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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-01-02 · Heft 1 (2.1.1866) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 1 (2.1.1866)
Date
1866-01-02
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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ist das Nichts, aus dem die Menschheit auch Nichts machen kann; sie ist ein Kriterium und Correctiv, aber kein Inhalt und kein Wesen. Und je schroffer und entschiedener die mittelalterliche Positivität in ihrer Unbedingtheit und' Ausschließlichkeit wieder erstanden und sich erkräftigt hat; je mehr sie die locker gewordenen Zügel der Herrschaft' über das Volk wieder anzieht und dem . Geiste von Neuem Zaum und Geschirr anlegen will: desto nachdrücklicher erhebt sich eine Reaktion gegen sie; man sieht die theuersten, schwer errungenen Güter der Entwicklung in Gefahr; die Quellen des Lebens sollen abgedämmt, und Schleusen errichtet werden, welche jedem Fahrzeug geistiger Thätigkeit nur nach Belieben die schmale Wasserstraße öffnen sollen. Man sieht ein, daß es sich hier um ein Entweder — Oder handelt, weil jede- Entwicklung, jede freie Entfaltung des Geistes, jede frische Bewegung des Lebens mit diesem Non possumus unvereinbar ist. Aus allen diesen Aktionen und Reaktionen, die sich nur in verschiedenster Art in den Geistern regen, sie von einer Seite zur andern, aus einer Richtung in die andere werfen, müssen selbstverständlich die vielfachsten, eigentümlichsten und sonderbarsten, extremen und gemischten Gebilde entstehen, und so dem beschauenden Auge ein wirres Gesammtbild bieten. (Schluß folgt.) Bonn, 17. December. Zur Geschichte -er Glaubensfreiheit in den vereinigten Staaten. I. Die Vereinigten Staaten Nordamerikas sind bis jetzt noch immer das einzige Land dieser Erde, in welchem die Glaubensfreiheit eine völlig unbedingte, die Trennung von Staat und Kirche eine vollständige und daher die Gleichstellung der Cnlte eine vollkommene ist. Es muß daher unsre Wißbegierde auf die Frage gelenkt sein: war dies immer so der Fall? und wenn nicht, wie ist es so geworden? Europa sandte nach Amerika seine Vorzüge wie seine Fehler, seine Tugenden wie Jeine Laster. In Amerika erstand nicht, wie in Europa beim Beginn des Mittelalters, ein neues, kräftigeres, aber noch rohes Menschengeschlecht,, das die Reste der früheren Völker in sich aufnahm, sondern seine Urbewohner waren und sind dem Untergange geweiht, und die neuen Ansiedler gehörten einer schon tausendjährigen Civilisation, mit ihrem theils veredelten, theils verkommenen Wesen an, wozu noch die unseligen Kinder Afrikas importirt wurden. Der Blick, den wir deshalb gegenwärtig über ganz Amerika streifen lassen, ist kein tröstlicher. Ganz Süd- und Centralamerika bis zum Rio grande hinauf zeigt Zustände des Verfalls, der Auflösung, der Entartung,, wie sie kaum schlimuler die innerasiatischen Despotien zeigen, wo immer einmal wieder die Hand eines grausamen Despoten oder ein wildes, vom Gebirge oder aus der Steppe heranfluthendes Volk einen zeitweisen Zusammenhalt und eine' rohe staatliche Ordnung hervorbringt. Wir sehen namentlich die härteste Intoleranz den ganzen angegebenen Raum Amerikas beherrschen, und die schüchternen Versuche einiger schwankenden Republiken, der Glaubensfreiheit einigen Boden zu gewinnen, doch immer wieder an dem unduldsamen Geiste der Bewohner scheitern. Nördlich vom Rio grande hatte kaum nach achtzigjährigem Bestände die Union den furchtbarsten innern Kampf auszuhalten, und zwar um ein sociales Princip, welches das Mittelalter in seinem Beginne schon überwunden hatte, das Sklaventhum, wenn jenes dieses auch auf andere Weise zum Theil durch die Leibeigenschaft ersetzte. Wir erkennen mit Freuden an, daß die Union diesen Sturm mit einer beispiellosen Energie überstand; können uns aber noch nicht überzeugen, ob der Kampf wirklich zu Ende, ob er nicht früher oder später sich erneuern werde? ob nicht die Südstaaten bereits dem Schicksal von Central- und Süd-Amerika anheimgefallen? So muß man, wenn auch mit Schmerz, sich zugestehen, daß schon nach viertehalb Jahrhunderten Amerika sich durchaus nicht als den Welttheil erwiesen hat, in welchem eine Wiedergeburt des Menschengeschlechtes vor sich gehen möge. Werden doch jetzt schon mit Ausnahme der Unionsstaaten alle Theile Amerikas von der Auswanderung geflohen. Wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten bieten ein schönes Gegenbild der Mittel- und Südländer und zum Theil auch Europas dar, sie sind das Land, wo die persönliche Freiheit von der staatlichen/Ordnung so weit wie nur irgend möglich anerkannt, geschützt und gestützt ist. Woher dies gekommen? Abgesehen von den klimatischen und geographischen Verhältnissen trafen hier mehrfache günstige Umstände zusammen. Die Ansiedler gehörten einem frisch entwickelten germanischen Volksstamm an, der sich seit.längerer Zeit mrd durch

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