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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-02 · Heft 1 (2.1.1866) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 1 (2.1.1866)
Date
1866-01-02
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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8 einer großen neuen Orgel (statt der früheren kleineren) zum ersten Male unsere gottesdienstlichen Gesänge begleitete,, so hat auch das diesjährige Fest uns eine erhebende Feier gebracht. Zwei alte ehrenwerthe Mitglieder hatten gleichzeitig der Synagoge prachtvolle Geschenke gewidmet, welche Zeugniß davon geben, daß die Opfer- Willigkeit zur Ehre Gottes in unserer Gemeinde immer schönere Früchte zeitigt. — Das erste Geschenk, eine kunstvoll gearbeitete, vergoldete Menorah von 7—8 Fuß Höhe, mit einem Piedestal von weißem Marmor, spendete der Stadtverordnete Herr Abraham Mayer, zur Erinnerung an ein frohes Familienereigniß; das zweite, eine neue 'Gesetzrolle ckit kostbaren silbernen Paramenten, wurde von Herrn Aron Lippmann zur Feier seines 70. Geburtstages dargebracht. Nachdem, unter trefflich ausgeführten Chorgesängen, der gewöhnliche Umzug mit sämmtlichen Thorarollen Statt gefunden, folgte die Predigt. Das Händel'sche Hallelujah beschloß die hehre Feier. — Berlin, 20. Dec. In einer, auch in diesem Bl. referirten Frage, welche die beiden ersten Instanzen in entgegengesetzter Weise beantwortet hatten, hat jetzt das Obertribunal endgültig entschieden, nämlich daß ein jüdischer Schlächter, welcher das Schlachten der Thiere eben nur als Ritualhandlung nach bestimmten Vorschriften vollzieht, nicht als ein Schlächter im Sinne der Steuergesetze anzusehen und demgemäß nicht steuerpflichtig ist. Das wirkliche Ausschlachten, Ausweiden, Abziehen und Zertheilen des Thieres würde jedoch eine Versteuerung bedingen. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Dec. Die Schulfrage ist hier in der israelitischen Gemeinde einmal wieder an der Tagesordnung und die Forderung jüdischer' Volksschulen wird so lange an die Vertreter der Gemeinde immer von Neuem herantreten, bis sie zu deren Lösung zu schreiten sich entschließen werden. Aber auch hinsichtlich des Religionsunterrichtes finden Uebelstände statt, von denen einer in den öffentlichen Blättern dieser Tage wie folgt gerügt ward, der Umstand nämlich, daß Hunderte von Kindern im zartesten Alter mehrmals die Woche vier Stockwerke hinäufklimmen müssen, um des Religionsunterrichtes theilhaftig zu werden. Ich für meinen Theil halte diesen Uebelstand für einen so schreienden, daß er nur bekannt zu werden braucht, um ihn beseitigt zu wissen, umsomehr, als der israelitischen Gemeinde Wohnungen im dritten Stocke des Schulhauses hiezu zu Gebote stehen, und als die allfällige Zinsdifferenz bei einer Körperschaft, welche, wie die hiesige israelitische Cultusgemeinde, Tausende von Gulden für die Armuth verwendet, nicht in die Wage fallen kann bei einer Frage, welche vom sanitären Standpunkte nicht genug beachtet werden kann. Pest, 18. Dec. Unter den Deputationen, welche seine Majestät der Kaiser und König hier empfangen, war auch die der Pester Jsraeliten-Gemeinde, Führer: Oberrabbiner Dr. Meisel, und die des jüdisch-ungarischen Vereines, des Magyar izraelita egylet, Führer: Dr. Heinrich Pollak. Se. Majestät geruheten an den Sprecher der ersteren huldvolle Worte zu richten. Se. Majestät bemerkten, daß die Zeit nicht ferne sei, wo die berechtigten Wünsche der Israeliten in Erfüllung gehen werden. Der Deputation des ungarisch-israelitischen Vereins geruheten Se. Majestät Folgendes zu erwidern: „Die Verbreitung der ungarischen Sprache und Literatur ist eine edle und lobcnswerthe Aufgabe. Trachten Sie, dieselbe ohne confessionette Spaltungen zu erfüllen, denn Ihr zu dem obenerwähnten Zwecke gebildeter Verein kann seiner Bestimmung nur in dieser Weise entsprechen." Wenn die Antwort des Kaisers an die Gemeindedeputation sehr huldvoll ist, aber nichts Bestimmtes enthält, da es eben darauf ankommt, was die eine oder die andere Seite unter „berechtigten Wünschen" verstehe — so bezeugt die Antwort an die Vertreter des genannten Vereins, daß Se. Maj. mit dem Stande der Dinge bekannt gemacht ist. Wenn der Mag. izr. eg. den wahren Patriotismus mit der aufrichtigen Liebe zum Judenthum verbindet, so wird er unermüdlich fortfahren, die ungarische Sprache bei den Israeliten des Magyarenlandes in jeder Weise zu fördern, aber ebenso wenig die gänzliche Verdrängung der deutschen Sprache, eine feindselige Agitation gegen diese wie eine Beseitigung der hebräischen Sprache-crus dem öffentlichen Gottesdienste auf seine Fahne schreiben. Nichts ist unzweckmäßiger, als eine Sprache durch

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