Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1865)
- Date
- 1865-12-26
- Page
- Seite 808 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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zu geben. Es ist in diesem Blatte nicht der Ort, um ein Bild dieser neuen schweoischen Constitution zu entwerfen, noch alle die reaktionären Zugeständnisse und Vorbehalte zu bezeichnen, mit welchen man die Einwilligung des Adels- und Priesterstandes erkaufen mußte. Ein ungeheuerer, den Jubel des Volkes hervorrufender Schritt bleibt es immer, denn alle späteren Veränderungen werden geringfügig sein gegen den, der jetzt gethan ist. Daß mit demselben auch ein wichtiger Fortschritt auf dem Wege der Glaubensfreiheit, also auch der bürgerlichen Gleichstellung der Juden, verbunden ist, setzt man voraus. Das aktive Wahlrecht ist an keine konfessionelle Bedingung geknüpft; die Juden werden also mitwählen. Weiter konnte sich aber die Nachgiebigkeit der schwedisch-protestantischen Unduldsamkeit, welche z. B. den Uebertritt zum Katholicismus dem Landesverrathe bis jetzt gleichstellte, nicht erstrecken, unddaspassive Wahlrecht bleibt daher allen Nichtprotestanten entzogen; weder Katholiken noch Juden können in die beiden Kammern gewählt werden. Denn der neue Verfassungsentwurf verordnet, daß nur derjenige in eine der beiden Kammern wählbar sein soll, der dem christlich-protestantischen Glauben angehört. Man sieht, Europa bietet für den Grundsatz der Glaubensfreiheit noch immer eine sehr bunte Karte, und es kostet viele Mühe und Zeit, den mittelalterlichen Geist der kirchlichen Ausschließung zu überwinden. Großbritannien. Auö Nordengland. «Privatmitth.) An der diesjährigen Ausstellung der Akademie der Künste (royal academy) in London betheiligten sich sieben jüdische Künstler, darunter eine Malerin, als Aussteller; und zwar die Maler S. A. Hart, S. B. Marks, S. Solomon, Miß Solomon, der Architekt D. Brandon, der Bildhauer B. Sax und der Kupferstecher H. Lemo n. Der glänzendste Name unter den angeführten ist der Hart's, von dem diesmal fünf Gemälde ausgestellt waren, die sich den besten Werken des berühmten Künstlers anschließen. Zwei derselben tragen die Bezeichnung: „Vertieft in das Buch Kohelet" (Moditating on the book of Ecclesiastes) und „Vertieft in die Werke des Thomas a KempiS" (Meditating on the works of Thomas ~a Kempis). Dieser Künstler führt das ehrende R. A. hinter seinem Namen; er ist nämlich ' Mitglied der royal academv, welche nach dem Muster der französischen Akademie gebildet, nur aus vierzig Mitgliedern besteht. Auf literarischem Gebiete haben wir folgendes zu verzeichnen. Von Hepworth Dixon, demselben, von dem vor einigen Jahren schätzbare Studien über Bacon erschienen, liegt ein neues Werk«über Palästina vor „the holy land",. das von der Kritik sehr günstig ausgenommen worden. — „Stones c-rying out and rockwitness to the narratives of the Bible concerning the tirnes of the Jews; the evidence of Ihe last ten years“ by L. N. R., London 1865 (Steine rufen aus und Felsen geben Zeugniß von den biblischen Erzählungen aus der jüdischen Vorzeit; die Zeugnisse der letzten zehn Jahre). Dies ist der Titel einer Schrift, welche die neuesten Forschungen und Ausgrabungen in Niniveh rc. benützt, um die Wahrheit der biblischen Mittheilungen zu erhärten. Das Buch ist von vorwiegend christlicher Tendenz. Als Haus- und Jugendlectüre kündigen sich an: „Little Miriam’s Bible stories“ (der kleinen Miriam Bibelgeschichten), wovon bis jetzt drei Hefte vorliegen: loh, Samson, Gideon., — Das Werkchen erscheint unter den Auspicien des jüdischen Vereins zur Verbreitung von Religionskenntnissen (Jewish association for the diffusion of religious knowledge.) — Dieser Verein, dem man guten Willen und Eifer nicht absprechen kann, wurde nach dem Muster der vielen christlichen Traktatgesellschaften (Traet societies), welche die unentgeltliche Vertheilung von religiösen Schriften (traets) zum Zwecke haben, gegründet. Die Thatsache ist charakteristisch für das jüdische Leben in England, wo unsere religiösen Institute, anstatt sich organisch aus ihren historischen Ursprüngen zu entfalten, sehr oft nach christlichen Schablonen und besonders nach dem stolzen Muster der Staatskirche zugeschnitten werden, woraus sich manche Gebrechen erklären lassen. — Die Thätigkeit des Vereins besteht-vornämlich in der'allmonatlichen Vertheilung einer Broschüre, sowie in der Veranstaltung von sabbathlichen Borträgen und Abhaltung eines Lehrcursus für Schrifterklärung. Derselbe würde gewiß mehr leisten, wenn er von tüchtigen literarischen und wissenschaftlichen Kräften unterstützt würde. ■— Zum Gebiete der schönwissenschaftlichen Literatur