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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-14 · Heft 46 (14.11.1865) · p. Seite 711

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 46 (14.11.1865)
Date
1865-11-14
Page
Seite 711 (sequence 7)
Language
German
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m Ein anderes „Eingesandt" dankt dem Vorstande für seine Ansprache und besonders, daß er darin Stellen aus den Berichten und Gutachten des Dr. Sachs aus den Jahren 1844—54 anführt, und fordert Alle auf, diese, die Reform des Gottesdienstes fordernden Worte zu berücksichtigen. Hierauf erscheint am andern Tage eine Erwiderung, in welcher jene Stellen als aus dem Zusammenhang gerissene Worte bezeichnet werden, die, da sie einem früher gegebenen Gutachten entnommen seien, keinen „Glauben für alle Zeiten" finden dürften. Es heißt da: „Mit aller Entschiedenheit war der selige Prediger Dr. Sachs gegen jede Cultus-Reform im neuen Tempel. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird jedes verehrte Mitglied der engeren Familie des seligen Predigers Dr. Sachs gern bestätigen. „Gott gebe, daß nur Männer als Repräsentanten der Gemeinde gewählt werden, die nicht indifferent in Glaubenssachen find, sondern nur solche Männer, die ein warmes Herz für jedes göttliche Gebot haben; auf daß wir im neuen Tempel den alten bewährten Cultus wiederfinden und dadurch beweisen, daß die Zeit dem Cultus sich zu subordiniren und nicht letzterer der ersteren!" Der ersteren Behauptung stehen nun doch die vom Vorstande mitgetheilten Stellen allzu klar gegenüber, und diese ^Erwiderung scheint den sel. Dr. Sachs lieber der Inkonsequenz beschuldigen zu wollen. Was „das warme Herz für jedes göttliche Gebot" betrifft, so weiß jeder Sachverständige, daß die Liturgie, wie sie herkömmlich ist, mit den „göttlichen Geboten" durchaus nicht viel zu schaffen hat, daß Piutim, Minhagim und viele Theile der Liturgie auch für den „Strenggläubigsten" nicht aus den „göttlichen Geboten" geflossen sind, und daher weder ihre Beibehaltung die Erfüllung, noch ihre Äenderung eine Verletzung eines „göttlichen Gebotes" ist. Wenn endlich der Satz, der Cultus soll sich nicht der Zeit, sondern die Zeit dem Cultus unterordnen, wahr wäre, so hätten wir unfern Cultus schwerlich jemals gehabt, denn unsere Väter haben ihn nach den veränderten Bedürfnissen ihrer Zeit geschaffen. Der Cultus als eine Form der Religion ist nicht mit den ewigen Satzungen der Religion zu verwechseln; er ist der Ausdruck der Religion an ihre lebenden Bekenner, um sie religiös zu ergreifen, zu belehren und zu erfüllen. Um dies zu können, muß er den Bekennern verständlich, ihre Seelen ansprechend, ihre Herzen erhebend sein. Ist er dies nicht, so vermag alle Heiligkeit des Alters die Kluft nicht auszufüllen, welche sich ohne Zuthun Einzelner durch die Entwickelung der Zeit zwischen diesem Cultus und den lebenden Bekennern eingestellt hat. — Doch es ist nicht die Sache dieser Correspondenz, diesen so vielfach besprochenen Gegenstand zu erörtern, sondern sie wollte nur in einigen wenigen Zügen die begonnene Wahlbewegung charakteristren. Berlin, 2. Nov. (Privatmitth.) Die Agitation zu der am 20. d. M. stattfindenden Repräsentantenwahl ist in der hiesigen Gemeinde sehr groß. Selbst auf der Börse gerathen die Parteien bisweilen aus einander. In den öffentlichen Blättern wird der Streit gleichfalls durch Annoncen und Eingesandts von beiden Seiten lebhaft geführt. Erfreulich ist es jedenfalls, daß sich der freisinnige Theil der Gemeinde endlich einmal den schreienden Mißständen gegenüber aufgerafft hat; er wird sich zahlreich an der Wahl betheiligen und hoffentlich wird ihm der Sieg nicht entgehen. Er hat um so mehr Grund zur Einigkeit und zu energischem Auftreten, als die entschiedensten Mitglieder der Reformgemeinde — die ja sämmtlich zugleich Mitglieder der großen Gemeinde sind — mit den und für die Orthodoxen stimmen, damit nicht durch die Wahl zeitgemäßer Rabbinen für die große Gemeinde ihre schon jetzt schwankenden Anhänger gänzlich zu letzterer hinübergezogen würden. Allem Anscheine nach jedoch steht die Wahl liberaler Repräsentanten außer aller Frage. Oesterreichischer Kaiserstaat. Fünfkirchen, 18. Oktober. (Privatmitth.) Am 28. v. M. fand hier die Grundsteinlegung zur neuen Synagoge statt, und waren die Spitzen der geistlichen, weltlichen und Militairbehörden zugegen. Um 10 Uhr Morgens erschien Herr v. Csernhus, Obergespan der Baranha, und wurde von der hier versammelten ansehnlichen Menge mit weithin schallenden Eljenrufen und hierauf von unserem Herrn Rabbiner Ehrlich in einer gediegenen ungarischen Rede begrüßt. In einer kurzen aber markigen Erwiederung würdigte der Angesprochene die Verdienste der h. Cultusgemeinde und forderte sie auf, daß ihre Jugend in

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