Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-19 · Heft 51 (19.12.1865) · p. Seite 790

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 51 (19.12.1865)
Date
1865-12-19
Page
Seite 790 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226525--23566-3250883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ist. mit Beschlag belegt und gegen die Redacteure Sebastian Brunner und Albert Wiesinger der Proceß wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet. (Die frommen Herren scheinen also die Ehrfurcht vor dem Monarchen nur so lange zu bewahren, wie es ihnen bequem ist!) — Der Hoswechsler Ignatz Deutsch, der sich als Denunciant aller Bestrebungen für die Entwickelung des Judenthums bei dem früheren österreichischen Regime einen unliebsamen Namen gemacht, der namentlich gegen diese Zeitung, ihren Redacteur und 'bie von ihm ausgegangenen Institute intriguirt hat, ist den öffentlichen Blättern zufolge fallirt und hat gerichtlichen Schritten entgegenzusehen. Aus dem Tokajergebirge, am 1. Dec. (Privatmitth.) Die Wahlen zum Reichstage sind fast in sämmtlichen Comitaten vorüber uud nur in den wenigsten Ortschaften dürfte es den Juden gestattet gewesen sein, sich an der Wahl zu betheiligen. Und doch, sagen wir es rund heraus, haben die Juden hier und da bei der Wahl einen nicht zu unterschätzenden Einfluß geübt, und in mancher Stadt wäre das Wahlergebniß ein anderes gewesen, hätten auch die Juden sich direkt an der Wahl betheiligen können. In Nyreg yhäz, einer volkreichen Stadt im Szabolcser Comitat, saßen nicht nur Israeliten bei dem Wahlausschüsse, sondern waren auch bei der Wahlschlacht mit rothen und weißen Federn, je nach der Partei, der sie angehörten, recht zahlreich erschienen. - In der Hauptstadt, wie nicht minder auf dem Lande regt es sich in Angelegenheit der Juden recht gewaltig und sind es insbesondere die verschiedenen Parteiblätter, welche je nach der Windströmung sich der Juden anuehmen oder nicht. Während das eine Blatt vornehm uns gar zu gerne ignorirt, versetzt uns das andere, das Organ der Geistlichkeit, Stiche —, wenn es auch vorläufig bei Mückenstichen sein Bewenden hat.> Daß es unter diesen Umständen für uns von Wichtigkeit ist, jene journalistischen Unternehmungen zu unterstützen, welche auch mit Interesse sichrer Sache der Juden annehmen, ist nur zu sehr einleuchtend und seien darum die zwanglosen Hefte: „Egycnlo jog^ 6s Iestv6ris6g,“ welche bei Mandello in Pest erscheinen, hiermit auf das wärmste empfohlen. In dem Programme dieser neuen Zeitschrift heißt es unter anderem: „Es ist leider eine nur zu bekannte Thatsache, daß ein Theil der Nation ' die EmancipationSfrage der Israeliten nicht, gehörig würdigt / und doch sollten gerade wir mit aller Energie für die Rechte der Juden einstehen. Es wird Aufgabe dieser Zeitschrift sein, die Ursachen aufzusuchen, welche im Ungarnlande die Antipathie gegen die Juden hervorgerufen, die wir noch immer bei der einen oder der anderen Seite wahrnehmen. Ich werde mich bestreben, die Vorurtheile nicht nur zu bekämpfen, sondern auch die Ursachen anzugeben, warum bei uns dieses so und nicht anders bis heute sein konnte und was zu thun, damit es auch für die Juden besser werde." Aber auch der .ungarisch-israelitische Verein in Pest ist sich seiner großen Aufgabe bewußt; dieses beweisen seine täglichen Sitzungen, die von den bedeutendsten Capacitäten Pest's besucht, so manches vorzügliche Material in Angelegenheit der Emancipationsfrage lieferten, sowie die gediegenen Vorlesungen, die im Vereinslokale in ungar. Sprache stattfinden.. Mag es immer in unserer Sache nur langsam gehen und mit Recht das Ausland die Saumseligkeit der Magyaren gerade in diesem Punkte tadeln, wir sind uns unseres Sieges gewiß, da, mit den ungarischen Verhältnissen vertraut, es uns gar nicht Wunder nimmt, wenn der Ungar, der seit 17 Jahren mit der Erlangung seiner Rechte ringt, erst die Grundzüge seiner alten Ver-' fassung regeln will, bevor an den Ausbau derselben zu denken nur möglich. Wenn nur nicht von unserer Seite immer und immer wieder der guten Sache geschadet würde. Es ist fast unglaublich und doch wahr, daß eine Fraktion in einem Theile Ungarns mit aller Energie den Emancipations- Lestrebungen entgegenarbeitet. Versammelten sich doch vor wenigen Tagen drei und zwanzig Rabbinen, der Chassidäerpartei angehörig, in der Nähe unseres Gebirges, um zu berathen: ob es weise sei, die Emancipation der Juden zu erlauben, ob es nicht besser wäre, dagegen zu demonstriren. Dank dcu Behörden, wurde die Sitzung aufgehoben und die schwarzen Gesellen nach Norden und Süden gejagt, und ist es nicht unwahrscheinlich, daß dieselben an einem anderen Orte ihre Sitzungen fortsetzen. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Pest, im December. (Privatmitth.) Bei der jüngsten Vorlesung, welche Herr vr. Hirschler in den Lokalitäten des ung.-isr. Vereines hielt, war auch Ba-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.