Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1865)
- Date
- 1865-11-21
- Page
- Seite 731 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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7äi opportun erscheinen lassen, und wie er persönlich für die Erlangung dieser Bewilligung mit allem Eifer wirke, bedauerten wohl die Repräsentanten der Landes- Iudenschaft, zu weit gegangen zu sein; ihr Bedauern erreichte aber nunmehr den höchsten Grad, da das Staatsministerium die Trennung in dem Verhältnisse wie 1:2 bewilligt, und zwar, wie man mir mitgetheilt, um die Reibungen zwischen der Prager Cultus- Repräsentanz und der böhmischen Landes-Judenschaft auf immer zu verhindern. Wie ich ferner erfahren, sollen beide Theile den Auftrag erhalten haben, in kürzester Zeit bekannt zu geben, zu welchem Humanitären Zwecke sie die ihnen zugewiesenen Beträge verwenden werden, um für diesen sodann die a. h. Sanction zu erwirken. So viel sich von der böhmischen Landes-Judenschaft vermuthen läßt, deren Präses hier domicilirt, so dürfte sie vielleicht den Gedanken an ein Waisenhaus fallen lassen und dafür jenen der Gründung eines Seminars aufnehmen; was die Prager Cultus-Repräsentanz veranlassen wird, ist mir von hier mitzutheilen natürlich unmöglich. Rußland. Odessa, 22. Oktober. (Privatmitth.) So eben kehre ich von einer erhebenden Feier zurück, die für immer in der Geschichte der hiesigen israelitischen Gemeinde eine bedeutende Stelle einnehmen wird. Heute wurde nämlich das großartige neue isr. Hospital feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Es war einer der schönsten Oktobertage und das herrlichste Wetter begünstigte die Feier. Um ein Uhr Mittag versammelte sich eine äußerst zahlreiche Gesellschaft in dem großen Hofraume; vor dem Gebäude waren zwei Tribünen errichtet, für die Festredner bestimmt. Es war ein herrlicher Anblick, diese große Versammlung zu schauen, alle in gehobener Stimmung. Unter den Anwesenden erblickten wir die Spitzen der Militär- und Civil-Behörden, Vertreter der Stadt, viele Professoren unserer jungen Hochschule, und viele christliche Notabilitäten.' Von den hervorragenden Persönlichkeiten nennen wir den General-Gouverneur unserer Provinz, Freiherrn v. Kotzebue, den Bürgermeister der Stadt Se. Durchlaucht Fürst Woronzow, Ihre Durchlaucht die edle, wohlthätige Fürstin Woronzvw, Wittwe des Feldmarschalls gleichen Namens, des Wohlthaters von Südrußland, dem auch wir Juden vielen Dank schulden, Se. Excellenz Grasen Tolstoy, den Civilgouverneur, den Commandanten, den evangelischen Geistlichen und fast das sämmtliche medizinische Corps. — Die Feier wurde mit einem Choräle, Psalm 103, eröffnet, worauf der Umzug und die Uebertragung der heiligen Schrift aus dem Bethause des alten Hospitals begann. Die „Sefer-Thora's" wurden von dem Rabbiner und sämmtlichen Mitgliedern des „Beth-Din" getragen, voran der Cantor der Hauptsynagoge mit seinem Chore. Den Trägern der heiligen Schrift schlossen sich die Behörden, die Ehrengäste, der Vorstand des Hospitals, die Aerzte, die Baucommission, mit dem Architekten an der Spitze, und viele Gemeindeglieder an. Beim Hauptportale angelangt, bewegte sich der Zug durch die Haupttreppe in das Bethaus; der Chor stimmte inzwischen den 24. Psalm an. Nach dem Vortrage von „min n»" vollzog Rabbiner vr. Schwabacher, mit dem St. Stanislaus-Orden decorirt, den er kürzlich von S. M. dem Kaiser erhielt, im neuen Bethause den religiösen Act der Weihe. Der Prediger sprach ein tiefergreifendes Gebet. Nun bewegte sich der Zug in der frühern Ordnung dem Festplatze zu. Eine lautlose Stille herrschte rings herum; der Rabbiner bestieg die Tribüne und hiet die Festrede, die wir als eine schwungvolle und inhaltreiche bezeichnen müssen. Man weiß, daß unserem Prediger die Gabe der Rede in seltenem Maße zu Theil wurde. In geistvollen, kräftigen, überall hin vernehmbaren Worten, entwickelte vr. Schwabacher den Zweck eines Hospitals, betonte, daß er dasselbe nicht als Krankenhaus, sondern nur als Hospital bezeichne, weil es eine Gastfreundschaft ist, die in dieser geweihten Stätte an den armen Kranken und Hülfesuchenden geübt wird, entrollte das Bild des Elends des armen Leidenden, welcher in dieser Anstalt Heil und Linderung für seine zerrüttete Gesundheit sucht und' findet, und legte dieses wohlthätige Institut der Gemeinde warm ans Herz. Besonders lobenswerth scheint es uns, wie vr. Sch. mit feinem Takte an jene denkwürdige Sitzung unserer Municipalität erinnerte, in welcher der humane Graf Stroganow, der frühere Ge-* neral-Gouverneur, in seiner Eigenschaft eines Stadtrathes, den Antrag unterstützte, dem jüd. Hospital aus der städtischen Cassa jährlich 6000 S.-R. zu bewilligen, welcher Antrag s. Z. mit Majorität angenommen wurde. Der Redner knüpfte an diese Bemerkung einige 47 **