Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-14 · Heft 46 (14.11.1865) · p. Seite 714

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 46 (14.11.1865)
Date
1865-11-14
Page
Seite 714 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226520--23481-3250793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

MZ 714 wie in Ungarn und Galizien eine unbedeutende Minderheit, sondern einen großen Theil der Bevölkerung aus. Der Wahlkampf zwischen den Deutschen und Czechen ist daher ein sehr lebhafter. Die Czechen versuchen nun jedes Mittel, die Juden auf ihre Seite zu ziehen. Vorerst fingen sie es aber in sehr ungeeigneter Weise an, indem eines ihrer Blätter einen sehr heftigen, gegen die Juden gerichteten Artikel brachte, der von ihnen durch die Furcht erzwingen wollte, was sie freiwillig vielleicht nicht zugestehen würden. Man sah den Fehltritt bald ein, und die andern czechischen Blätter suchten sofort durch schmeichelhafte Artikel die Juden zu beruhigen und durch Concessionen für die Stadtverordneten- und Landtagswahlen herüber zu locken. Man versuchte es sogar, unter die Juden selbst eine Spaltung zu bringen, indem man die Orthodoxen als der czechischen Partei angehörig ausgiebt. Diesen Vorgängen gegenüber verhalten sich die hies. Juden aber ablehnend, und wollen sich für keine Partei mißbrauchen lassen, vielmehr nur ihrer Ueberzeugung und patriotischen Gesinnung folgen. Frankreich. Paris, im Oktober. Herr Albert Cohn erläßt folgendes Schreiben an die Arch. isr., und bittet alle Redaktionen jüdischer Zeitschriften dasselbe wiederzugeben. „Samuel David Luzzatto, der berühmte Professor des Paduaer Seminars, ist gestorben; in der Nacht von Jom Kippur hat seine reine und edle Seele aufgehört unter den Lebenden zu weilen. Es ist jetzt nicht der Augenblick, das Verdienst dieses verstorbenen Gelehrten auseinanderzusetzen, der mit der kindlichen Naivetät und dem jugendlichen Feuer die tiefe Gelehrsamkeit des Greises zu vereinigen wußte; seit mehr als vierzig Jahren aus der Bresche, hat er das Gebiet der jüdischen Theologie nach allen Richtungen hin erweitert; mit einer unglaublichen Thätigkeit hat er die biblische Exegese wie auch die hebräische Grammatik, die Poesie und Philosophie wie die Moral und Geschichte bereichert; keine jüdische Sammlung, keine Arbeit erschien, ohne Aufklärungen oder Rathschläge mit stets offner Hand von ihm zu erhalten. Aber Luzzatto hinterläßt einerseits eine Wittwe und ziemlich zahlreiche Familie ohne Vermögen, andererseits ein Menge Werke theils unter der Presse, theils noch nicht vollständig veröffentlicht. Wir haben die Ueberzeugung, daß unsere italienischen Glaubensgenossen basGedächtniß ihres berühmten Landsmannes würdig zu ehren wissen werden. Aber Luzzatto gehört dem ganzen Judenthume an. Daß sich doch ein Comits bildete, aus seinen ehemaligen Schülern bestehend, und ich werde glücklich sein, meine schwache Beihülfe zu leisten. Der griechische und römische Katholicismus, der Protestantismus und /der Islam haben Jeder eine Regierung als Schutz, welche dem resp. Cultus und den Männern, welche durch ihre Arbeiten ihn verherrlichen, eine wirksame Mithülfe'gewährt. Dem Judenthume allein fehlt ein großes Institut oder Stiftung, welche zum Zwecke hat, diese Arbeiten zu ermuthigen und die Arbeiter auf dem Felde der menschlichen Thätigkeit zu unterstützen. Tempel erheben sich, Gott sei Dank! überall, um den Gottesdienst würdig zu feiern; Schulen und andere Lehranstalten erstehen in allen Ländern, um die Bildung aller Classen unserer Bevölkerung zu heben; Hospitäler, Waisenanstalten und eine Menge anderer wohlthätigen Institute verdanken ihre Existenz in den verschiedenen großen Gemeinden der persönlichen Großmuth und der öffentlichen Wohlthätigkeit; die jüdische Wissenschaft allein ist noch Wittwe. Wie schade, daß mein Vorschlag zu einer jüdischen Akademie ein Jahrhundert nöthig hat, um ins Werk treten zu können, und wie glücklich würde ich sein, wenn diese Zeilen in irgend einem Mäcen dieser Literatur den Gedanken Hervorrufen könnten, diese Lücke durch eine große Stiftung auszufüllen, welche zu gleicher Zeit die Wissenschaft ehren, wie das Gedächtniß ihres edlen Beschützers verewigen würde." Donaufürstenthümer. Bukarest, 26. October. (Privatmitth.) Am 24. vorigen Monats wurde die Prüfung in der seit der Entfernung des Herrn Malbim wieder restaurirten Gemeindeschule abgehalten. — Wenn auch diesmal keine allgemeine Theilnahme seitens der Väter der die Schule besuchenden Kinder sich kundgab, so konnte man doch an der kleinen Anzahl der Anwesenden, worunter mehrere der früheren Schulgegner waren, die Ueberzeugung schöpfen, daß die Vortheile regelmäßigen Unterrichtes bald jedem Gutdenkenden einleuchten werden, und die Schule nicht mehr dem blinden Wahne einer, von einem fal-.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.