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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-19 · Heft 51 (19.12.1865) · p. Seite 792

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 51 (19.12.1865)
Date
1865-12-19
Page
Seite 792 (sequence 8)
Language
German
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legung eines solchen Betriebs ermöglichen. Eine schöne, menschenfreundliche That! Großbritannien. Aus Nordengland. iPrivatmitth.) Ich habe diesmal meine Berichte mit einigen Verlusten zu beginnen, welche das englische Judenthum im Laufe des Jahres erfahren hat. — Am 11. Juli verschied in London im 82. Lebensjahre ein Mann, welchen die dasige portugiesische Gemeinde zu ihren berühmtesten und verdientesten Mitgliedern zählte. Elias Hai'm Li ndo, der seine Jugend auf der Insel St. Thomas verlebt hatte, kam vor etwa 30 Jahren nach England, wo er seitdem zu verschiedenen Malen die höchsten Ehrenämter in der Londoner Sefardim-Gemeinde bekleidete. Sein Hauptverdienst aber bleibt die fruchtbare literarische Thätigkeit, die er glücklich mit dem kaufmännischen Berufe zu verschwistern verstand. Ausgestattet mit der tiefsten Kenntniß der jüdischen Religionsquellen, der Literatur und des gesammten jüdischen Alterthums, im Besitze eines nicht alltäglichen Grades moderner Bildung und voll südlicher Begeisterung für alles Schöne, was mit dem jüdischen Namen verknüpft ist, hat L. den besten Theil seines Lebens den höchsten Interessen des Judenthums gewidmet. Sein Name ist in der jüdischen Literatur Englands durch mehrere zum Theil sehr verdienstvolle und schätzbare Arbeiten vor Vergessenheit bewahrt. Im Jahre 1842 erschien seine englische Uebertragnng von Menasseh ben Jsrael's (spanisch geschriebenem) „Conciliador" mit werthvollen Anmerkungen. Diesem Werke war 1832 der „Calendar" vorangegangen, von dem 1860 eine neue Auflage veranstaltet ward. Geschmackvolle Beigaben über das Kalenderwesen und andere wissenswerthe Punkte des jüdischen Alterthums machen dies Büchlein zu einer geschätzten Arbeit, die besonders von christlichen Gelehrten Englands mit Vorliebe benutzt, wurde, so u. A. von Charles C. Hennell in seinem Buche: „An inquiry concerning the origin of Christianity“, London 1838. — 1849 erschien seine „hi^ story of the Jews of Spain and Portugal“; der Verfasser war eigens nach Spanien gereist, um die Materialien zu seinem Geschichtsbuche zu sammeln. An diese gedruckten Zeugnisse seiner schriftstellerischen Thätigkeit schließt sich sein handschriftlicher NachlafTan; bestehend aus einer ganz erstaunlichen Menge von englischen Uebersetzungen berühmter hebräischer Werke. Die Anzahl derselben würde unglaublich klingen, wenn nicht ein so langgestrecktes Leben, ein rüstiges Alter, sein Fleiß und die Treue gegen seine hohen Lebenszwecke diese Fruchtbarkeit erklärten. — Aus dem Hebräischen übertrug er: kl. Bechat's Chohot halebabot — die Herzenspflichten; R. Juda Halevi's Kusri, R. Jsaac Aboab's Menorat hamaor, R. Salomon ben Verga's Schebet Jehuda, R. Isaak Almosmino's Sepher hanhagot hachajim, R. Menasseh ben Jsrael's Mikve Jisrael und R. David Nieto's Mate Dan (eine Art Ergänzung zum Kusri). — Aus dem Spanischen übertrug er: Dr. Isaak Cardozo's Widerlegung gewisser Verläumdungen gegen die Juden; R. Saul Mortero's Wahrheit des mosaischen Gesetzes; R. Emanuel Aboab's Nomologie oder Beweis für die Wahrheit des mündlichen Gesetzes; Menasseh ben Jsrael's' „die menschliche Schwachheit" (Human fraiby); Dr. Morejon's Abhandlung über die jüdisch-spanische Medizin; und außerdem ein Werk von David Rieto. — Aus dem Portugiesischen übersetzte er: R. Samuel Usque's Tröstung wegen der Leiden Israels; Religionsunterricht von R. Isaak Leon und Salomon Sardis. — Aus dem Französischen hinterließ er eine Uebertragnng von Anspach's Worte des gläubigen Israeliten. — Zum Gebrauch für seine Familie hatte er ferner Auszüge aus dem Schulchan Aruch bearbeitet. Auch enthält sein Nachlaß einem Leitfaden über Schechita (Schlachtgesetze) u. a. — Es wäre zu wünschen, daß dieser Nachlaß, auf den wir hiermit die öffentliche Aufmerksamkeit lenken wollen, in fähige und pietätsvolle Hände gelangte. Sämmtliche genannte Schriften sind in äußerst zierlich geschriebenen Manuscripten vorhanden. Dem Bet Hamidrasch der portugiesischen Synagoge zu London blieb er zeitlebens ein eifriger Freund und Förderer und verfaßte für die Bibliothek dieser Lehranstalt eine Art Catalogue raisonnß. Mit den wissenschaftlichen Verdiensten des, treffe lichen Mannes hielten die Tugenden des Privatmanns und Bürgers gleichen Schritt, und in den weitesten' Kreisen genoß er Achtung und unbeschränktes Ansehen. Als Espartero vor etwa 10 Jahren in London war, hatte Lindo die Ehre, den spanischen Diktator mit seinem Gefolge bei sich zu bewirthen. — Neben seiner vielfachen Thätigkeit fand der Verstorbene noch Zeit zu einer höchst ausgedehnten Correspondenz mit Gelehrten,

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