Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1865)
- Date
- 1865-12-05
- Page
- Seite 757 (sequence 5)
- Language
- German
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757 Len würden? Ihre Menschenrechte sollten sie erhalten, wenn sie durch das eaudinische Joch der zwangsweisen Magyarisirung passtrt wären. Ist Trefort's vorjährige Rede in der ungarischen Akademie vergessen, in welcher der Schwager des Baron Eötvös gegen die Gleichberechtigung der Juden polierte?" „Also nicht die Hände müßig in den Schooß legen, nicht die Schleppe der Magyaren tragen und sich auf ihre Großmuth verlassen, sondern rüstig die Schulter ins Rad stemmen und das Eisen schmieden, weil es heiß ist: das muß die Losung der ungarischen Israeliten sein. Die Gelegenheit ist günstig für sie, denn der Wahlkampf in Pest und Ofen, das Auftreten Svarcz' und viele andere Anzeichen beweisen, daß jene Zeit nahezu vorüber ist, wo die ganze Situation durch die adelige Partei des Naplo beherrscht ward. Sache des Bürgerthums, d. h. in Ungarn vornehmlich der Israeliten, ist es, ein Ende zu machen mit den Politikern, denen der freiheitliche Geist der 1848er Artikel nur ein Deckmantel für die Machtfrage ist, und die unter dieser Hülle im Grunde nichts anstreben, als die Magyarisirung Oesterreichs von der Leitha bis zum Rothenthurmpasse, von der Save bis zu den Karpathen. Das transleithaniscke, meist israelitische Bürgerthum, kann hier sogar für sich selber wie für die ganze Monarchie zu einer wahrhaft historischen Rolle berufen sein, wenn es das Magyarenthum zwingt, neben der Fahne der Autonomie Ungarns auch diejenige der bürgerlichen Freiheit zu schwingen." „Aber um dieser Aufgabe sich würdig zu erweisen, muß das israelitische Bürgerthum Ungarns sich aufrütteln aus der Indolenz, der es sich hingegeben. Es muß sich seine Stammes- und Glaubensgenossen in Lemberg zum Muster nehmen und darf sich nicht länger in dem sehr bequemen Traume wiegen, daß eö seiner politischen Mission genüge, wenn es in beweglichen Zeiten Kalpak und Csismen trage , und daß ihm die gebratenen Tauben mit der Zeit schon in den Mund fliegen werden, wenn es nur hübsch artig auf die Worte des Naplo schwöre. In staatlichen Dingen sind Bescheidenheit und Genügsamkeit keine Tugenden und das ist der Punkt, in dem die ungarischen Juden bisher gefehlt haben." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus der Oderpfalz, im November. lPrivatmitth.) Es ist ein schönes, erfreuliches Zeichen einer an wahrer Gesittung fortgeschrittenen Zeit, wenn Humanität und Glaubenstreue mit einander Hand in Hand gehen, während in früheren Perioden die Humanität nur bei religiöser Verflachung, die Glaubenstreue nur bei Intoleranz und religiösem Fanatismus gefunden wurde. Nach dem vom Studienrektorate am königl. Gymnasium zu Regensburg festgestellten Lehrplane waren die Schüler jüdischer Confession gezwungen gewesen, am Sabbath zu schreiben. Der wackere Religionslehrer an jener Anstalt, Herr Frankenburger, ein Mann von gewissenhafter Berufs- und Pflichttreue, wie von gediegenem Wissen und edlem Streben, machte bei den Herren Professoren Kleinsteuber und Meillinger die ernstesten und gewichtigsten Vorstellungen gegen diese erzwungene Gesetzesübertretung seitens der jüdischen Schüler; allein die Herren Professoren erklärten sich außer Stande, den vom Studienrektorate genehmigten Lehrplan zu Gunsten jüdischer Schüler abzuändern; versprachen aber dem Herrn Lehrer, sein Gesuch dem Rektorate vorzutragen. Herr Studienrektor Hinterhuber war nun so human, den Lehrplan abzuändern, so daß hinfüro die jüdische Jugend ohne Religionsverletzung jene Studienanstalt besuchen kann. vr. L ....... Preußen. Cöln, 15. Nov. (Privatmitth.) Vor Kurzem fanden hier Neuwahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt, und es entbrannte ein heftiger Kampf zwischen der klerikalen und liberalen Partei, in welchem schließlich die eine wie die andere einen theilweisen Sieg davon getragen. Auch Flugblätter flogen herüber und hinüber, und fanden darin die Extreme ihren genügenden Ausdruck. In solchen Kämpfen kommen denn auch die innersten Ansichten und Tendenzen, die sonst mit einem gewissen Firniß bekleidet und nur ins Geheim unter den völlig Gleichgesinnten ausgesprochen worden, offen zu Tage.