Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1865)
- Date
- 1865-12-12
- Page
- Seite 776 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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776 ter, Bankier Lippmann, Redacteur Kuh und Fabrikant Fürth. In das Stadlverordneten-Collegium wurden neugewählt die Herren L. v. Portheim, Mitglied der Cultus-Repräsent., Georg Feigel, Vorsteher der Tempel-Gemeinde, und Dav. Zappert, Mitglied der Cultus-Repräsentanz. Eine Aeußerung des Staats-Ministers zu Gunsten der Juden hat bei diesen einen guten Eindruck gemacht. — Laibach, 13. Nov. Vorgestern wurde im Gemeinderath wieder einmal die Judenfrage aufs Tapet gebracht, indem Herr Horak, ein Hauptagitator der Slovenen, in einer Interpellation sein Befremden darüber ausdrückte, daß der von ihm schon vor einiger Zeit gestellte Antrag noch immer seiner Verhandlung entgegensehe, worauf ihm der Referent der Rechtssection, Herr Kaltenegger, die beruhigende Versicherung ertheilte, das bezügliche Elaborat in der nächsten Sitzung vorlegen zu wollen. Horak führte auch an, daß die Landesregierung in ihrer Note vom 9. September d. I. au die Handelskammer sich auf §. 25 des provisorischen Gemeindegesetzes vom Jahre 1862 berufe, wonach Niemandem der Aufenthalt verweigert werden könne, der sich mit dem uöthigen Lebensunterhalt auszuweisen vermöge. Diese Ansicht sei eine ganz irrige, indem eben die Juden nur ins Land hereinkommen, um sich hier ihren Unterhalt erst zu suchen. Jedenfalls wird die Verhandlung über diesen Gegenstand nicht uninteressant werden und den Beweis liefern, ob unser Gemeinderath überhaupt auf jener Höhe der politischen Bildung stehe, wie man sie heutigen Tages von einer s olchen Körperschaft zu erwarten berechtigt ist. Horak und seine Partei berufen sich auf eine von Kaiser Max im Jahre 1541 ausgestellte Urkunde, die übrigens nirgends zu finden ist, und meinen im schlimmsten Falle wenigstens eine Rückvergütung jener 4000 Goldgulden, welche Steiermark, Kärnten und Kram für das Privilegium der Nichtansässigmachung der Juden dem Staate gezahlt haben, erwarten zu dürfen (!). Pest, 24. Nov. Man kann sich denken, daß es uns nicht befriedigen konnte, wenn Baron Sigmund Kemsny in der gestrigen Ansprache an feine Wähler nur von „Regelung der Verhältnisse der Israeliten" sprach. Man wendete sich deshalb an Denk und erhielt von diesem die folgende Antwort: Die erste Frage, die zu lösen, bleibe immer die staatsrechtliche Frage, damit die Möglichkeit hergestellt werde, auf Grund deren Gesetze gebracht und vom gesetzlich gekrönten König sanktionirt werden können; dann aber sei die Judenfrage allerdings eine derjenigen, deren Lösung kaum mehr verschoben werden kann, —■ und zwar müsse diese Frage derart gelöst werden, daß ' die Israeliten unseres Vaterlandes im Vollgenuß sämmtlicher politischer Rechte allen übrigen Landesbürgern ohne irgend welche Beschränkung gleichgestellt seien; es dürfte hierbei weder Sympathie noch Antipathie maßgebend sein, es handle sich einfach um ein Gebot der Gerechtigkeit, und Recht und Gerechtigkeit müssen siegen. Lemberg, 22. Novemb. Graf Gulochowski, der neu erwählte Abgeordnete für Lemberg langte gestern hier an. Eine Deputation begab sich zu ihm und begrüßte ihn im Mamen der Stadt. Er dankte in einer längeren Rede, deren Inhalt hier nicht weiter interessirt. Was die Israeliten anbelangt, da schon ein Mitglied der Deputation, Herr Dobranzki (Redacteur der Gaz. Nar.), die Judensrage anregte und darauf hinwies, daß die Lemberger Juden, obgleich sie den von Polen aufgestellten Candidaten nicht wählen wollten , doch nicht für einen Feind des Landes, sondern auch für einen Polen stimmten und überhaupt nicht polenfeindlich auftraten, sagte der Staatsminister, daß ihn die Opposition der Lemberger Israeliten gegen seine Candidatur wunderte (!!!); es könne nur daher kommen, daß man ihn gar nicht kenne, oder besser gesagt, daß man ihn verkenne. Er habe die besten Hoffnungen, was die Emancipation und Polonisirung der Israeliten in Galizien anbelangt, und er hoffe auch, daß sich die Juden in Kurzem überzeugen werden, daß sie, was seine Ansichten anbelangt, im Jrrthum waren. Rußland. Warschau, im Nov. Die Einwohnerzahl Warschaus beläuft sich nach sichern Angaben für die ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auf 222,906 Individuen. Die beständige christliche Bevölkerung zählt 39,856 Männer und 46,625 Frauen, im Ganzen 86,481 Individuen; die fluctuirevde 29,320 M. und 34,329 F., im Ganzen 63,649 Per-