Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1865)
- Date
- 1865-11-28
- Page
- Seite 741 (sequence 5)
- Language
- German
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und Vorschriften von den Persern angenommen haben, die durch ihre talmudische Färbung ihren Ursprung verbargen; so ist es z. B. ein persisches Religionsgesetz, bei dem Essen nicht zu sprechen, weil der Speichel verunreinigt, im Talmud ist es aus Gesundheitsrücksichten verboten; daß abgeschnittene Nägel vergraben oder verbrannt werden müssen, ist hier wie dort aus gleicher Ursache, wegen Zauberei, vorgeschrieben, und wahrscheinlich hat R. Jochanan diese Vorschrift nicht beachtet (M. Katan 17), weil er den nicht jüdischen Ursprung kannte. Und so finden fich bei sehr vielen talm. Vorschriften und selbst bei Gebetformen höchst überraschende Analogien, die ihren kulturhistorischen Werth haben, ohne daß man berechtigt ist, sie aus Einer Quelle abzuleiten. So maßlos der Vers, aus tendenziöser Absicht hierin verfährt, so kühn sind auch seine sprachlichen Anwendungen der in den Zendbüchern vorkommenden Wörter der Zendsprache, bei welchen der Gleichklang mit dem Hebräischen ihn oft zu Deutungen verleitet, die uns an seinem wissenschaftlichen Ernst zweifeln lassen. Hierüber nur zwei Beispiele. Rab deutet (8ota 1 a) in dem Verse „Der König Asa versammelte ganz Juda; Niemand wurde befreit ^ps ■pN" dieses Wort dahin, daß selbst Braut und Bräutigam aus ihren Gemächern hei beikommen müssen. Schnorr sagt nun, Rab habe diese Deutung aus dem Gleichklang 'pi •p« mit dem persischen Nekan, Trauungssegen, entnommen. R. Akiba soll die Accusativform “pnis in Lev. 20 deshalb immu ri8i erklären, aveit im Zend atbo sie beiden heiße. Von vorzüglichem Werth sind Schorr's Mittheilungen aus dem Maa8e Nisim von Nifim aus Marseille (Ende des 13. Jahrhunderts.). Derselbe steht in seiner Erklärung der biblischen Gesetze, der Wunder, Propheten rc. ganz auf dem religionsphilosophischen Standpunkte Maimunis, er macht aber von dessen rationeller Doctrin freieren und weitausgehenderen Gebrauch. Er sucht für alle wunderbaren Erzählungen in der h. Schrift eine natürliche Ursache aufzufinden, und erst wo dies nicht ausreicht, tritt das Wunder ein, oder die Erzählung verschwindet in den Nebel einer Traumgestalt. Die Wunder werden in verschiedene Klassen eingetheilt, in wirkliche und scheinbare, in Manifestationen, die nur mit dem inneren Vorstellungsvermögen wahrgenommen werden, wie die Wunderzeichen, die Moses, Gideon u. A. gegeben wurden. „Wenn der Prophet die ihm im Traume geosfeubarten Dinge bezweifelt, so spiegelt ihm seine Einbildungskraft Wunderzeichen zu deren Bewahrheitung vor." Ferner in solche, die durch eine genaue Kenntniß der Raturkräste durch den Propheten erzeugt werden, wie Moses Wunderthaten vor Pharao, das Trinkbarmachen des bittern Wassers u. A., und in vorausverkündete Naturerscheinungen, die durch das Vorgefühl des Propheten ihm geoffenbart wurden, wie zum Theil bei den 10 Plagen Mizraims. Scheinbare Wunder sind Begebenheiten, die sich nicht natürlich erklären lassen und die daher nur allegorisch und in uneigentlichem Sinne aufzufassen sind, wie die Unterredung der Schlange mit Chava, die Erschaffung derselben aus der Rippe und die Relation der Schöpfungsgeschichte. Die in M. Kalan erzählten Wunder, die sich beim Tode einiger Talmudisten zugetragen haben sollen, wie z. B. daß von den Säulen in Cäsarea Thränen flößen, können nur als Worte der gehaltenen Trauerreden erklärt werden *). Dem spekulativen Sinne des Menschen stellen sich in Dingen, mit denen er sich besonders beschäftigt und auf die seine Verstandeskräfte besonders gerichtet sind, träumend oder wachend Gebilde dar, die nur Folge seiner überspannten Einbildungskraft sind**). Diese Mittheilung ruft sicherlich vielseitig den Wunsch hervor, daß diese Handschrift, die auch die öffentlichen Bibliotheken in Paris und Parma besitzen, edirt werde. Kirchheim. *) So hat diese Stelle auch Reifmann erklärt. Corresp. **) Diese Art, die Wunder zu erklären, gehört bekanntlich zu den Manieren eines veralteten Rationalismus. Redaktion. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im November. (Privatmitth.) In dem hier erscheinden „Rheinischen Herold" hat sich ein ziemlich lebhafter Streit erhoben. Die bekannte päpstliche Allocution gegen die Freimaurer hatte eine gegen jene gerichtete Widerlegung hervorgerufen, und der Verfasser bediente sich der Behauptung, daß ein gläubiger Jude kein Freimaurer sein könne, ohne dem Wesen nach