Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1866)
- Date
- 1866-01-02
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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7 den, dies.doch nur ein Zufall, wenn auch ein überraschender war, da in dem gegenwärtigen Quartale bei mehreren Schwurgerichten wiederum Juden als Geschworene fungiren, wie z. B. am hiesigen Orte drei und darunter sogar merkwürdiger Weise Vater und Sohn zugleich. Sehr »günstig wurde es auch ausgenommen, daß diese drei Geschworenen, obwohl sämmtlich der strengreligiösen Richtung angehörend, sich auch am Sabbath ihrer Bürgerpflicht unterzogen und von der ihnen nach dem bereits mitgetheilten Ministerialrescripte zustehenden Befugniß, am Sabbath diesen Ehrendienst ablehnen zu dürfen, keinen Gebrauch gemacht haben. Am 5. d. M. fand in Scharmbeck die Einweihung einer neuen Synagoge statt, bei welcher sich sämmtliche Confessionen betheiligten und zu welcher sich auch zahlreiche Fremde einfanden. Um 11 Uhr setzte sich der lange Festzug in Bewegung und verfügte sich von der alten Synagoge zu dem neuen Gebäude, vor dessen festlich geschmücktem Portale dem Herrn Regierungsrathe Fachtmann die Schlüssel überreicht wurden. Derselbe hielt alsdann eine Anrede an die Versammelten, in welcher er eine Parallele zwischen dem Sonst und Jetzt zog.. Früher, meinte er, habe man die Juden aus der Gesellschaft ausgestoßen, in dem Wahne, es sei recht gehandelt, die Kinder und Enkel für die Sünden der Väter verantwortlich zu machen. Jetzt sei es anders; durch die Gnade des Königs erfreuten sich alle Unterthanen des hannoverschen Landes, zu welchem Bekenntnisse sie auch gehören möchten, in der Anbetung des einen wahren Gottes, gleichen Rechtes und gleichen Schutzes. Der Redner schloß damit, daß er im Namen des Königs die Schlüssel in Empfang genommen habe und dieselben auch in dessen Namen wieder den Vorstehern der israelitischen Gemeinde überreiche, damit sie mit der letzteren den Einzug in das neu eingerichtete Gotteshaus halten könnten. Preußen. Berlin, 18. Dec. (Privatmitth.) Wie Sie schon ersehen haben, gehören alle, im vorigen Monate gewählten Repräsentanten und deren Stellvertreter der liberalen Richtung , an. Freilich werden Sie in Betreff von Nachrichten über das Wirken der erneuerten Gemeindebehörden sich noch einige Zeit gedulden müssen, da die neu Erwählten. nach dem Gemeindestatut erst sechs Monate nach der Wahl — also im Mai — ihr Amt antreten werden. — Der Dirigent des hiesigen .Synagogenchors, Lazarus Lewandowski, hat bei Gelegenheit seiner 25jährigen Amtsführung den Titel eines Königlichen Musikdirektors erhalten. — Herr Lehmann, der bekannte Redakteur des „Magazins für die Litteratur des Auslandes", hat seinen dauernden Aufenthalt jetzt hier genommen. (Er war schon einmal in den Dreißiger und Vierziger Jahren in Berlin wohnhaft und wirkte als Mitglied des Vorstandes der Gemeinde und als langjähriger Direktor der Gesellschaft der Freundes — Wie die Trichinen hier die Frömmigkeit vermehrt haben, ist unglaublich. Viele Juden, die früher mit ihrem Nichtkoscherthum prahlten, sind zu den jüdischen Schlächtern zurückgekehrt; und letztere wirken auch auf dem Felde der äußern Mission, indem selbst viele Christen für Wurst u.s. w. ihre Zuflucht nur zu ihnen nehmen. Aber in der That ist es ziemlich sicher festgestellt, daß — wie der Bandwurm — so auch die Trichinen nur in dem Schwein und dem Menschen lebensfähig sind, so daß die sanitärische Verderblichkeit des erfteren durch einen neuen Grund erhärtet ist.*) Es versteht sich, daß selbst den Ungläubigen nach diesem unerwarteten Beweise für die Nichtigkeit des Mosaischen Gesetzes, Respekt auch vor andern Theilen des letzteren eingeflößt wird, welche ihnen bis jetzt ebenso grundlos erschienen waren. Um so mehr aber muß man sich hüten, das Gesetz lediglich vom medicinischen Standpunkt aus anzusehen, und ich gestatte mir daher hier ganz besonders auf die Ansichten aufmerksam zu machen, welche Sie, Herr Redatteur, über die Speisegesetze auch in ihrer seelischen Bedeutung, in Ihrem Commentare zu den betreffenden Schriftstellen dargelegt haben. Aachen, 17. December. (Privatmitth.) Gleichwie das vorjährige Chanukkafeft für unsere Gemeinde dadurch bedeutungsvoll war, daß das herrliche Tonwerk *) Wer erinnert sich hierbei nicht an den Vers des Juvenal lSat. XIV, 99), mit welchem er die Juden aushöhnt: „Sie glauben, daß das Schweinefleisch vom menschlichen Fleische nicht unterschieden sei, und enthielten sich deffen daher ihre Ahnen." In dem Spotte des Satyrikers lag also eine anatomisch-psychologische Wahrheit, von welcher er freilich keine Ahnung hatte. D i e R e d a ct i on.