Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1865)
- Date
- 1865-12-19
- Page
- Seite 788 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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len bemüht waren, durch ihre Übertragung in die -damals vulgär-aramäische Sprache fast das ganze halachische wie hagadische Gebiet der Talmudim und Midraschim zum Gemeingut des Volkes zu machen." Diese selbstgestellte Aufgabe geht allerdings über die eigentlichen Grenzen der Lexikographie hinaus und bringt einen gewiffen zweifelhaften Standpunkt hervor, wo Verbalien und Realien, Verbal- und Reallexikon zusammenfließen, und dadurch eine streng wiffenschaftliche Haltung nicht immer eingehalten werden kann. Gewiß wird dies dem Vers, mancherlei Tadel.zuziehen. Man wird finden, daß er das sprachliche Element nicht systematisch und streng logisch genug behandelt, daß er eine Menge Beispiele heranzieht, die nicht immer nothwendig und für ein Lerikon zu weitläufig angeführt sind. Wir stehen aber nicht an, unsere Meinung auszusprechen, nach welcher dieser Tadel geradezu in ein Lob verkehrt: Die chaldäische Lexikographie steht einmal noch weit vom echt wissenschaftlichen Standpunkte entfernt; es kommt vor Allem darauf an, möglichst viel und angemessenes Material herbeizubringen und Hülfsmittel für die weitere, tiefer und strenger eingehende Forschung herbeizuschaffen. Und diesen Standpunkt scheint uns das vorliegende Werk einzunehmen. Der Verfasser findet sich gewiß öfter in Verlegenheit, den Reichthum des ihm zu Gebote stehenden Materials zu sichten und abzugrenzen, als dessen Spärlichkeit bedauern zu müssen. Da ist es denn oft schwer, gerade das Nothwendigste herauszuwählen. Ohne daher das Werk im Einzelnen vor jedem kritischen Tadel verwahren zu wollen, müssen wir es doch als eine wichtige Erscheinung hervorheben, deren Nutzen und Wirksamkeit für eine lange Zeit anzuerkennen sind. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, 1. Dec. (Privatmitth.) Da Sie über die Zeitungsfehde, welche zwischen einem Freimaurer und dem hiesigen Rabbiner Hrn. Dr. Jastrow stattgefunden , referirt haben, so interessirt es wohl auch, den Abschluß derselben zu erfahren. Der Freimaurer gab keine Erwiderung mehr, sondern inserirte in dem „Rheinischen Herold" nur Folgendes: „Man hat durch die zweite und letzte Erwiderung in No. 13t die Geduld des Publikums vollständig erschöpft, und um dasselbe nicht einer solchen „dritten und allerletzten Erwiderung" auszusetzen, verzichtet der Verfasser von ete. auf alles Weitere." Daß sich hinter solcher Maske nur die Unfähigkeit einer schlagenden Erwiderung verbürgt, sieht Jedermann leicht ein. Aus Bayern, im Dec. (Privatmitth.) Einen erfreulichen Beweis, wie sehr die Zeitung des Judenthums, Dank Ihrer trefflichen Leitung, Herr Redacteur, von Tag zu Tag auch in außerjüdischen Kreisen an Boden und Anerkennung gewinnt, finden wir in der umfassenden Benützung und Ausbeute, welche der Inhalt derselben von anderen Zeitschriften nicht selten erfährt. So finden wir in der zu München erscheinenden, liberalen „Allgemeinen Rundschau" vom 27. Aug. den größten Theil Ihres allerdings vorzüglichen Leitartikels in No. 33. d. 9. reproducirt. Eingeleitet wird dieselbe dort mit den Worten: „Wir nehmen auch heute Umgang, die kursirende Tagespolitik ins Einzelne zu verfolgen, indem uns das Umherreisen und Vifitenmachen der Herren Potentaten und Minister in diplomatischer Vermummung und Verstimmung zu geringfügig erscheint, um auch von uns wiedergekäut zu werden. Dagegen können wir nicht umhin, einen politischen Rundblick der allgemeinen Zeitung für das Judenthum schon deshalb zu bringen, weil er die politische Abspannung, Rath- und Thatlosigkeit der Völker Europas aufs trefflichste zeichnet und unwiderstehlich zum Nachdenken zwingt. Derselbe lautet wörtlich: „Wer weiß es nicht rc. . . . bis . . . Leben verhindert." Preußen. Stralsund, im Decemb. (Privatmitth.) Lassen Sie mich kurz über einen Fall hier referiren, der Schmerzliches und Erfreuliches zu gleicher Zeit enthält. Ein Herr Salomön, der hier — wo freilich vor dem Jahre 1848 noch Schutzjuden waren und u. A. sie nicht das Recht hatten, ein offenes Geschäft zu betreiben — seit zehn Jahren als Justizaktuar bei dem k. Kreisgerichte angestellt war und sich durch seine Dienstbeflissenheit das Vertrauen und die Zuneigung seiner Vorgesetzten erworben hatte, wurde bei verschiedenen Vakanzen sei-