Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1865)
- Date
- 1865-11-21
- Page
- Seite 725 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gründliche Kenntniß der Sprachformen, wodurch oft die schwierigsten Stellen erklärt werden. Ein treffendes Beispiel giebt W. unter andern in dem bis jetzt noch nicht erklärten Satze ür> fcns-ün (Äer. Berach. S. 15b), der durch Sebach. 102 seine einfache Erklärung findet. Daß die Talmudisten die Bibelverse aus dem Gedächtniß citirten und dadurch Fehler im Citat zuweilen Vorkommen, will Weiß aus dem Citat (Jes. 57) wi-w abrr in B. Bathra 9 beweisen, welches ibid. 10 u. Vajik. Rabb. C. 34 wie die Massora önö lesen. Abgesehen, daß hier eine Verschiedenheit des Textes Ver- 'anlaffung zu diesen beiden Deutungen gegeben haben mag, indem in der That Kennikott viele Handschriften fand, welche sms haben (vgl. auch Norzi z. St.), nimmt es auch die Agada in ihrer Schriftdeutung mit dem Texte nicht so genau und verwechselt auch sonst das Schin mit v, wie z. B. (8ebw. R. c. 6) pimyn *o, welches sie lasen; so deuten sie auch (Barn. B. S. 188) ■’rr,taiBn als wenn ^ph&n stände. — Rabbiner Oppenheim giebt eine Erklärung zu dem viel besprochenen njö^s, welches das Gebet des Wanderers zu übersetzen sei. So sprachlich richtig auch seine Erklärung von Ibur nach dem Aramäischen und Syrischen ist, find doch hiermit die Akten noch nicht geschlossen, da es höchst sonderbar wäre, wenn die Mischna für das bekannte Wort Tefilla, Gebet, das nur in Esther in einem anderen Sinne vorkommende nun & gewählt haben sollte. — Von Reifmann's Mittheilungen ist hervorzuheben sein Artikel über die Bauart der Synagoge im talmudischen Zeitalter. Die Ursache, warum sich im Talmud keine Spur findet, daß die Frauen die Synagoge besucht haben, ist nach R., weil sehr viele Synagogen außerhalb der Städte waren. Derselbe macht auch darauf aufmerksam, daß Rasch! und Kimchi o? ms in Ierem. 39, 8 mit Synagoge übersetzen, eine Benennung, die der Talm. 8ab. 32 ausdrücklich verbietet. So anziehend und lehrreich Reifmann's Arbeiten auch sind, so geht sein kritischer Scharfblick doch bisweilen über das Ziel hinaus, was bei seiner Erklärung zu Ber. 28 der Fall ist. R. Gamliel, heißt es daselbst, habe einen Wächter an seinem Lehrhause ausgestellt, der Jedem den Eintritt versagen mußte, der nicht von innen wie außen sei n22 i3in, das heißt nun nichts anderes als: der als solcher bekannt ist, die Lehrvorträge nicht aus religiösem Sinne anzuhören. R. will aber darin finden, daß jeder Hörer ein schriftliches Zeugniß über seine religiöse Gesinnung beibringen mußte. Jellinek hat aus verschiedenen Schriften die talm. Lehrmethode in den letzten drei Jahrhunderten zusammengestellt. Die damalige geistige Ausschweifung der pilpulistischen Richtung stellt er mit Recht weit höher, als die symbolische Mystik unserer Romantiker. Dem Meister dieser Richtung bezahlte er das ihm von diesem zugerufene Mrmser in grober Münze zurück; ein Vergeltungsrecht, das seine kindliche Pietät hervorgerufen und daher wohl zu rechtfertigen ist. — Die biblische Eregese ist in dieser Sammlung nur schwach vertreten, von Friedmann, dem Herausgeber der Sifre, und dem tiefdenkenden Mises. Ein Meisterstück in der Kunst, mit vielen Worten nichts zu sagen, lieferte der sel. Heilprin in einem Briefe, der dem sel. Herausgeber zum Abdrucke gegeben worden war. Jellinek. theilte auch eine Techina mit von Daniel den Jechiel und identificirte denselben mit dem Daniel in Machbereth von Emanuel. Daß aber letzterer kein anderer als Dante ist, hat Geiger und nach ihm auch Munk schon vor einigen Jahren (im M. f. d. Lit. d. A.) nachgewiesen. Wir haben einen Theil von dem reichen Inhalt dieser Schrift übersichtlich vorgeführt, was wohl genügen wird, derselben einen großen Leserkreis zu verschaffen, welches um so mehr zu wünschen ist, da dieser geistige Nachlaß die einzige Hinterlassenschaft des Herausgebers für seine Wittwe und Waisen ist. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Rheinhessen. Der erste Rechenschaftsbericht des „Vereins zur Unterstützung hülfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und Waisen in Deutschland" wurde eben an dessen Mitglieder versandt, und das Ergebniß, welches auch durch diese Zeitschrift der Öffentlichkeit übergeben worden ist, wird gewiß alle Mitglieder und Freunde jenes Vereines befriedigen und erfreuen. Ebenso ist der 2. Jahrgang unseres Vereinsbu ches, „Achawa," in Tausenden von Exemplaren verbreitet worden. Ausgezeichnete und bewährte Männer haben durch ihre literarische Betheiligung ihr Interesse für das segenspendende Werk kundgegeben. Das