstand ist aber „Les Juifs Algeriens par C. Fingier“, eine interessante Schrift , welche kürzlich bei Michel Levy in Paris herausgekommmen. .Sie ist den Manen unseres Mendelssohn gewidmet, von welchem der Verf. sagt,, daß er um so höher zu achten und zu schätzen sei, als durch ihn „die geistige Emancipation seiner Glaubensgenossen in Deutschland" ist bewirkt worden. — Den Inhalt des Buches anlangend, so beschränkt er sich nicht blos auf . „genaue Berichte über die sittlichen und materiellen Zustände der Juden Algeriens", sondern werden vom Verf. auch Mittel und Wege zur Verbesserung jener Zustände vorgeschlagen. .Geschähe diese Reform, so ist er der Meinung, daß mit derselben „europäische Cultur und Sitte überhaupt"— in weit größerem Maßstabe ', als bis jetzt—■ in das französische Afrika einziehen würde. — Und warum? Nun, in Algerien wohnen. Araber und Juden, die dasigen Religionen stnd der Islam und der Mosaismus. Weil aber dieser ein weniger starres und erstarrendes Element als jener, so seien die Juden schon darum ein besseres Vehiculum für Civilisation und Cultur, als dies in ihren arabischen Landsleuten je gesunden werden könnte. L. Weyl. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, im Dec. Der Rabbiner Herr Aub hat vom Könige den Michaelsorden erster Klasse ethalten. Vom Harze, im Jan. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, einen Act wahrer Humanität den Lesern d. Bl. mitzutheilen, um diejenigen zu erfreuen, die das Edle gern hören und üben. Ein Sohn des Cantors Goldberg in Braunschweig zeigte nämlich schon frühzeitig vorzügliche Anlagen zur.Musik und erhielt vortrefflichen Unterricht und Anleitung dazu von dem tüchtigen und allgemein beliebten Musiklehrer Ehrenberg; er konnte jedoch auf eine weitere Ausbildung seines Talents nicht hoffen, und war bereits für das Geschäftsleben bestimmt. Da wurde der für jede Kunst und Wissenschaft begeisterte Kaufmann Adolf Schmidt daselbst auf den jungen Mann aufmerksam und übergab ihn seiner mehr entsprechenden Sphäre. Seitdem zahlt dieser Biedermann nicht nur die jährlich sich fast auf 400 Thlr. belaufenden Kosten eines musikalischen Cursus in Leipzig und des Aufenthaltes daselbst, sondern gewährt auch durch die schonende Art, in der er dem jüdischen Schüler diese'Unterstützung spendet, die nachhaltigste Aufmunterung. Wo solche Liebe wirkt,, da muß jene Harmonie bald zu Tage treten, die die Propheten in sich getragen und verkündet haben. So weilt auch in Seesen seit einigen Monaten schon der allen Menschenfreunden bekannte Rittergutsbesitzer, Herr Meyer Jacobson auf Schulzendorf. Wie immer, übt er auch jetzt nach allen Seiten hin die schönste ja oft rührendste Wohlthätigkeit. Die vorzüglichste Fürsorge jedoch wendet dieser edle Wohlthäter, neben den Anstalten seines Vaters, des Stifters der Jacobsonsschule, besonders seinem, im Jahre 1852’ gegründeten Waisenhause zu. Hier verfolgt er die Entwickelung wer