Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1865)
- Date
- 1865-12-12
- Page
- Seite 780 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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für alle Gebäude des katholischen Cultus, wie für alle Personen, die damit verbunden sind, Bischöfe, Priester, barmherzige Schwestern, für Alles, was man mit dem Namen heilige Orte bezeichnet, aus. Man benennt, man benannte besonders in einer Zeit, die nicht sehr entfernt von uns liegt, alle Europäer, die in den Stapelplätzen in der Levante wohnten, welche selbst seit mehreren Generationen dort lebten, mit dem Namen Franken; man hatte sogar einer Art Patois, einer Mischung von Französisch, Italienisch, Spanisch, Arabisch und Türkisch, in dem die Verhandlungen zwischen den Europäern und den Eingebornen stattfanden, den Namen lingua lranca (französische Sprache) gegeben. Welche Regierungsform Frankreich auch annahm, immer hat es die Privilegien aufrecht erhalten, welche ihm eine gewisse Autorität über Constantinopel geben und aus seiner Regierung den Beschützer der christlichen Interessen machten, die damals mit den Interessen der Civilisation und Humanität identisch waren. Dies hinderte indessen den sehr christlichen König nicht , fast immer der Verbündete des „Groß-Türken zu sein und ihn sogar manchmal dazu zu drängen, andere christliche Länder anzugreifen. Je mehr andere Regierungen mit Gewalt gewisse Vortheile im Oriente errangen, desto mehr mischte sich die Eitelkeit hinein und ein fortwährender Kampf über Einfluß und Vorsitz entstand in diesen Gegenden. Zu dieser Zeit gab es wenig oder gar keine Juden in Frankreich; nach der Wiederaufhebung des Ediktes von Nantes wurde der Katholicismus sogar die einzige anerkannte Religion. Die französischen Agenten im Oriente gehören gewöhnlich gewissen Familien an, die schon seit mehreren Jahrhunderten in diesen Gegenden leben; sie behalten ihre Stellung und Traditionen, die bis zu einergewissen Zeit reichen und dadurch den Charakter des Princips erlangt haben, welches man dem, was alt ist, gern zuerkennt. Gesandte, Minister, Consularagenten gehören unter den verschiedenen Bezeichnungen dem Katholicismus an und betrachten es als eine der Aufgaben ihrer Stellung, ihn bei allen Gelegenheiten zu vertreten und ihn überall zu vertheidigen, wo seine Interessen berührt werden, mögen die Individuen welcher Nation es auch sei angehören, Deutsche, Italiener oder Spanier so gut wie Franzosen, vorausgesetzt, daß es sich um den katholischen, apostolischen und römischen Cultus handelt. Diese Traditionen herrschen ebenso im Ministerium des Auswärtigen, wo sich die orientalische Frage gewöhnlich in Händen von Leuten befindet, die, ehemals vertraut mit den Functionen in diesen Gegenden, vielleicht ohne es zu ahnen, neben sehr liberalen Ideen und reichen edlen und menschlichen Gefühlen, eine Art Borurtheil gegen Alles, was nicht katholisch ist, bewahren; denn katholisch ist für sie in Allem, was den Orient betrifft, gleichbedeutend mit französisch. Nach meiner Erfahrung, die ich mir seit fast zwanzig Jahren erworben habe, muß man diesem Vorurtheite die geringe Sympathie zuschreiben, welche wir je nach den Zeiten und Orten, Institutionen, Maßnahmen und Menschen antressen, die, wenn es sich um den Katholicismus handelte, enthusiastische Aufnahme und den Schutz gefunden hätten, welcher dem tapfern und edlen Volke, in dessen Mitte wir das Glück haben, zu leben, so natürlich ist. Daher die vielen Jrrthümer und Mißgriffe in der orientalischen Politik aller Regierungen, welche seit Anfang des Jahrhunderts in Frankreich herrschten. Sobald es sich um den Orient handelt, erscheint die Vertheidigung des Katholicismus in erster Linie; die Beschützung der Kirchen und der Missionäre, die Verbreitung dieser Doctrinen, welche, wie man sagt, den französischen Einfluß vergrößern sollen, beherrschen und leiten die allgemeine Politik. Dies ist ein Jrrthum, den Frankreich schon oft sehr theuer mit 'Gut und Blut aller seiner Kinder bezahlt hat. Wir werden uns wohl hüten, die Stimme gegen den Edelsinn und die Großmuth in der Beschützung der Bedrückten und Verfolgten zu erheben; auch überall, wo die Humanität verletzt wird, wo ihre Rechte verkannt werden, überall, wo es sich darum handelt, die Entwickelung. und Verbesserung dieser zurückgebliebenen Völker zu fördern und alle Maßnahmen zu unterstützen, die dies bezwecken, werden wir glücklich sein, unser theures Vaterland dies mit seinem liebenswürdigen Feuer, ln furia Iran Lese wie die Italiener sagen, zuerst ergreifen zu sehen. Möge der Minister des Auswärtigen, mögen die ausgezeichneten Männer, die dort sitzen, mögen die hervorragenden Agenten, deren Frankreich sich gerechter Weise rühmt, und unter denen wir das Glück haben, zahlreiche Freunde zu besitzen, an Stelle des Wortes Katholicismus das Wort Humanität setzen, das nicht weniger edel und dabei allgemeinerer Natur ist (es ist übrigens die Bedeutung des Wortes katholisch); mögen sie sich ansehen als die Beschützer aller Hospitäler, Schul- und Wohlthätigkeitsanstalten, welchen Charakter sie auch tragen, und der französische Einfluß