Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1865)
- Date
- 1865-11-14
- Page
- Seite 707 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226473-3226520--23474-3250786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Deutschlands." Mer darin zeigt es Sch am besten, welche . Herrschaft bereits irgend eine Anschauungsweise gewoni neu, wenn wir sie selbst innerhalb der engen Grenzen eines solchen Morgenblattes für gebildete Leser die Feder führen sehen. Den Vordergrund dieser Skizzen nämlich nehmen die Juden ein, und wenn der Verf. auch nur über das südwestliche Deutschland schreiben will, unter der Hand dehnen sich die paar Tausend Juden in dem gedachten Winkel unseres Vaterlandes zu den Millionen Juden des ganzen Erdkreises aus, ste sind ihm allesammt identisch, ja noch mehr, die zahllosen Geschlechter der Juden, die nach einander über diese Erde gingen, sind ihm Alle ein und dieselbe Masse, die er sich nun wie Thon nach Belieben zurecht kneten kann. „Ein gebildeter Leser" hat bei Leibe keine Feindschaft und keinen Haß, ja nicht einmal Vorurtheil. Er hat nur Sym- und Antipathien, die in irgend einer natürlichen Eigentümlichkeit begründet, naturgeschichtlich, und folglich selbst durch die Bildung nicht zu überwinden sind. Wer also in einem „Morgenblatt für gebildete Leser" schreibt, der hegt keinen Judenhaß, er ist sich nicht einmal der Vorurtheile gegen sie bewußt, aber die naturgeschichtlichen Antipathien, dafür kann er nichts, die kann er nicht los werden, für die ist er nicht verantwortlich. Daher kommt es, daß er zwar mit allen Kräften nach^ Unparteilichkeit strebt, daß er die Vorzüge und Schattenseiten der Juden gewissenhaft abwägen und zeichnen will, unter der Hand aber diese dunkeln Elemente des jüdidischen Charakters Berge hoch anschwellen, und die Vorzüge kaum noch unter dem Mikroskope zu sehen sind. Bei diesem Prozesse gestattet sich denn auch der Verf. einen Kunstgriff, der jetzt mehrfach gegen uns angewendet wird. Er meint, gegen derartige Beurtheilungen, wie er selbst sie giebt, sträubten sich die Juden gar sehr, aber als Partei seien sie nicht zu hören. Dies ist die bequemste Weise, um eine Anklage gleich zu einem Urtheile zu stempeln und den Staatsanwalt sofort zum Richter zu machen', und zwar ohne Appellation. Mit Nichten', mein Herr! Wir sind Partei, aber auch Sie sind es, und vor dem unparteiischen Gerichtshöfe der Vernunft und der Gerechtigkeit werden nur die Gründe gehört und abgewogen, gleichviel, ob ste von der Anklage oder von der Vertheidigung kommen. Der Verfasser ist sich aber der Quelle, aus welcher seine Schilderung fließt, wohl bewußt, und er geht eigentlich nur darauf aus, dieselbe zu erklären. Er sieht zwischen der ganzen abendländischen Bevölkerung und den Juden eine unüberwindliche „Abneigung" herrschen. Er giebt zu, daß der Jude der „Vertrauensmann des Bauern" ist, dem dieser alle seine Geheimnisse, seine zerrütteten Verhältnisse u. s. w. anvertraut, und zu dem er seine Zuflucht nimmt, aber der Bauer soll dies nur aus Mißachtung des Juden thun, die ihm wieder der Jude mit grimmigem Haß vergelte. Der Jude und der Bauer suchten sich daher gegenseitig zu überlisten und zu betrügen, wobei oft der Bauer, nicht selten aber auch der Jude unterliege, und zwar gerade durch den Schein der Einfalt, den der Bauer so meisterlich anzunehmen verstehe. Dies ist das Bild, das sich der Verf. von der gesammten Judenheit und ihrem Verhältniß zur christlichen Bevölkerung ausmalt. Er sieht daher ein, daß jene Abneigung nicht aus der Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses entstehen könne, denn man hätte „an dem Verhältniß der farbigen Racen zu den weißen in Amerika den Beweis, daß die Gleichheit des Bekenntnisses nicht hinreicht, natürliche Gegensätze auszugleichen." Wie sollte man auch der „Aufklärung gebildeter Leser" zumuthen, daß sie um des Glaubensbekenntnisses willen sich abgestoßen fühlen sollten! „Sieht man nicht z. B. an der außerordentlichen Eintracht, welche überall zwischen den Katholiken und Protestanten herrscht, namentlich da, wo die Parität der einen oder der andern Seite nicht gewahrt scheint, daß die Ungleichheit der Confession gar nichts mehr ausmacht!" — Auch „die Verschiedenheit der physischen Merkmale reicht dem Verf. nicht hin, die Unheilbarkeit der Antipathie zu erklären." (Hier freilich vergißt der Verf. an die eben angeführten farbigen Racen; er vergißt aber auch die Verschiedenheit der physischen Merkmale anzuführen, welche bei den Juden so stark seien, daß sie z. B. die Verschiedenheit der Sarmaten von den Engländern, der Schweden von den Italienern Überträgen!) Diese Unheilbarkeit müsse daher in der „einseitigen Richtung" der jüdischen Dhätigkeit ihre Ursache haben, welche mit „wenigen, oft noch sehr zweifelhaften Ausnahmen jedem technischen Betriebe ab- und ausschließlich dem Handel zugewendet ist." Und diese Thätigkeit liegt dem Verf. in dem „unveränderlichen inneren eigenthümlichen Wesen des jüdischen Volkes," in welchem es „einer eisernen Naturnotwendigkeit folgt, welche, indem sie ihm das scharfe Auge für die Ziffer 'und den Werth der Dinge verlieh, den Sinn für Formen in Beziehung auf deren Erfindung, das Gefühl für das physische Verhalten der Dinge, und somft das Geschick zur Arbeit versagt hat." Jene Thätigkeit ist also 46*