Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1865)
- Date
- 1865-12-05
- Page
- Seite 755 (sequence 3)
- Language
- German
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755 zu dieser Gruppe, außer den schon genannten noch nachstehend verzeichnete Wahlkandidaten rechnen zu können und zwar: Karl v. Szentivünyi, in einer vor wenigen Tagen abgehaltenen Conferenz der Deutschen Partei zum Candidaten für den Präsidentenstuhl des Unterhauses auf-' gestellt, Mitglied der alten Reformpartei, welcher schon beim vorigen Landtage seine Ueberzeuguug dahin ausdrückte, daß die Confession hinsichtlich des Genusses der bürgerlichen Rechte kein Hinderniß sein dürfe) ferner: Die gewesenen Deputirteu : Ste fan Br an o vackh (spr. Branowatschki) in der k. Frst. Neusatz, Johann Vidatsch, DanielBaczkö und Franz Doma hidy, sowie, die neuen Candidaten: Eduard Kristinkowitsch (in der St. Raab), Gustav Tarnüczi (in Skalitz), Johann Mo.czür und Josef Hegedüsch. Die zweite Gruppe begreift diejenigen in sich, welche, sich nicht so präcis ausdrückend, vor ihren Wählern erklären, daß sie die Rechtsgleichheit aller Nationalitäten anstreben werden. Unter diesen Candidaten befinden sich auch viele Nichtmagyaren, diese haben noch für ihre eigene Nation zu kämpfen; consequenter Weise werden sie darum nach dem Sprichworte: „Was Du nicht willst, das man Dir thu' :c." wohl wenigstens nicht zu den Gegnern der Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen gehören. Zur dritten Gruppe sind solche Candidaten zu rechnen, welche zwar die Gleichberechtigung der Nationalitäten und Confessionen zu wünschen vorgeben, dieselbe aber, entweder aus irriger Auffassung oder aus Engherzigkeit, in den bezüglichen 1848er Gesetzartikeln schon genügend begründet glauben, und darum auch blos deren praktische Ausführung wünschen, welche Gesetzartikel aber bekanntlich den, gegenseitig coordinirt sein wollenden Nationalitäten und Confessionen nicht genügen. Die Zahl der in' solch vagen Ausdrücken sich Ergehenden ist übrigens gering. Die vierte und zugleich letzte Gruppe, die aber eigentlich noch keine Gruppe bildet, indem sie bisher unseres Wissens blos durch zwei Candidaten repräsentirt wird, spricht offen für Gleichberechtigung blos der recip irten Confessionen, was natürlich die Ausschließung der Juden involvirt. Hören wir den Einen: Meszöna, Candidat der Stadt Gran äußert: „er werde es zu seinen heiligsten Pflichten zählen, bei aller Achtung vor den gesetzlich recipirten Confessio nen, den heiligen (katholischen) Glauben seiner Vorfahren zu bekennen, und ihn, wenn es Noch thäte, als Eingeborener der Stadt Gran (wo oberwähnter toleranter (!!) Hirtenbrief erlassen wurde, Corresp.) zu vertheidigen". Daß wir Israeliten nicht das Glück haben, die Achtung eines solch aufgeklärten (!!) Mannes zu besitzen, ist wahrhaftig sehr schmerzlich, doch — wir werden uns wohl zu trösten wissen. Als zweiter reihet sich der Tendenz des Ebengenannten dem Vernehmen nach der Advokat Dr. Schiller in Preßburg an. Wir wollen boffen, daß diese beiden Herren ein gleichgesinntes Paar bleiben und nicht einmal mehr ein Dritter den Herren Meszöna und Schiller mit dem großen Schiller zurufen werde: „Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der Dritte!" S. Blum, Hauptschullehrer. Je wichtiger uns alle diese Aeußerungen der jetzigen magyarischen Stimmführer erscheinen und je bereitwilliger wir sie daher hier ausnehmen und unserem geschätzten Correspondent für deren Darstellung danken: desto weniger dürfen wir dennoch verfehlen, daß es auch eine andere Anschauung giebt, welcher wir die Aussprache nicht vorenthalten dürfen. Bei der großen Krise, in welcher sich das Magyarenland befindet, ist das bloße „Zuwarten" nicht an der Zeit, sondern wir halten es für die Pflicht eines jeden Patrioten, zur normalen Entwickelung von seinem Standpunkte aus männlich mitzuwirken, was er vermag. Jene anderweitige Anschauung hat einen kräftigen Ausdruck in einem Leitartikel der „N. fr. Pr." gefunden, vom 21. Nov., aus welchem wir;, daher folgende Stellen hervorheben. Maßen wir uns auch aus der Ferne nicht an, diese Ansichten als vollkommen richtig hinzustellen, so verdienen sie doch sicheralle Beachtung. Es heißt darin: „Oesterreich zählt weit über eine Million israelitischer Einwohner — d. h. gut zehnmal so viel, als das ungesähr ebenso bevölkerte Frankreich, und etwa viermal soviel als das halb so große Preußen. Noch eigenthümlicher gestaltet sich dies Verhältniß, wenn man berücksichtigt, daß beinahe die Gesammtheit dieser Ziffer sich auf jene Länder vertheilt, wo entweder die nordslavische oder die magyarische Bevölkerung eine hervorragende Rolle spielt. Aber selbst in 49*