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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-09 · Heft 2 (9.1.1866) · p. Seite 17

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 2 (9.1.1866)
Date
1866-01-09
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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17 wesen gegeben Hai, als bei gem israelitischen . Volke, wo die Gemeinde sogar die Criminaljustiz auszuüben das Recht hatte, und selbst ein Ahab zu dem Mittel meineidiger Zeugen greifen mußte, um ein Urtheil vor dem Gemeindetribunal behufs der Confiscation eines kleinen Weinberges zu bewirken. — Judeß, wir vergaßen eben, daß Herr N. sich zwar ein unumwundenes Absprechen über das mosaische Gesetz erlaubt, aber zugleich eine höchst auffällige Unkenntniß desselben verräth. So z. B. sagt er S. 78, als er die Constitution Massachusetts beschreibt: „Nach dem Tode der Eltern kann der älteste Sohn einen doppelten Antheil des Erbes haben, wenn die Allgemeine Versammlung aus gutem Gründe nicht anders verfügt. Die gleichheitliche Theilung des Vermögens bewahrte Neuengland gegen das Aufkommen einer Aristokratie und beförderte die republikanische Gesinnung.» Primogenituren waren trotz. aller Verehrung für die Gesetze Moses durchgängig verboten". — Will uns wohl Herr N. Nachweisen, wo im mosaischen Erbrechte die „Primogenituren" geboten, oder nur gestattet sind?*) Daß er unter „Primogenitur" nicht das doppelte Erbantheil des erstgeborenen Sohnes versteht, hat er eben selbst gesagt, denn das war ja in Masiachusetts gestattet: Das mosaische Erbrecht verordnete dies, weil dem erstgeborenen Sohne auch die Psiicht des Goöl's auferlegt war, d. h. seinen Brüdern und Schwestern in allen Nöthen beizustehen und z. B. ihre verkauften Aecker wieder einzulösen. Von weiterer Primogenitur ist nirgends die Rede, ja es war dem Vater nicht einmal gestattet, einen Sohn erblos zu machen. Es thut uns wirklich leid, das ausgezeichnete Werk mit solchen Dingen befleckt zu sehen, wodurch das Vertrauen auf die Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit des Autors etwas erschüttert wird. - Heine sagt einmal: wenn er ein Enkel des großen Mendelssohn gewesen wäre, so hätte er sich wohl gehütet „ein Schleppträger des protestantischen Pietismus zu sein. Auch uns wird es immer ein tiefes Bedauern einflößen, daß Felix Mendelssohn-Bartholdy von seinen Eltern vor oder nach der Geburt, das wissen wir im Augenblicke nicht, dem Judenthume entzogen worden. Wir lasen jüngst dessen Reisebriefe und seine Briefe aus *) Nicht' einmal der Hohepriester brauchte der Erstgeborene-unter-den'Söhnen zu sein. Vgl. Joma 73, 1. •'ist ■«3yr*lNta)lD. *»?3 1S172 >718 brr KIP "UV8 /PJQÖ den Jahren 1833—1847, in welchem Jahre er als 39jähriger Mann starb, und in denen er eigenthümlicher Weise „Großvater" nur einmal und sehr beiläufig, da von dem gedruckten Briefwechsel die Rede ist, erwähnt. Zu gleicher Zeit hatten wir zum ersten Male Gelegenheit, seinen „Elias" zu hören. Jene Briefe wird Niemand aus den Händen legen, ohne für den Charakter dieses Mannes die höchste Achtung, ja eine wahre Zuneigung zu empfinden. Dem vergleichenden Beobachter wird die Ähnlichkeit zwischen dem Enkel und Großvater^ nicht entgehen, eine Ähnlichkeit, welche im Leben zwischen der ersten und dritten Generation so oft sich bemerklich macht. Dieselbe unerschütterliche Gerechtigkeit und Billigkeit, dieselbe uneigennützige Förderung der Kunst und der Wahrheit, dieselbe persönlichkeitslose Würdigung fremder Verdienste, wo sie nur angctroffen werden, dieselbe persönliche Bescheidenheit bei unaufhörlichem Vorwärtsstreben, dieselbe Ruhe und Mäßigung, und dabei dieselbe naive Lebensklugheit und überraschende Einsicht in die Verhältnisse der Wirklichkeit. Wir könnten in der That noch viel mehr Züge der Ebenbildlichkeit anführen, aber sie werden dem aufmerksam Prüfenden nicht ent-, gehen. Wir gehen aber noch weiter, und können uns des Gedankens nicht entschlagen, daß auch in den geistigen Produktionen beider Mendelssohne eine gewisse Ähnlichkeit sich aufdrängt, so verschieden auch die Gebiete sind, auf welchen sie gearbeitet haben (nebenbei bemerkt, ist es auch bekannt, daß der alte M. große Zuneigung für die Musik empfand, selbst in späteren Jahren das Clavier spielen lernen wollte und sich oft mit Problemen der mathematisch-musikalischen Theorie trug). Beide Männer waren von entschieden bedeutenden und wirksamen Geistesbegabungen, ohne genial und von ursprünglicher Schöpferkraft zu sein; beide hatten das Streben und die .Kraft, klar, bestimmt und einfach die Wahrheit in ihren Gedanken und Empfindungen aufzusuchen und zum Ausdruck zu bringen, hierbei aber doch sowohl eine künstlerische Form anzuwenden, als auch durch dieselbe einen naturgemäßen Effekt zu bewirken, und durch geschickte Gruppirung Reiz und Anmuth und zugleich Würde und Erhabenheit auszuprägen. Es ist nicht sowohl der großartige, hinreißende und überwältigende Schwung oder die aus unbekannten Tiefen hervorbrechende dämonische Gewalt, welche diesen beiden Meistern des Wortes und der Töne eigen wären, als vielmehr das gediegene Walten eines in sich festen, klar denkenden und empfindenden Geistes, welcher aus der für alles Schöne, Erhabene 2* -

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