Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1865)
- Date
- 1865-11-07
- Page
- Seite 699 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m stattgefunden. Es wurden die bisherigen Vorsteher wieder gewählt. Neu ist nur, daß Herr E. Wehli als Obmann wieder an die Spitze gestellt wurde. W. ist als der eigentliche Gründer des Talmud-Thora-Jnstituts zu betrachten. Der Abend des 20. Oktober war für die hiesigen Juden ein kritischer, der slavische Theil der Bevölkerung wollte eine Illumination zu Ehren des System- Wechsels^ in der Regierung veranstalten. Die Juden, die es gern mit keiner Partei verderben wollten, waren in keiner geringen Verlegenheit. Endlich siegte der praktische Sinn: die Bewohner der Josephstadt (ehemals Judenstadt), wo sämmtliche Synagogen sich befinden, illuminirten, die außerhalb dieses Stadttheils Wohnenden folgten unbekümmert ihrer politischen Anschauung. Und das war sicherlich das Beste; wie ehemals in Egypten „ulechol ben6 Jisrael lo jecheraz etc.“ UebrigenS hat es an einer scharfen Warnung von Seite der Behörde nicht gefehlt. — In den hiesigen Bl. liest man: Der am jüngst verwicheuen Laubhüttenfest eingetretene zwanzigste Jahrestag der Wirksamkeit des Herrn Professors vr. Kämpf in der hiesigen Jsraelitengemeinde als Rabbiner und Prediger hat den zahlreichen Freunden und Verehrern desselben Veranlassung gegeben, ihm Ovationen darzubringen. Es erschienen bei ihm zahlreiche Deputationen mit Beglückwünschungsadressen; namentlich wurde ihm von Seite der Frei'schen Privathauptschule eine in klassischem Hebräisch verfaßte Adresse überreicht. Das Chorpersonal des Tempels brachte ihm eine Serenade dar. Der Vorstand der Tempelgemeinde übergab ihm ein kalligraphisch ausgeführtes Diplom, welches die in der letzten Generalversammlung der Tempelgemeinde einstimmig angenommenen Stipulationen zu Gunsten des Herrn Professors vr. Kämpf enthält, und zugleich als Motiv dieser Begünstigung in warmen Worten die Verdienste des Gefeierten bezeichnet. Wien, im Oktober. (Privatmitth.) Es liegt uns der vierte Jahresbericht des Vereins „für Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" vor und giebt ein Bild von der segensreichen Wirksamkeit dieses unentbehrlich gewordenen Vereins. Dennoch steht sich der Vorstand veranlaßt, eine noch größere Betheiligung der Gemeindemitglieder zu erbitten. Hierbei fällt jedoch auf, daß es eben nur Wiener sind, welche Beiträge und Spenden geben, während die Empfänger aus allen Theilen des Kaiserstaates, die allerwenigstert Wiener sind. Es ist dies zuletzt ein ungerechtes, ja ungesundes Verhältniß, und wir würden im Interesse der heiligen Sache, welcher dieser Verein gewidmet ist, den Vorstand darauf aufmerksam machen, an die Vorstände der Gemeinden, aus welchen mehrfach an deren Söhne vom Vereine Unterstützungen geleistet werden, die Aufforderung zu richten, sich an dem Vereine zu betheiligen. Selbstverständlich darf der Erfolg dieses Vorgehens nicht zur Bedingung der Unterstützungen gemacht werden, und wir wissen auch, daß vorläufig in den meisten Fällen diese Aufforderungen erfolglos sein werden. Aber dies thut Nichts, es muß systematisch damit vorgegangen werden, zuletzt wird das Pflicht- und Schamgefühl doch erwachen und der Verein in der Vergrößerung seiner Mittel den schönen Gewinn seiner unermüdlichen Thätigkeit erlangen. Zu diesem Zwecke schiene es uns auch angemessen, wenn in dem Jahresbericht nicht bloS das Vaterland, sondern auch die Vaterstädte der Unterstützten angegeben würden. In dem verflossenen Jahre waren nur zwei Unterstützte aus Wien, dagegen 62 aus Ungarn, 16 aus Böhmen, 16 aus Mähren, 14 aus Galizien rc. Von den eingereichten 180 Bittgesuchen wurden 119 berücksichtigt, und zwar 6 Rabbinatskandidaten, 103 Mediziner, 2 Pharmaceuten, 5 Juristen, 3 Techniker. ES wurden 2780 fl. verausgabt, und davon theils Collegiengelder, theils Rigorosen- und Promotionsgelder, nur wenige Unterstützungen gezahlt. Vielen von diesen Studirenden ist es durch diese Unterstützungen allein möglich geworden, ihre Examina zu absolviren und hierdurch zu ihrem Ziele zu gelangen. Lemberg, 18. Oktober. Die „N. Fr. Pr." schreibt über den weitern Verlauf der hier im Schooße des Gemeinderathes über das neue Gemeindestatut der Stadt sich austragenden Angelegenheit Folgendes: „Einen guten Eindruck machte die eben abgehaltene Sitzung des Gemeinderathes; Gegenstand der Verhandlung in derselben war das Projekt des Gemeinde- Statut«. Ich berichtete schon, die größte Schwierigkeit in dieser Angelegenheit bilde die Judenfrage, welche jetzt hier sowohl aus Rücksicht auf das Gemeinde- Statut, alSauch aus Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen auf der Tagesordnung ist. Viele christliche Gemeinderäthe standen bisher, was die praktische Durchführung der Gleichberechtigung anbelangt, den Jsrae- 45 **