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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-07 · Heft 45 (7.11.1865) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 45 (7.11.1865)
Date
1865-11-07
Page
Seite 698 (sequence 10)
Language
German
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WW MWWWW^WMWMWW^WWWWW leben, die Stätte der Wirksamkeit eines Mendels sohn, Friedländer, Zunz und anderer namhafter Männer., nicht nur in numerischer, sondern auch in intellektueller Beziehung die erste Gemeinde in Deutschland ist, darf wohl als eine unbestreitbare Thatsache vorausgesetzt werden. Bon jeher und überall erwartet man von Berlin aus die Richtung jüdischer Bestrebungen und sieht man es als den Ort der Entscheidung an für schwebende Fragen, welche das Gesammtleben des Judenthums berühren. Vermöge geographischer und statistischer Verhältnisse und bei dem reichen Maße ihrer materiellen und geistigen Kräfte, bildet sonach unsere Gemeinde auf dem ureignen Gebiete religiösen Lebens und Schaffens den Mittelpunkt in der deutschen Judenheit, gleichwie sie, eben dieser ihrer Eigenthümlichkeit wegen, bei der leider noch fortdauernd verkümmerten Stellung unserer Glaubensgenossen, auch nach dieser Richtung hin, in den Erörterungen und Verhandlungen einen größeren Einfluß übt, und unter ihren Schwestergemeinden einen Vorrang ein nimmt. An einer andern Stelle erklärt daher der Vorstand den Rabbinen von Berlin für den eigentlichen Vertreter des deutschen Judenthums. Wenn man dies liest, fällt Einem der Spruch ein: „Stolz lieb ich meine Spanier!" Bald aber auch gedenkt man des Spruches unserer Weisen: „Nicht der Ort macht den Mann, sondern der Mann den Ort." Ich gebe sehr gern zu, daß in ihren Individuen die Berliner Gemeinde an Intelligenz und Bildung! so reich ist, daß ihr in Deutschland der erste Platz l kaum streitig gemacht werden kann. Ich gebe daher j auch zu, daß sie deshalb die erste Gemeinde Deutschlands sein sollte, wenn aber die Gemeinde als solche den ersten Platz in Wirklichkeit einzunehmen gegenwärtig beansprucht, so scheint sie uns völlig im Jrrthume zu sein. Die Berliner Gemeinde hat seit einem halben Jahrhundert dem deutschen Judenthume keinerlei Richtung gegeben, nicht einmal dem preußischen; in der Berliner Gemeinde ist keine jüdische Frage zur Entscheidung gebracht worden; die jüdische Gemeinde in Berlin hat nur einen sehr geringen Einfluß auf die Gestaltung und Beförderung unserer politischen Verhältnisse geübt, und das Rabbinat zu Berlin hat das deutsche Judenthum weder repräsentirt noch vertreten. Vielmehr ist es nachweisbar, daß die Zustände der Berliner Gemeinde faktisch sehr hinder- 698 lich der Entwickelung des Judenthums wenigstens in Preußen waren. Ich komme darauf zurück: seit einem Vierteljahrhundert ist die Verwaltung der Berliner Gemeinde musterhaft, ihr Schulwesen geordnet, eine Menge gut dotirter Anstalten errichtet, von welchen letzteren einiger materielle Vortheil auch den Juden aus den Provinzen zu Gute kommt. Hiermit ist aber auch die Sache zu Ende. In allen allgemeinen Angelegenheiten, sowohl den politischen als den religiösen, haben die Provinzen vorangehen müssen, und Berlin gewährte ihnen nur geringe Unterstützung oder schuf ihnen entweder ohne Absicht gerade durch die Stellung und Wucht der Gemeinde, oder auch mit Absicht Hindernisse. Ich will nicht auf Spezialitäten eingehen deren mir eine genügende Zahl zu Gebote steht. Sollten die Worte des Vorstandes in der Gemeinde das Bewußtsein dessen wecken, was sie sein sollte, und dadurch das Streben, eS wirklich zu werden, anregen, so wäre es eine große Wohlthat — bis dahin aber, wo dies bewirkt würde, können diese Worte nur als irrig und der Geschichte zuwiderlaufend bezeichnet werden. Neustettin, 24. Oktober. (Privatmitth.) In diesen Tagen hat sich auch die hiesige Gemeinde dem in dieser gesch. Zeitung schon erwähnten Gesuche um Verlegung des Wochenmarkts vom Sabbath auf einen Werktag durch die Unterschriften des Vorstandes und der Repräsentanten mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes der letzteren angeschlossen, und sehen wir mit großer Spannung dem Beschlüsse der Königl. Regierung entgegen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im Oktober. (Privatmitth.) Die Allg. Ztg. d. I. brachte unlängst in einer Anmerkung zu einer Correspondenz von hier die Nachricht, daß der hiesige Magistrat zur Aufnahme in das neuerrichtete städtische Realgymnasium die Beibringung eines Taufscheins zur Bedingung gemacht habe. Wie wir erfuhren, fand in jener Bekanntmachung ein stylistisches Versehen statt, es hätte heißen sollen: Tauf-oder Geburtsschein. Praktische Folgen sind nicht zu besorgen. Unlängst hat bei der hiesigen Cultus-Repräsentanz die übliche periodische Neuwahl der Vorstände für das Talmud-Thora- und das Beth-ha-Midrasch-Institut

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