Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-26 · Heft 52 (26.12.1865) · p. Seite 804

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 52 (26.12.1865)
Date
1865-12-26
Page
Seite 804 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226526--23583-3250901
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Conlegner (in Neuhäusel), Professor in Pest, Lorenz T 6 th, Akademiker u. Grundbesitzer, Samuel Szabö (in Zala-Egerszeg) und Rafael Laky. Ebenso äußerte sich Graf Sztärai, Obergespan des Zempliner Comitals, einer israel. Deputation gegenüber in humanem, zeitgemäßem Geiste*) *) In No. 48 ist zu corrigiren: statt Koräcsonyi— Karäcforiyi, statt (spr. Äökoj) — (Äökaj) und statt „in allen Wörterbüchern" — „in allen Wörterbüchern der heutigen Civilisation." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Alzey, 9. Dec. (Privatmitth.) Herr Professor Eckhard, früher in Karlsruhe, jetzt in Mannheim, hat auch hier seine beliebten literarischen Vorträge gehalten. Gestatten Sie mir, einige Bemerkungen über dieselben an dieser Stelle zu geben, wozu ich mich um so mehr veranlaßt fühle, je häufiger bei den Literaten Deutschlands auch der neuesten Zeit eine nicht zu verkennende Gehässigkeit und Fülle der Vorurtheile zu Tage tritt. Er sprach jüngst über Börne und Heine. Von ihrer literarischen Würdigung reden wir hier nicht. Wir erwähnen aber, daß der Redner ihre Leistungen rühmte nicht blos trotzdem, sondern weil sie Juden waren. Er hob gerade an dem Juden die Klarheit und Schärfe des Verstandes hervor, welche sowohl in der natürlichen Anlage, wie in der specifisch jüdischen Bildung und Erziehung begründet liege. Er wies in Folge dessen auf die Menge jüdischer Größen hin, welche Kunst und Wissenschaft der neuern Zeit aufzuzeigen haben, von Mendelssohn bis zu „den Gelehrten des Kladderadatsch", deren Humor ebenfalls eine hervorragende Eigenschaft jüdischen Geistes sei. Er leugnete, daß die Juden als solche revolutionär seien trotz Börne's Demagogie und Heine's „Jungen Deutschlands." Den Juden sei nur vorzüglich ein liberaler Sinn eigey, und zur politischen Opposition würden sie durch ihre Lage gedrängt. Es ist auch nicht wahr, fuhr der Redner fort, daß B. und H. dem Uebertritt zum Christeuthum ihre geistige Größe zu verdanken gehabt hätten. Sie blieben vielmehr trotzdem Juden im edelsten. Sinne des Worts.- Sie vergaben den Christen sogar diese geistige Nothzucht nicht, welche ihnen mit der Zwangstaufe angethan wurde, und haßten nunmehr daS Ehristenthum. Weit entfernt von einer Anerkennung des Christenthums machten sie vielmehr auf das'schiefe Licht aufmerksam, worein der dogmatische Mhsticismus das Christenthum für den denkenden Verstand bringt. Der Redner sprach über alles das mit einer solchen Wärme und Begeisterung, daß man erkannte, es sei dies seine ureigene Ansicht, für welche er einstehe. Und so verfehlte der Vortrag denn auch seine Wirkung nicht, denn der Redner riß selbst die christlichen Zuhörer mit sich fort, welche diesen Vortrag als seinen interessantesten und gelungensten nach Form und Inhalt erklärten, und sich zu einem sehr großen Theile, die höchst Gestellten an der Spitze, zu der vollen Wahrheit.des Gesagten offen bekannten. Das zeugt von Fortschritt! Oefterreichischer Kaiserstaat. Aus Oberungarn, 5. Dez. (Privatmitth.) Mit Ihrem gewohnten politischen Takte haben Sie, Herr Redacteur, den Berichten aus Ungarn über die unsrer zukünftigen Gleichstellung günstigen Bewegungen unter den Magyaren zur Seite auch dem scharfen gegnerischen Artikel der „N. fr. Pr." in Nr. 49 d. Bl. einen Ausdruck gewährt, indem Sie zwar für diesen keine Garantie übernahmen, doch aber wohl fühlten, daß keine geringe Portion Wahrheit in demselben enthalten sei. Ich brauche nicht erst zu bemerken, daß dieser Artikel aus den löblichsten Motiven für Glaubensfreiheit und somit auch für die Juden hervorgegangen, und daß er durchaus nicht den Zweck hatte, die Juden mit den Magyaren zu brouilliren. Er verwarnte nur unsre Glaubensgenossen, abermals in jene Vertrauensseligkeit zu verfallen, in welcher sie, von einem paar wohlfeiler Phrasen berauscht, der sie umgebenden Nationalität zu Füßen sinken, ihr alle ihre Kräfte zu Gebote stellen, um wenn die Stunde der That geschlagen, vor die Thür geworfen zu werden. Dieses Schauspiel scheint nun oft genug aufgeführt zu sein, um seine Wiederholung nicht widerwärtig und zu einem unverkennbaren Zeichen geistiger Schwäche und Haltlosigkeit zu machen. Der Artikel giebt zu verstehen, daß in der Politik durch bloße Hingebung nichts er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.