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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-19 · Heft 51 (19.12.1865) · p. Seite 787

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 51 (19.12.1865)
Date
1865-12-19
Page
Seite 787 (sequence 3)
Language
German
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787 den engsten Kreis der Forscher auf diesem literarischen Felde geeignet. Aber indem die, dieses betreffenden Arbeiten Zunz' jetzt abgeschlossen vor uns liegen, ist uns doch vom allgemeinen Standpunkte aus ein großes kulturhistorisches Moment in der Geschichte des Iudenthums und der Juden während des Mittelalters neu erschaffen, und steht neben den halachischen und exegetischen Richtungen gleichberechtigt da. Es sind nicht mehr vereinzelte religiös dichterische Erscheinungen, sondern eine mächtige Strömung des kultuellen Lebens, also einer dritten Seite des religiösen Lebens unserer Väter, und zeigt, wie gewaltig der jüdische Geist im Mittelalter, gegen die Dürre der zwei Jahrhunderte von 1550—1570 gehalten, gewesen ist. — Indem wir aber also die Arbeiten des Dr. Zunz über die synagogale Poesie des Mittelalters vollständig zu würdigen wissen, und die Bedeutung des Resultats hochschätzen, müssen wir jedoch auch heute gegen jede Ueberfchätzung des inhaltlichen Stoffes uns verwahren. Weder der Umfang und die Mächtigkeit, noch die Verbreitung und Verwendung eines Literaturzweiges machen den allgemeinen, ästhetischen Werth derselben aus, und nicht die Vielfältigkeit der Erzeugnisse und die Zahl der Arbeiter entscheidet über die Geisteshöhe, den Geschmack und Nutzen. Wenn daher Zunz in der Vorrede diejenigen schmäht, welche dem Piut keinen besonderen Werth und Geschmack abgewinnen können und sie als Verächter ihres Volkes bezeichnet: so ist dies sicher zu weit gegangen, und nur ihm als dem Bearbeiter des Piut zu verzeihen. Der große geschichtliche Werth hängt mit dem inneren und ästhetischen Werthe nicht zusammen, und müssen vielmehr beide, selbst in der Literaturgeschichte, von einander unterschieden werden. Zunz muß doch selbst an verschiedenen Stellen eingestehen, daß nicht allein der Gedankenkreis der Peitanim, sondern auch der Schatz ihrer Ausdrucksweise ein sehr beschränkter ist, so daß sie sich in einem kleinen Cirkel von Gedanken, Empfindungen und Formeln bewegen, und in demselben sich stets wiederholen. Fügt man nun noch die Gewalt, die sie der Sprache angethan und die Monotonie und Aeußerlichkeit ihrer Formen (alphabetische Ordnung und Reimgeklingel) hinzu, bedenkt man, daß sie es waren, welche besonders den Geist im jüdischen Gottesdienst erdrückten und das Volk an ein leeres Wortgeplapper gewöhnten: so wird man Zunz nicht beistimmen können, sobald man an ein ästhetisches und wirklich kultuelles Urtheil der Piutliteratur tritt. — öiüM rmartoa 'o Die Kämpfe Gottes, von Levh ben Gerson, neue, durchgehends berichtigte Ausgabe, Leipzig, Lorck 1866. Das bekannte religionsphilosophische und kosmische Werk des berühmten Exegeten Levh ben Gerson, auch Deov de Banolas genannt (geb. 1288, gest. 1370), welches nur ein Mal, von dem Arzt Markaria 1560 herausgegeben worden, erscheint in einer ansprechenden und berichtigten Oktavausgabe. Es handelt bekanntlich über Unsterblichkeit der Seele, Träume, Zauberei und Prophetie, die Allwissenheit Gottes, die Vorsehung, das Weltgebäude und die Schöpfung der Welt und strebt überall nach einer Vereinigung und Ausgleichung der Philosophie und der Religion. Der erste Theil des 5. Abschnittes, die umfängliche Darstellung der damaligen Astronomie, der wegen seiner Größe in der ersten Ausgabe 'weggelassen worden, ist auch in dieser übergangen, und wünschten wir wohl, daß er besonders erschiene, weil er für die Geschichte der Astronomie von außerordentlichem Werthe wäre. Jedenfalls ist es ein verdienstliches Werk des ungenannten Herausgebers, diese Schrift von Neuem in die Hände des dafür interessirten Publikums gegeben zu haben, obschon er außer Correktur des Textes für dasselbe Nichts gethan hat. — Bonn, 1. Dec. „Chaldäisches Wörterbuch über bie Targumim und einen großen Theil des Rabbinischen Schriftthums von Rabb. Dr. I. Levh. Erste Lieferung. Leipzig, Baumgärtner 1866." Wir rechnen es uns zur besonderen Freude, abermals ein bedeutendes Werk auf dem Gebiete unserer Literatur zur Anzeige bringen zu können. Je vernachlässigter die chaldäische Lexikographie ist, und eigentlich noch immer bei dem Aruch und Buxtörf steht, desto willkommener muß eine neue, selbständige und umfassende Arbeit geheißen werden. Und die Befähigung hierzu besitzt Herr Rabb. Dr. I. Levy in Breslau in einem hohen Grade. Große Belesenheit, tüchtige SprachkenntniA glückliche Combinationsgabe vereinigen sich bei ihm mit ausdauerndem Fleiße und hingebender Liebe zur Sache, um seinem Gegenstände wichtige Dienste leisten zu können. Die uns bereits vorliegenden 16 Bogen seines Werkes geben davon hinlängliches Zeugniß, und wird dasselbe, wenn es beendet sein wird, demjenigen unentbehrlich sein, der die Targumim und Talmudim studirt. Der Verf. sagt im Prospect, daß er sich die Aufgabe gestellt, „nicht blos das Sprachliche der Targumim zu behandeln, sondern auch und vorzüglich den Geist darzustellen, von welchem diese Versionen durchweht sind, wie namentlich diese Verten- 51*

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