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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-26 · Heft 52 (26.12.1865) · p. Seite 811

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 52 (26.12.1865)
Date
1865-12-26
Page
Seite 811 (sequence 11)
Language
German
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bringt, wir weisen sie von uns, wir wollen nicht, daß sie. auf unsere, der 'jüdischen Gesammtheit Rechnung geschrieben werde, so lange eine für uns demüthigende Vergleichung dabei den Griffel führt; wir wollen nicht um den Preis eines verletzten Princips belobt werden, wir lieben die Goldbarren der Gerechtigkeit, mehr als die Denkmünzen des Beifalls. Unfern Dank aber verdient jeder aus unserer Mitte, der durch ernste Biedermannsthat das Seinige dazu beiträgt, die Liebe und Barmherzigkeit zum Gemeingute der Menschheit zu machen. Und aus voller Brust danken wir zumal dem edlen Brüderpaar an der fernen Küste der Südsee. Sie haben durch ihre That ein Beispiel gegeben, das, wenn es Nachahmung fände, nicht wenig dazu beitragen würde das einschränkende, kühle „christlich" vor dem Flammenwort: „Liebe" hinwegzulöschen. H. Zirndorf. Rußland. Warschau, im December. Nach der letzten, Anfangs dieses Jahres vorgenommenen Volkszählung hat das Königreich Polen bei einem Flächeninhalt von 2212 Quadratmeilen in fünf Gouvernements und in 39 Kreisen eine Gesammtbevölkerung von 5,336,210 Seelen, von denen 1,304,068 in 452 Städten und 4,032,142 in 1494 Dorfgemeinden leben. Von den 5,336,210 Einwohnern des Königreichs Polen gehören zur polnischen Nationalität 4,066,000, zur jüdischen gegen 700,000, zur ruthenischen circa 250,000, zur deutschen circa 250,000, zur litthauischen circa 50,000. In den Städten ist die jüdische und deutsche, auf dem Lande die polnische Bevölkerung überwiegend. Aus diesen runden Zahlangaben ersieht man die problematische Genauigkeit derselben. Hiernach wären unter 15 Seelen 2 Juden. In früheren Jahren gaben die polnischen Beamten das Zahlenverhältniß immer so an, daß unter vier Einwohnern ein Jude sei — natürlich um die Ueberlastung des Landes mit Juden und die Nothwendigkeit der Beschränkungen für die Letzteren zu erweisen. Palästina. Herr Rabbiner Dr. Treuenfels, der gesammelte 146 Thaler (21 Lst. 5 Sh.) an den preußischen Consul zu Jerusalem Herrn Dr. Rosen zur Vertheiluug gesandt hatte, welcher ein Landsmann und Schulfreud von ihm ist, erhielt folgendes Schreiben von diesem ebenso durch seine Gelehrsamkeit, wie Menschenfreundlichkeit bekannten Manne, das uns Herr Dr. Tr. zum Abdruck mittheilt. Jerusalem, 9. November 1865. -Die eingelegten L. 21. 5. waren im höch- Grade willkommen; es sind früher oft übertriebene Angaben über die Noch der hiesigen Juden nach Europa gesandt worden, aber in diesem Jahre blieb Alles, was in der Hinsicht geltend gemacht worden ist, hinter der Wirklichkeit zurück. Der vorige Sommer hatte uns eine, beinahe von allen Mitteln entblößte Einwanderung aus dem Magreb gebracht, die mühselig in sonst unbewohnten Keller- und Stallräumen des Judenquartiers am Ost-Zion-Abhange ihr Unterkommen fand. Dann trat ein beispiellos warmer, regenloser Winter ein, in welchem das Wasser fortwährend bezahlte Waare blieb. Diese Witterung beförderte die Entwicklung der Heuschrecken, welche sich nachher im Frühling in endlosen Schwärmen vom Ghor aus über das Land ergossen, und alle Ernte, Feldwie Gemüsefrüchte verheerten. Dann kam die Cholera, welche erst an Jerusalem vorüberzog, es dafür aber mit Quarantainen und allerlei sonstigen Sanitätsregeln beschenkte, durch die das Bischen hier bestehenden Handels und Wandels völlig zu Grunde gerichtet wurde, und endlich, nachdem all dies Elend der Seuche das Feld vorbereitet, kam sie dennoch und trat mit einer Wuth auf, wie kaum in einer andern Stadt Syriens. Nach mäßiger Berechnung ist ungefähr der 12. Mann bis jetzt gestorben und bei Weitem das größte Contingent der Todten hat das Judenquartier geliefert. Da der Pascha sich von seiner Hauptstadt geflüchtet hatte, so waren wir Consuln zu einem Wohlthätigkeits-Ausschuß zusammengetreten, und hatten von den geringen aufgebrachten Geldern L. 30 für die armen Juden bestimmt. Ein Preuße, Namens Selig Hausdorf, ein anerkannt ehrlicher und einsichtsvoller Mann, und außerdem ein großer jüdischer Patriot, übernahm auf meine Bitte die Vertheilung jener Summe, und hat damit so vortrefflich gewirthschaftet, daß ich ihm gleich noch eine weitere von 480 holl. Gulden, mir von einem Herrn Dr. Cappadose aus dem Haag zur Disposition gestellt, zur Fortsetzung seiner Speisevertheilungen übergeben habe. Da also in dieser Weise 52 **

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