Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1865)
- Date
- 1865-12-26
- Page
- Seite 809 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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m gehören: „the kings physician and other tales“ (der Leibarzt und andere Erzählungen) von Mrs. Levetss, geborenen Celia Moß, in Birmingham, im Selbstverläge der Verfasserin erschienen. Erwähnung verdient auch ein Lustspiel von Meyer Jsaacs in Brisbane (Queensland), betitelt: tke Leite ok Lrisdane (die Schöne von Brisbane), welches im März dort in Szene gehen sollte. Erlauben Sie mir auch, Herr Redaeteur, daß ich Ihnen die sechs jüdischen Mitglieder, welche im nächsten Parlament sitzen werden, nach den Districten, die sie vertreten, etwas genauer bezeichne. Baron Lionel von Rothschid vertritt wieder die Londoner City; Alderman Salomons und Sir Francis Gol dsmid wurden von ihren bezüglichen Wahlkreisen wieder gewählt, ersterer von der Stadt Greenwich, letzterer von Reading. Baron Meyer von Rothsch ild vertritt den Flecken Hythe bei Folkstone. Als neue Mitglieder erscheinen: Baron Nathaniet von Rothschild, für Aylesbury, und F. D. Goldsmid für den Flecken Honiton. Sämmtliche Namen gehören, wie sich wohl von selbst versteht, der liberalen Partei an. Noch ein siebenter Candidat hatte sich am Wahlkampfe betheiligt, Julian Goldsmid, für Cirencaster. Das nächste Parlament, dessen Eröffnung die Nation mit Spannung erwartet, wird einen ungewöhnlich lebhaften Charakter tragen. Der Tod des greisen Premierministers und der theilweise Wechsel im Ministerium hat die Frage und das Bedürfniß nach Reform vor allem in den Vordergrund gedrängt. Manchester. (Privatmitth.) Die Nr. 41 Ihrer Zeitung enthält einen Bericht über die Rettung eines englischen Missionärs durch ein jüdisches Brüderpaar in Neu-Seeland. Erlauben Sie mir, daß ich einige ergänzende Einzelheiten hinzufüge. Wie nahe die Todesgefahr über dem Haupte des Missionärs Grace schwebte, geht aus folgenden Umständen hervor. Die Maoris hatten ihre Absicht ausgesprochen, jeden christlichen Geistlichen, der in ihre Hände fallen würde, ohne Gnade zu ermorden. Vergebens hatten die Brüder Levy ihr sammtliches Vermögen den fanatisirten Eingeborenen als Lösegeld angeboten; ja als der Gefährte des Grace, der^ Missionär Volkner, ihrer Wuth zum Opfer gefallen war, ward S. Levy, der Bruder des Capitäns, mit seiner Person und seinem Leben Geisel und Bürge für das gefährdete Leben seines christlichen Mitbürgers. Indessen stand die höchste Gefahr auf dem Verzug, und es bedurfte der ganzen Klugheit und Kühnheit eines Mannes, die Rettung des Gefangenen zu bewerkstelligen. Diese fanden sich zum Glück in dem Capitän Levy in seltener Weise vereinigt. Traurig ging der Missionär am Flusse auf und ab, während die Maoris auf einem nahen Platze eine Versammlung abhielten, in der sie wahrscheinlich über seinen nahen Tod berathschlagten. Der Capitän schickte zuerst einen seiner Leute, Ludwig Montague, an Grace und ließ ihm sagen, er solle den Fluß hinabgehen, bis zu einem Punkte, von wo er bequem das Boot besteigen könnte. Allein da der Versammlungsplatz der Maoris auf diesem Wege lag und hieraus eine neue Gefahr für den Missionär entsprang, so ließ sich's der brave Levy nicht nehmen, den gefährdeten Mann sofort an Bord zu bringen. Das kleine Fahrzeug, in dem Grace unter Decken verborgen lag, segelte unter den Flintenläufen der Eingeborenen, die von ihren Weibern benachrichtigt waren, vorüber und erreichte mit genauer Noch den gegenüber liegenden Schooner. Capitän Levy ist zu Opotiki für vogelfrei erkärt und hat sein, gesammtes dort befindliches l Lager im Werste von mehr als 1000 L. sowie seinen Proviant eingebüßt. Er hatte alles dies willig dahin gegeben, in der Hoffnung, das Leben der Gefangenen damit zu erkaufen. Allein nachdem diese Gegenstände unter sechzehn einzelne Stämme vertheilt waren, ermordeten die Unmenschen dennoch den Missionär Volkner, welcher als der ursprüngliche Bekehrer der Colonie ihnen der gravirteste zu sein schein, und das Leben seines Gefährten schwebte, wie wir gesehen, in der äußersten Gefahr. Soweit das wackere Benehmen der Brüder Levy. Es erübrigt nur noch von dem Verhalten des ehrwürdigen Herrn Grace, sowie von seiner beispiellosen Undankbarkeit zu sprechen. Daß dieser Mann in der Gefangenschaft kniefällig um sein Leben bettelte, wollen wir dem Eindrücke des Moments zu gute halten; allein Bemerkung verdient es, daß dieser Nachfolger der Justine, der Bonifacius und der Adalberte — d. h. der Männer, die bei der Bekehrung der Heiden ihr Leben dahin gaben, — in der Kirche zu Opotiki thalsächlich aufstand und den Maoris vorschlug, seine neun Landleute, die damals noch auf freiem Fuße waren, gefangen zu halten und ihm statt dessen die 52