Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1866)
- Date
- 1866-01-09
- Page
- Seite 18 (sequence 4)
- Language
- German
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IS . und Göttliche begeisterten Seele die Schätzendes Gemüthes und der Gedankenwelt in edler Formcherausschaffen und seinen Mitmenschen zu Verständniß und Einwirkung bringen will. Wir maßen uns auf dem musikalischen Felde nicht Urtheil genug an, sowohl um diese Parallele weiter auszuführen, als auch um diese Ansicht als eine unzweifelhafte auszugeben. Mögen Andere sie prüfen. Aber wir haben sie nicht gesucht, sondern sie drängte sich seit längerer Zeit wiederholt aus dem Anhören Mendelssohnscher Compositionen uns von selbst auf, und sie hat uns seitdem geholfen, uns mit uns selbst über den Componisten Mendelssohn zu verständigen. Ein erfahrener Psycholog fände hier in dem seltenen Beispiel zweier auf so verschiedenen Gebieten hervorragender Männer aus derselben Familie ein sehr reiches^ Feld der Beobachtung. — Uebrigens können wir dem eben angeführten Ausspruch Heine's nach Anhörung des „Elias" nicht beistimmen. Mendelssohn hat allerdings viel Kirchliches geschrieben, und sein Paulus steht ganz auf derselben Stufe, welche Heine charakterisirt. Aber in dem „Elias" hat er sich nach allen Seiten hin frei davon gemacht. Schon in jenen Briefen erkennt man den Pietisten nicht; er weiset ebenso sehr den Unglauben wie den Ueberglauben ab, und strebt nach einer vernünftigen Vermittelung. Für uns ist es doch nicht ohne große Bedeutung, daß er vom Paulus zum Elias hinaussteigt, der sein letztes großes Werk war, von dem, der das Judenthum verließ und bekämpfte, zu dem, der es mit unerschütterlichem Eifer vertheidigte und zu einem Mittelpunkte in dem Verlaufe des historischen Lebens des alten Israels geworden. Allerdings hat M., um gewissermaßen den Forderungen der christlichen Kirche zu genügen, am Schluffe des Elias eine Hindeutung auf die Ankunft des Stifters derselben anbringen wollen. Aber es ist ihm dies wenig gelungen, denn er weiß nur einige Verse aus Jesaias und einige Psalmstellen zu verwenden, welche selbstverständlich auch wir acceptiren und die dabei kaum die Zukunft charakterisiren. — Auch in musikalischer Beziehung können wir dies sagen. Der kirchliche Choral und die Fuge sind bis auf eine höchst sparsame Anwendung verschwunden, und dagegen eine dramatische Verkeilung und Wirkung mit Bewußtsein, fast hier und da bis über das Oratorium hinaus, angestrebt. Hierzu, kommt, daß einerseits eine Naturmalerei in ausgezeichneter Weise und in sehr zu billigendem Maße angebracht ist, wie die unübertrefflichen Stellen von dem Herabfallen des Regens und von der Erscheinung auf Horeb im Sturm, Erdbeben und Feuer; andererseits die Empfindungen der Seele mit einer. Zartheit und doch Bestimmtheit ausgedrückt sind, die'vom Schwall des Pietismus himmelweit entfernt sind. Wir erinnern z. B. an die Stellen, wo die Wittwe spricht und wo Elias den Lebensüberdruß ausdrückt. Wir schließen diese Skizze, indem wir die Bemerkung nachtragen, wie es charakteristisch für unsere oben ausgeführte Ansicht ist, daß Felix Mendelssohn in seinen Briefen die Musik als die klarste Sprache des Menschen bezeichnet, und nicht zu begreifen vermag, wie man anderer Meinung sein könne. Ihm scheint die Sprache durch Worte zweideutig, da ein Jeder den Sinn soausfasse, wie er ihn begreife, dagegen die Musik aller Zweideutigkeit ermangele. Wenige werden ihm dies zugeben, auch wir nicht, aber es zeigt uns doch, was F. M. unter Musik verstanden, und wohin er in seiner Musik strebte. Literarischer Wochenbericht. y Bonn, 27. Dez. Angekommen: Geschichte-der Juden von Or. H. Gr ätz. Vierter Band. Zweite, stark vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig, Oskar Lei? ner 1866. Der Verf. spricht sich über diese neue zweite- Auflage folgendermaßen aus: „Manche Partien haben in dieser Auflage eine vollständige Umarbeitung und Umgestaltung erfahren mit Berücksichtigung der gediegenen' Forschungen, welche im letzten Decennium auf diesen: Gebiete angestellt wurden und bleibende Resultate gelieferthaben, so namentlich die trajanische und - hadrianische! Epoche. Neu hinzugekommen ist die Auseinandersetzung der apokryphischen Schriften Judith und Tobit, welche als literarische Vorgänge dieser Epoche anzugehören scheinen und sie illustriren. Eine volle Charakteristik der Mischnah, als der Grundbasis für die ganze Entwickelung des Judenthums in den folgenden Jahrhunderten/' glaubte ich hineinziehen zu müssen." —Ferner: eine Se-' Paratausgabe der .„Staatsarzneikünde, gerichtliche - Me- - dicin und medicinische Polizei der asten Israeliten," aus der „biblisch-talmudischen Medicin" von R. I. Wun-. der bar. Riga und Leipzig 1865. Der Verf.-sah sich hierzu bewogen, weil dieser Theil seines größeren, -anerkannten Werkes Viele besonders _ interefsiren wird.