Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1865)
- Date
- 1865-12-12
- Page
- Seite 772 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ju der jüngsten Zeit sind wieder einige jüdische Spezialgeschichten aus dem Mittelalter erschienen. Wir glauben uns verpflichtet, jüngere jüdische.Gelehrte, die solche Geschichten abfaffen, und darin Dokumente abdrucken und bearbeiten, darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich doch zuvor genauer mit!der Diplomatik bekannt machen mögen. Wir haben eine solche Spezialgeschichte vor Augen, in welcher kaum eine einzige Urkunde richtig gelesen und wiedergegeben worden, so daß das Ganze völlig unbrauchbar ist. Kommt da ein Fachmann darüber, so giebt es eine heillose Kritik. Einstweilen kommen aber ganz unrichtige Dinge in Umlauf. Neu - Verb aß, 23. November. Die Oborgespäne und WahlkanLidateir. IV. Während der elektrische Drath schon Tag für Tag über vollzogene Deputirtenwahlen berichtet, werden noch immer Wahlprogramme bekannt, unter denen das nachstehend citirte in der Frage .der Gleichberechtigung so sehr über das Niveau des Gewöhnlichen hervorragt, daß wir es uns als Unterlasiungssünde anrechnen müßten, wenn wir uns nicht beeilen würden, der bezüglichen Stelle, woraus die echte Freisinnigkeil des betreffenden Candidaten hervorleuchtet, durch diese geschätzten Blätter weitere Verbreitung zu verschaffen. Georg Urhäzi (spr. Urhasi), Deputirter des Zsibüer Wahlbezirkes (Mittel-Szolnoker Comitats) im I. 1861, gegenwärtig wieder Candidat daselbst, spricht vor seinen Wählern den Wunsch aus, daß der nächste Reichstag je eher je lieber folgende zwei Angelegenheiten erledige, und zwar: die Nationalitätenfrage und die Judenemancipation. „Was die Iudenemancipaüon betrifft", äußert er, „so beschäftigt diese Frage seit langer Zeit lebhaft die trefflichsten liberalen Männer und Gesetzgeber unseres Vaterlandes. Auf publicistischem Gebiete erhob zuerst Baron Nikolaus v. Wesselsnyi, der einer der muthigsten und treuesten Vorkämpfer der konstitutionellen Freiheit und Rechtsgleichheit war, seine Stimme, indem er in seinem, in unserer Cultürgeschichte Epoche machenden Werke: „Balitöletek" (Vorurtheile) es ausspricht, „daß es endlich schon Zeit sei, daß die Juden ebenso alle Wohlthaten unserer bürgerlichen Verfassung genießen, wie wer immer sonst."*) Bald nach ihm griff Baron Josef Eötvös (spr. Ötwöfch) die Idee auf und kämpfte für dieselbe mit edler Wärme. Schon im Jahre 1840 — also vor 25 Jahren — machte er in seiner über die Judenemancipation geschriebenen Abhandlung darauf aufmerksam, daß „die Zeit mahne und wir nicht Zurückbleiben dürfen. Nicht Privilegien, sondern Freiheit braucht unser Jahrhundert, und dieselbe kann nicht bestehen, wenn sie nicht unser gemeinsames Eigenthum ist, und wenn die Knechtschaft, welche sich wie Unkraut und leichter, als wir denken,' ausbreitet, nicht endlich sammt der Wurzel ausgerottet wird." — Auf legislativem Gebiete nahm sich Franz Deal, der große Patriot, der Sache der Humanität und allgemeinen Freiheit an, war einer der standhaftesten Vertheidiger und Stützer derselben auf dem 1839/40er Landtage, wie dieß sein Bericht an die Stände des Szalader Comitats über das Resultat dieses Landtages glänzend erweiset. „Ich wünsche", schließt Herr Urhüzi, „daß diese Angelegenheit einer der Gegenstände der gesetzgebenden Thätigkeit des zusammengetretenen Reichstages sei; ich wünsche dies nicht blos in Rücksicht der großen Principien der allgemeinen Freiheit und Rechtsgleichheit, sondern auch im wohlverstandenen Interesse unseres Vaterlandes, welche gleichmäßig fordern, daß alle Bürger im Reiche des h. Stefan gleich seien in Rechten und Pflichten." So klingt die Sprache wahrhaft freisinniger Männer. Für Religionsfreiheit im allgemeinen sprach dieser Tage auch der gewesene General Georg v. Stratimirovits, Wahlkandidat in diesem Comitate, und für. die Judenemancipation insbesondere Dr. Julius Schwarz, ein junger Gelehrter, Gegenkandidat Gorove's in Pest. .46 vocem P e ft wollen wir hier nebenbei mittheilen, daß daselbst in das Comitö, welches über ein Progamm für den Empfang des Kaisers, der bekanntlich den ungarischen Landtag in Pest eröffnen wird, berathen soll, nebst den Repräsentanten der Stadt noch gegen 70 Bürger ohne Unterschied der Confession berufen wurden, darunter auch gegen 30 Juden. Einer derselben ist der Oberrabbiner Di*. Meisel. S. Blum, __ Hauptschullehrer. *) Wesftl^nyi (spr. Weschel6nji) war von 1825—40 Führer der ungar.-siebenbürg. Opposition und starb im I. 1850.