Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1865)
- Date
- 1865-12-12
- Page
- Seite 778 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ggSp ^my£^ '}-.-' ' ‘ 778 r- W Palästina. Paris, 1. December (Schreiben des Hrn. Albert Cohn an die Redact. d. A. Z. d. ,J.) Erlauben Sie mir Ihnen folgende, eben aus Jerusalem angelangte Notizen mitzutheilen. Unser Arzt Dr. Rothziegel, der am 27. October seine 32jährige Frau geb. Fleckles aus Wien nach zehnstündigem Choleraleiden begrub, ermangelte auch nicht eine Stunde, den zahlreichen Kranken in und außer dem Hospital Meyer Rothschild, das seiner ausgezeichneten Leitung anvertraut ist, Hülfe und Sorge zuzuwenden. Obgleich Vater eines 3monatlichen Knaben hielt die eigene Betrübniß ihn in nichts zurück, mit Rath und That beizustehen. In einem Anfangs August beim Gouverneur gehaltenen Rathe» des ärztlichen Personals war vr. Rothziegel der einzige Arzt, der auf die Beibehaltung der Contumaz gegen Jaffa u. s. w. bestand, indem seiner Meinung nach keine Proben in Jerusalem, sondern nur einzelne Diarrhoefälle vorgekommen — man hob aber gegen Ende desselben Monats diese Vorkehrung auf, reifes und unreifes Obst, beinahe verfaulte Fische wurden auf dem Markt verkauft, Schmutz auf den Straßen, Miasmen in den Wohnungen, Wassermangel und Theuerung, also schlechte Nahrung, und so brach am 22. Sept. die wahre Cholera aus, worauf der Pascha mit den Truppen die Stadt verließ, um außerhalb derselben einen Cordon gegen die Stadt zu bilden; zwischen 7—800 Juden mögen leider gestorben sein, eine ungeheure Zahl, wenn man die Bevölkerung berechnet, und die ich noch Mühe habe, für vollständig wahr zu halten. Jedenfalls hat die Seuche schrecklich gewüthet und fordert noch in diesem Augenblicke, obgleich in bedeutend minderem Grade, zahlreiche Opfer. Mit Gottes Hülfe hoffe ich im Laufe des nächsten Frühjahrs Jerusalem und Egypten zu besuchen. Die 27,000 Frcs., die in Frankreich gesammelt wurden, wurden so vertheilt: 4,800 nach Smyrna, und der Rest in gleichen Theilen nach Constantinopel, das 4000 Todte unter unseren Glaubensgenossen zählte, und Jerusalem. Von den 438 Kranken, welche im HoSpital Meyer Rothschild vollständig verpflegt wurden, waren 21 Todte, 15 in Behandlung und 402 geheilt. Außerdem erhielten ärztliche Pflege und Medikamente 0235 Personen, -unter welchen 645 Muselmänner. Die Kranken vertheilen sich auf alle Länder der Erde (z. B. 1478 Russen, - 68 Marokkaner, 25 Perser, 77 aus Indien) und glaube ich nicht, daß es eine ähnliche Anstalt giebt, welche ihre Wohlthaten so freigebig ohne Unterschied des Alters, Geschlechts und der Nationalität spendet; und ein Arzt, der mitten in persönlichen harten Prüfungen so auf seinem Posten ausharrt und seinem Consul, der ihn fragen läßt, ob er nach jenen harten Schlägen seinen Posten verlassen wollte, antwortet: „Lebend verlasse ich das Hospital nicht", verdient gewiß die höchste und allgemeinste Anerkennung. Korrespondenz. Jüdische Briefe von Albert Cohn. XIX. (Fortsetzung.) Sir Moses Montefiore war in der neuesten Zeit der erste, der sich wiederholt nach diesen Gegenden begab, um sie kennen zu lernen; er selbst linderte viele Leiden, indem er den Grund zu Institutionen legte, welche spater als Anhaltspunkte zu neuen Stiftungen dienen sollten. Aber das Elend vergrößerte sich; der Gesundheitszustand unserer Brüder, die im Allgemeinen wenig akklimatisirt sind, litt viel und häufig; wie immer und überall sahen die eifrigen und praktischen Männer in einer materiellen und sofortigen Verbesserung die beste Hoffnung für eine Wiederherstellung, oder vielmehr für eine Wiedergeburt des Äudenthums auf dem Boden, der es entstehen sah. Diese und noch viele andere Meinungen wurden durch mich der edlen Familie von Rothschild, die sich gern Allem anschließt, das den Keim zur-»Frömmigkeit und Humanität in sich trägt, und vielen Freunden vorgelegt, die zum ersten Male eine solche Sprache hörten. So verließ ich Paris, begleitet von den Wünschen und Segnungen der ganzen Gemeinde am 11. Jnüi dem Jahrestag meiner Abreise von Wien vor achtzehn Jahren, um mir damals einen Weg zu bahnen, und mich zu einer Carriere vorzubereiten, die mir später gestattete, die mich erfüllenden Ideen zu verwirklichen. Ich hielt mich auf meiner Reise in Dresden auf, nachdem ich zuvor in Leipzig dem vr. Jellinek, dem zu-