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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-12 · Heft 50 (12.12.1865) · p. Seite 779

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 50 (12.12.1865)
Date
1865-12-12
Page
Seite 779 (sequence 11)
Language
German
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künftigen Nachfolger des verehrten Mannheimer in Wien, die Hand gedrückt hatte, der auch bald berufen werden sollte, sein beredtes und kräftiges Wort neben diesem berühmten Prediger vernehmen lasten. Dort sah ich auch den Dr. Fürst, welcher in unfern Tagen in Deutschland zuerst die Erlaubniß erhalten hat, an einer Universität die Sprache und die Litteratur zu lehren, welche die Juden am besten kennen sollten. Dort, in Dresden, wurde ich vom Dr. Frankel herzlich ausgenommen , der sich anschickte das Großrabbinat des Köreichs zu verlassen, eine Stellung, welche ihm neben der allgemeinen Achtung und Zuneigung eine sehr schatzenswerthe Freundschaft in der Person des selig. Dr. Beer verschafft hatte. Dieser war ein reicher Mann, der, was in unfern Tagen selten ist, die jüdische Literatur ebenso wie alle diejenigen, die sich ihr widmeten, von ganzer Seele unterstützte und beschützte, und dessen sympathische Persönlichkeit für immer denjenigen theuer bleiben wird, welche das Glück hatten sich ihm zu nähern. Herr Frankel, ein aufrichtig frommer Mann, vertauschte eine ruhige und geehrte Stellung mit der Directorstelle des neuen Seminars, welche seitens dieses bedeutenden Mannes seine ganze Sorgfalt und unausgesetzte Thätigkeit erforderte. Die Wissenschaft liebend, mit der religiösen Zukunft der jüdischen Gemeinde sich beschäftigend, wollte er sein Leben der Erziehung zukünftiger Rabbinen widmen, welche seine wahre Familie bildeten. Durch Prag kommend hatte ich die süße Befriedigung, die Bekanntschaft des ehrwürdigen Rapoport zu machen. Er fügte eine gelehrte Vorrede zu dem Galed hinzu, um das Gedächtniß so vieler Doctoren zu verewigen, die in Frieden auf dem alten Gottesacker dieser ehrwürdigen Gemeinde ruhen, dessen Anblick einen tiefen Eindruck auf mich machte. Neben vieler Frömmigkeit fand diese alte Kehila stets Geschmack an ernsten Studien und seit meiner frühesten Kindheit hatte ich immer von dieser Stadt sprechen hören als von der höchsten Schule der Juden in Oesterreich. Ich erneuerte alte Freundschaftsverbindungeu mit dem würdigen Vorsteher der Gemeinde, Hrn. Ephraim Wehli, welcher ehemals die Güte gehabt hatte, dem jungen Studirenden werthvolle Rathschläge zu geben, und nachdem ich die Monumente, die zahlreichen und sntereffanten Synagogen, das jüdische Rathhaus mit seinem Glockenthurm und der Uhr, welche die Stunden in hebräischen Buchstaben zeigt, besucht hatte, wendete ich mich nach Wien, wo so viele Erinnerungen mir theuer waren, und von wo ich eine kräftige Unterstützung für die in Jerusalem herzustellenden Institutionen zu finden hoffte. Nicht um Gelo wollte ich bitten, dieses nöthige Mittel hoffte ich später und anderwärts zu finden, aber wohl um eine kräftige und laut ausgesprochene Protektion. Nachdem ich mich nach Pcesburg begeben hatte, um meine theure Mutter zu sehen, die damals noch lebte, und um das Grab meines seligen Vaters zu besuchen, kehrte ich noch an demselben Tage nach der Hauptstadt des österreichischen Kaiserstaats zurück, wo ich die Ehre hatte von dem jungen Kaiser empfangen zu werden und ihm einen Theil meiner Pläne darzulegen, welche mir erlaubt wurden den beiden leitenden Ministern jener Zeit, dem Grafen Buol-Schauenstein und dem Baron von Bach, vollständig mitzutheilen. Oesterreich, gegen die jüdischen Bewohner seines Reiches so wenig Liberal, besonders früher, hatte nichts destoweniger immer die Einsicht, in dem Judenthum eine der ehrwürdigsten und ältesten Weisen, Gott anzubeten, anzuerkennen, und hat sich immer günstig ausgezeichnet vor anderen liberaleren und vorgeschritteneren Regierungen durch die Achtung, welche es den Rabbinen, den gottesdienstlichen Gebäuden, kurz Allem dem, was den Cultus betrifft, bezeugt hatte. Im Orient hauptsächlich nahm sich Oesterreich gern jüdischer Interessen an, indem es zu allen Zeilen Israeliten zu Consulen und Generalconsulen ernannte, sie öffentlich durch erbliche Adelstitel und Auszeichnungen aller Art ehrte und allen Israeliten, die ihn verlangten, seinen Schutz bereitwillig gewährte. Frankreich, so großmüthig gegen alle seine Kinder, so bereitwillig in der Anwendung des edlen Princips der Gleichheit aller Culten, welche frei und glücklich auf seinem gesegneten Boden bestehen, hat immer eine Art Skrupel, Vorurtheil, Furcht besessen, sobald die Sachen die orientalische Frage betrafen. Ich berühre hier einen sehr delikaten Punkt unsrer Sache, der nichtsdestoweniger erwähnt und besprochen werden muß, um so Gott will! andere Gestaltung und durch eine genaue Kenntniß aller Details, eine günstigere Erledigung, wenn die Umstände es erlauben, herbeizuführen. Die sehr christlichen Könige Frankreichs üben seit mehreren Jahrhunderten den von den Capitulationen der oltomanischen Pforte anerkannten Schutz 50 **

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