Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1865)
- Date
- 1865-12-05
- Page
- Seite 761 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Garantien boten, daß ein Zusammentreffen von Um- ' ständen, eine , momentane Verirrung sie von dem Wege des Rechtes verleitete, sammelte ich bei wohlthätigen Männern, um denselben eine ausgiebigere Unterstützung zukommen zu lassen. Noch ein anderes Moment wurde berücksichtigt. Avs Lallemand hebt in seinem Werke über das Gaunerthum den religiösen Sinn der Juden hervor. Diesem Momente wird Rechnung getragen. Die israelitischen Sträflinge in Stein haben eine besondere Synagoge — die Hausverwaltung und die Regierungsbehörden förderten diese Angelegenheit aufs beste, — in derselben werden von Zeit zu Zeit Exhorten gehalten. Die Wiener israelitische Cultusgemeinde, obschon in der Strafanstalt zu Stein selten oder nie ein Häftling sich befindet, der dieser Gemeinde angehört, spendet die Geldmittel, damit die israelitischen Häftlinge am Passah- und am Neujahrsfeste rc. die rituelle Kost genießen. Das Resultat dieser Bestrebungen war, daß während dieser meiner dreizehnjährigen Amtswirksamkeit bei einem Stande von 40 bis 80 Köpfen nur drei R.ücksälle vorkamen. Wien, 22. Nov. (Privatmitth). Die Probepredigten haben hier begonnen und werden fortgesetzt. Allein da es sich hierbei lediglich um eine Personensrage Han- Handelt, mit deren Entscheidung nichts weiter als ein friedliches Amt besetzt, glücklicher Weise aber irgend ein prinzipieller Gegenstand weder angeregt, noch durchgeführt wird, so wird die A. Z. d. I. nähere Berichte darüber nicht bringen wollen. Ob Der oder Jener hier gepredigt, mehr oder weniger gefallen, mehr oder weniger gerechte Ansprüche erhoben, mehr oder weniger gegnerische Jntriguen gefunden hat, kann das größere Publikum' durchaus nicht interessiren. Es können doch da nur subjektive Urtheile laut werden, und es scheint uns nur eine Ungerechtigkeit gegen die Candidaten, sie noch einer besonderen und größeren Oeffentlichkeit auszusetzen. Wir würden uns freuen, wenn diesem Beispiele auch anderweitig gefolgt würde. Es versteht sich, daß, wenn etwas Besonderes von allgemeinem Interesse dabei vorfiele, wir uns der Pflicht eines Berichterstatters - nicht entheben werden. Doch die eine Bemerkung kann ich nicht unterdrücken, daß sich hier in dem Modus der Berufung gezeigt hat, wie jedes Prinzip, wenn es das vielgestaltige Leben einseitig beherrschen will, stets seine Schattenseiten herauskehrt. Nur der Geist macht lebendig. Wenn in Berlin sich der Wegfall einer öffentlichen Conkurrenz als unstatthaft erwiesen hat, so ergiebt der in Wien gewählte Modus auch wieder seine großen Mängel. Ans der Zahl derer, die sich gemeldet, hat man eine engere Wahl derer getroffen, welche zu Probepredigten berufen werden. Ob man hierin glücklich war. ob man sich von richtitigen Ansichten hat leiten lassen, ist stark zu bezwei-. fein, und denkt man schon jetzt daran, seine Blicke auch noch weiterhin zu wenden, wenn es unter den Berufenen Keinem gelingen sollte, unumwundene Beistimmung zu erwerben. Lemberg, 18. Nov. lN. fr. Pr.) Die Landtagswahlen in Kolo'mea dauerten zwei Tage. Erst heute langten Nachrichten über das Wahlresultat an. Kolomea, das über 12,000 Einwohner zählt, ist stark von Israeliten bevölkert, welche die Hälfte der Einwohnerzahl bilden. Die Israeliten stellten als Candidaten den hiesigen Advokaten Dr. Landesberger (Israelit) auf; die polnischen Einwohner wollten den dortigen Notar Thürmann und später den dortigen Graf Moriz Dzieduszycki, Statthaltereirath in Lemberg, wählen; die Nutheneu endlichwelche, wie es scheint, neben den Israeliten die Hauptbevölkerung bilden, stellten den Dr. theol. Jlnicki als Candidaten auf. Die Abstimmung dauerte, wie gesagt, den 16. und 17. Die Einzelheiten sind noch nicht genau bekannt, so viel ist nur gewiß, daß Dr. Landesberger 553, Graf Dzieduszycki 226, der ruthenische Candidat endlich nur 46 Stimmen erhielt. Ich füge dem die Nachricht hinzu, daß schon vom December an hier eine jüdische Zeitschrift in polnischer Sprache oder, wie man will, eine polnische, für die Israeliten bestimmte Zeitschrift erscheinen wird. Dieses Blatt wird dreimal in der Woche herausgegeben werden. An der Spitze der Unternehmung steht der hiesige Advokat Dr. Hönigsmann lIsraelit), der, wie ich eben erfahre, heute schon die behördliche Anzeige machte. Das Programm dieses Blattes schließen die zwei hochwichtigen Worte: „Freiheit und Nationalität" in sich ein. Schweiz. Bern, 10. Nov. Ueber den Conflict zwischen dem Bund u'nd Canton Basellandschaft wegen Niederlassung 49