Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1865)
- Date
- 1865-11-21
- Page
- Seite 732 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Worte des Dankes dem edlen Grafen, der im Menschen nur den Menschen schätzt, und keinen Unterschied der Confession kennt. — Hierauf erstattete der Arzt der Anstalt, vr. Salomon Löwenson, den Bericht über die Thätigkeit des Hospitals, der recht interessant ist. Herr vr. Dreh, Ritter rc., — aus Baiern gebürtig — der dem Hospitale mehr als 20 Jahre als Arzt und Operateur Vorstand, hielt im Aufträge des Fest- Comites eine Denkrede auf die Gönner und Freunde dieser Anstalt, die ihre Zeit, Geld, Mühe und Opfer diesem gottgefälligen Institute widmeten. Sich an das alte Gebäude wendend, nahm er davon Abschied, indem er die Reihe der Wohlthäter aufzählte, „damit ihre Namen noch einmal in die Lüfte klingen sollen." Ja, in diesem alten Gebäude, das nun einer andern Bestimmung übergeben wird, hat Herr vr. Dreh fast ein Viertel-Jahrhundert hindurch mit lobenswerther Treue und Ausdauer zum Wohle der leidenden Menschheit gewirkt. Wie viele unzählige Menschen verdanken, nächst Gott, seiner kunstgeübten Hand ihr Leben, wie vielen Eltern hat er ihre Kinder, wie vielen Kindern ihre Eltern wiedergegeben! Wie viele Thränen hat er im Laufe dieser Zeit getrocknet! Der Beruf des Arztes ist ein schwerer und mühsamer und wenn derselbe ein religiöses, weiches Gemüth besitzt und täglich, ja stündlich, Gelegenheit hat, Elend und Jammer vor sich zu sehen, so muß man wahrlich die Anstrengungen und das Wirken dieser „Helden der Selbstaufopferung" zumal in schweren, bittern Zeiten, bewundern und schätzen. Wie uneigennützig sein heilsames Schaffen und Wirken in dieser Anstalt war, zeigt die Bereitwilligkeit, wie er jetzt, nachdem er die Stelle niedergelegt hat, zweimal wöchentlich unentgeldlich ins Hospital kommt, um die Operationen vorzunehmen. Solch ein Wirken verdient Dank und Anerkennung! Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, welcher Liebe und Achtung Herr vr. Dreh sich als Mensch wie als Arzt in allen Schichten und Kreisen der Gesellschaft erfreut. Von seinem tief religiösen Sinne legte er bei Gelegenheit der heutigen Einweihung Zeugniß ab, indem er für das Bethaus einen prachtvollen sammtnen Vorhang für die heilige Lade spendete. Mit einem inbrünstigen Gebete für das Wohl S. M. des Kaisers, der kaiserlichen Familie, des Chefs unserer Provinz, für das Wohlergehen der Stadt, des Hospitals, sämmtlicher wohlthätigen und Bildungsinstitute und mit dem Vortrage des Nationalhhmnus: „Gott erhalte den Kaiser!" wurde diese erhebende Feier geschlossen. — L. T. Italien. Turin, 7. Nov. (Privatmitth.) Der Tod Luzzatto's hat in Italien einen tief erschütternden Eindruck gemacht, und jetzt erst wird man sich ganz bewußt, was wir an ihm besessen. Es wurden und werden ihm selbstverständlich viele Trauergottesdienfte gehalten, und Trauerschriften sind erschienen und unter der Presse. Wir heben hier zwei hebräische Klagelieder hervor, das eine von einem seiner ältesten Schüler, Samuel Chajim Salman, und eines von einem seiner jüngsten Schüler, beide Gedichte würdige Ausdrücke des Schmerzes, welche Alle empfinden, die ihm nahe standen. Das Gedicht des Herrn Salman trägt das Prat mn (b"i© sind die bekannten Anfangsbuchstaben Luzzatto's). — Ebenso ist die meisterhafte Grabrede des Prof. Lelio della Torre in italienischer Sprache erschienen. Mit ausgezeichneter Beredsamkeit schildert der College des Verewigten darin das Leben und die Verdienste Luzzatto's, und wie das Bewußtsein dieser über den Schmerz und die Trostlosigkeit hinwegheben müsse.*) — Herr Albert Kohn hat in einem Schreiben darauf aufmerksam gemacht, daß Etwas zum Andenken und für die Hinterlassenen des Verstorbenen geschehen müsse. Aber er hat es nicht formulirt. Sicherlich würde ein desfallsiges Comitv den nachhaltigsten Anklang finden. Erwarten wir daher, daß ein solches sich recht bald bilden werde. Australien. Neu-Seeland. Das Jew. Chr. enthält in seiner jüngsten Nummer noch einen ausführlichen Artikel über die von uns berichtete Rettung eines Missionärs aus den Händen der blutdürstigen Maoris durch den Capitain Levy. Er bringt aber nichts Neues, als daß in Auckland ein Meeting stattgefunden, das einen herzlichen Dank für den Capitain Levy wegen des von ihm bewiesenen Heroismus votirte. *) Wir werden aus dieser Gedächtnißrede, die uns soeben zugekommen, Auszüge im „Jüdischen Volksblatte" bringen. Die Redaktion.