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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-14 · Heft 46 (14.11.1865) · p. Seite 709

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 46 (14.11.1865)
Date
1865-11-14
Page
Seite 709 (sequence 5)
Language
German
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auch die Behauptungen des Berf. von der Unfähigkeit der Israeliten zum Arbeiten in's Nichts verschwinden. Nein! Wir wollen uns hier nicht in eine detaillirte Widerlegung des Vers, einlassen und die zahlreichen Beispiele an führen, welche den Schilderungen des Vers, widersprechen. Man kann Alles verdrehen und in die Klasse der Ausnahmen werfen. Wir begnügen uns nur, ihm sein Prinzip unter den Füß'Ln wegzunehmen — dann fällt sein Bauwerk von selbst ein. Nein! So wenig wie man das Leben des Individuums lediglich aus seinen natürlichen Anlagen erklären, sein Wesen als in diesen begriffen, seine Entwickelung und seine Lebensgeschicke durch diese als bloße Naturnothwenvigkeit ausgeben kann: so wenig und noch weniger bei einem Volke, am wenigsten bei einem Volke von vier Jahrtausenden, welches die außerordentlichsten Umwandlungen erfahren hat. Die genetischen Anlagen sind nur ein geringer Anfang und ein einzelner Factor in der Entwicklung einer großen und langlebigen Nation. Was man gewöhnlich den Charakter einer Nation nennt, ist bei weitem noch nicht bloß natürliche Anlage, sondern durch ihre geschichtlichen Berhältniffe herausgebildet und kann und wird sich unter veränderten Verhältnissen wesentlich verändern und umgestalten. Und so ist es auch mit den Juden der Fall, seit den wenigen Jahrzehnten, in welchen für sie die Ausschließung äufgehört hat. Daß dies nicht so schnell geschieht, wie der Verf. es zu verlangen scheint, liegt in der Natur der Sache, namentlich in der Natur der Thätigkeit, zu welcher man die Juden anderthalb Jahrtausende gezwungen hat. Daher sei nur noch der eine Gedanke ausgesprochen: jeder Geschichtsforscher weiß, daß es auch einen Charakter und eine Richtung ganzer Zeitepochen giebt — wie will man nun diese erklären, wenn es eine „eiserne Naturnothwendigkeit" giebt, die jedes Volk aus seiner „naturgeschichtlichen Eigenart" heraus seine eigene und bestimmte Bahn zu gehen zwingt? Zeitungsnachrichten. Deutschland. Tauberbischofsheim, 31. October. (Privatmitth.) In unserem Lande herrscht in Bezug auf religiöse Verhältnisse innerhalb des Judenthums vollständige Windstille. Die, vom Oberrath ausgehenden beiden Entwürfe über die Verfassung der Synagoge, sowie über eine zu gründende Wittwen- und Waisenkasse, sind noch im Stadium der Berathung und verlautet von der Art und Weise, sowie von der Zeit und Ausführung nichts nach Außen. Dies ist auch der Grund, warum ich mit dem schon längst versprochenen Berichte über die Lehrer-Wittwen- und Waisenkasse so lange zögerte, indem ich immer hoffte, ein fait accorapli mittheilen zu können. Soviel aus der an die Rabbiner zugesandten Zuschrift hervorgeht, beabsichtigt der Oberrath die, bei der allgemeinen Lehrer-Wittwen- und Waisenkasse bestehenden Normen zur Richtschnur zu nehmen. In letzteren Verein können bekanntlich nur, an öffentlichen Schulen angestellte Hauptlehrer eintreten, und ist die Gründung einer solchen für die Vorsänger und Religionslehrer um so mehr geboten; denn nichts entmuthigt mehr, in der Arbeit, als das Bewußtsein des ungewissen, oder besser gesagt, gewissen traurigen Looses der Hinterbleibenden. Bei der Gründung dieser Wittwen- und Waisenkasse wird es jedoch von.unerläßlicher Bedingung sein, daß dieselbe von Seiten der Centralkasse unterstützt werde; die Lehrergehalte sind zum größten Theil der Art, daß von großen Opfern nicht die Rede sein kann, und wenige Lehrer werden im Stande sein, größere regelmäßige Beiträge zu leisten. Noch zwei andere Lehrerunterstützungs-Fonds, die der Vollständigkeit halber erwähnt werden müssen, bestehen in unserem Lande: der Pestalözziverein pnd die Friedrichsstiftung; ersterer leistet nur eine einmalige Zahlung, die sich nach Umständen auf 200 Fl. belaufen kann. Die Auszahlung geschieht alsbald nach dem Tode eines Mitgliedes und dient hauptsächlich dazu, die ersten Bedürfnisse der Familie, wie Arzt, Apotheke rc. zu bestreiten. Während diese genannten Stiftungen mehr die Hinterbleibenden des Lehrers im Auge haben, gewährt die, anläßlich der Emanzipation der badischen Israeliten, von diesen gegründete Friedrichsstiftung Kranken und hilfsbedürftigen, würdigen Lehrern ohne Unterschied der Religion, Unterstützungen von je 20—40 Fl. Diese Stiftung steht unter gemeinschaftlicher Verwaltung einiger Mitglieder des Oberschulraths und des Oberraths der Israeliten. Da dieser letztere Fonds denselben Zweck/hat, wie der zu Ehren des verstorbenen Oberraths Epstein, von israelitischen Lehrern gestiftete, so wurde dieser Hinsicht-

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