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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-12-05 · Heft 49 (5.12.1865) · p. Seite 763

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 49 (5.12.1865)
Date
1865-12-05
Page
Seite 763 (sequence 11)
Language
German
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763 Die Angelegenheit liegt nun bei den eidgenössischen Rächen und wird wohl in der gegenwärtigen Sitzung zur Berathung und Entscheidung kommen. Dieselbe ist so einfach und klar, daß es wirklich eine Kunst ist, den Beschluß des Landraths durch eine solche Fülle von Rechtsirrthümern zu motiviren. Die Motive enthalten zugleich auch arge Entstellungen faktischer Verhältnisse, indem weder die Bundesverfassung noch die Cantonsverfassung von Basellandschaft durch den Niederlassungs- Vertrag mit Frankreich irgendwie berührt worden, also unrichtig ist, daß dieser mit jenen im Widerspruche stehe. Zwar ist's eine Anomalie, daß die französischen Juden zur Zeit noch besser stehen, als die einheimischen, allein sie hat mit den genannten Verfassungen nichts zu schaffen und wird wohl hoffentlich nicht lange mehr bestehen. Einstweilen ist aber der Vertrag zu vollziehen und dahin wird und muß der Entscheid der eidgenössischen Räthe in dieser Sache gehen. Neuestes. Berlin, 26. November. (Privatmitth.) Der Eifer, welchen alle Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung schon vor den Wahlen für dieselben gezeigt haben, hat sich während deren Verlauf auf's glänzendste bewährt. Die hiesige Gemeinde zählt nicht ganz 4000 beitragende Mitglieder, und von diesen haben sich mehr als 2800, also beinahe 75 Procent, an der Wahl betheiligt. Bedenkt man, daß von den beitragenden Mitgliedern viele Wittwen sind, eine bedeutende Zahl doch auch gewiß gerade verreist war, so ist es wohl nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet: jeder Jude, dem nur irgend seine Beschäftigung Zeit ließ, ist an die Wahlurne geschritten. Da ein jeder der fast 2900 Wahlzettel 25 Namen enthält, so wird das genaue Resultat der Wahlen erst nach vierzehn Tagen oder drei Wochen verkündet werden können; aber von allen Seiten wird es für höchst wahrscheinlich gehalten, daß die Liberalen einen entschiedenen Sieg davon getragen haben. Man will dies aus der Bekanntschaft mit der Parteisärbung eines jeden von denen, die mitgewählt haben, schließen. Möge diese — auch, wie gesagt, von den meisten Orthodoxen getheilte — Ansicht sich bewahrheiten, damit Berlin endlich den Platz einnehme, welcher der Zahl und der Intelligenz seiner Israeliten angemessen ist! In Berlin gaben am 22. d. M. von noch nicht 4000 Stimmberechtigten 2840 ihre Stimmen ab, also über 70 Procent. Der Sieg ist der liberalen Seite verblieben; das genaue Resultat wird erst später bekannt. — In Brodh hat'Herr Kallir sein Mandat als Landtagsabgeordneter niedergelegt, und wird an dessen Stelle Herr Dr. Hönigsmann, Advokat in Lemberg (Israel.) gewählt worden. — In Krakau stimmten die Israeliten durchgehends für den Candidaten der Nationalpartei (289 Stimmen). — In dem galizischen Landtage sitzen sämmtliche Abgeordneten israelitischen Glaubens auf der Linken. — In Prag war die Repräsentanz der böhmischen Landes-Judenschaft versammelt, um über den in einer Correspondenz aus Budin berührten Statthalterei-Erlaß bezüglich der Trennung der jüdischen Steuerreste zu berathen, und hat einstimmig beschlossen, gegen biefen Erlaß an das Staatsministerium zu recurriren und in dem Recurse sich für ein gemeinsames, großartiges jüdisches Landes- Jnstitut auszusprechen. Correspondenz. Züdische Briefe von Albert Lohn. XIX.*) Eine klare und regelmäßige Methode den so verschiedenen und zahlreichen Studien geben, aus welchen die jüdische Theologie besieht, die in dieser Wissenschaft zerstreuten Elemente durch das historische Band verbinden und dadurch Ordnung in^dieses Chaos von oft liefen und des Aufbewahrens werthen Gedanken bringen, das ist eine der Seiten der schwierigen Ausgabe, die unserm Geschlecht auferlegt ist. Die andere Seite wird von der nicht minder wichtigen Mission ausgefüllt, das Niveau der allgemeinen Erziehung unseres Volkes in den verschiedenen Gegenden zu erhöhen, welche ihm als Zu- *) In den vorhergehenden Briefen hatte der Herr Verf. seine Reise durch Algerien und seine mit Erfolg gekrönten Versuche, daselbst unter dem Einflüsse der französischen Herrschaft Schulen zu gründen, im Detail beschrieben, welches letztere für diejenigen von besonderem Werthe ist, welche diesen Gegenstand studiren. Mit diesem Briefe wendet sich Herr Cohn zu seiner Reise nach dem Orient, die von allgemeinem Interesse ist. Wir geben daher seine Mitlheilungen hier wörtlich wieder. Die Redaktion. 49**

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