Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-07 · Heft 45 (7.11.1865) · p. Seite 693

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 45 (7.11.1865)
Date
1865-11-07
Page
Seite 693 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3224737-3226473-3226519--23459-3250770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

die künftig zu errichtenden höheren Schulen confession los sein, Elementar- und Mittelschulen aber nur für bestimmte Confessionen errichtet werden sollen. Dabei ist nur an die beiden christlichen Confessionen gedacht worden, oder auch an die jüdische? Werden an den von jetzt ab zu errichtenden Gymnasien und Realschulen auch jüdische Lehrer angestellt werden? Es sollen zwei evangelische und eine katholische Mittelschule errichtet werden, warum nicht auch wenigstens eine jüdische Elementar- und eine Mittelschule? Sind die jüdischen Bürger Breslau's nicht berechtigt, dasselbe zu erhalten, wie die katholischen und evangelischen? Der Staat freilich hat bis jetzt den gerechten Forderungen der jüdischen Bürger geantwortet: Für die Juden haben wir keine Gelder, für jüdische Schulen giebt es keine Fonds. Wollen die Städte den Chorus zu diesen Aussprüchen bilden?" — „In Berlin sind soeben sämmtliche katholische Elementarschulen, mit Ausnahme einer, städtisch geworden. Es existirt zwar auch eine jüdische von der jüdischen Gemeinde erhaltene Schule. Doch diese genügt nicht, schon der großen Dimensionen Berlins wegen, warum werden nicht zwei jüdische Elementarschulen in entfernter liegenden Theilen der Stadt aus städtischen Mitteln errichtet? Hat Posen mehr als eine kaum zureichende jüdische Elementarschule?" — Wir können allen diesen Bemerkungen des Herrn Dr. K. nur beistimmen. Wenn er aber es für einen Mangel an Muth und Entschlossenheit hält, daß die Juden in Preußen diese Forderungen nicht laut und nachdrücklich stellen, so hat er Unrecht, oder er weiß nicht, daß Gesammtpetitionen, welche die meisten der obigen Punkte enthielten, von einer großen Zahl von Gemeinden durch uns und zum Theil durch andere an das Staatsministerium der sog. „neuen Aera" und an das Abgeordnetenhaus gerichtet wurden, daß jenes nur in einigen sehr geringen Punkten denselben Rechnung trug, dieses die Petitionen mit großer Majorität zur Berücksichtigung, aber erfolglos empfahl. Wir glauben, daß es jetzt und immer an der Zeit sei, diese Forderungen der Gleichberechtigung in der Presse auszustellen , zu wiederholen und zu vertheidigen; halten es aber durchaus nicht für angemessen, derartige Petitionen an das gegenwärtige Ministerium zu richten, nachdem es sich mit Worten und faktisch gegen diese Petenda ausgesprochen hat. Es kann ja doch nur eine abschlägige oder gar keine Antwort erfolgen. Selbst an das Abgeordnetenhaus dergleichen zu richten, ist eine sehr fragliche Sache. Bei dem gegenwärtigen großen Conflikte soll man wohl die schon so sehr gefährdete Autorität des Abgeordnetenhauses nicht noch mehr compromittiren. Dagegen wäre der Vorwurf, daß die jüdischen Stadtverordneten und die Vorsteher der jüdischen Gemeinden — mit geringer Ausnahme — nicht den männlichen Muth, gegenüber den städtischen Behörden, zur Vertheidigung der Rechtsansprüche der jüdischen Gemeinde erwiesen haben, nicht ungerecht. Die vielen Wahlen von Juden in die Stadtbehörden haben uns bis jetzt wenig Frucht getragen. Wir kennen nicht wenige jüdische Stadtverordnete, welche, wenn eine jüdische Angelegenheit zur Verhandlung kommt, sich „der Unparteilichkeit wegen" entfernen.' Es ist wahr, der Jude, wenn er zum Stadtverordneten gewählt wird, wird nicht als Äude, sondern zum Vertreter der städtischen Interessen gewählt. Allein als . letzterer hat er die Verpflichtung, jedes gekränkte Recht, jed.es benachtheiligte Interesse zu verfechten und ihm zu seiner Befriedigung zu verhelfen. Und da er als Jude am besten die Nachtheile kennt, unter denen seine Glaubensgenossenschaft noch leidet, so hat er auch als Stadtverordneter die Verpflichtung, dagegen aufzutreten und die gerechten Ansprüche wo und wie er nur kann zu vertheidigen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 20. Oktober. (Privatmitth.) Es giebt Menschen, über deren Leben der zauberische Schleier eines eigenthümlich idealen Wesens ausgegossen ist. Sie scheinen nicht in diese Welt zu gehören; sie können sich in ihr nie zurecht finden. Ihr Kommen und ihr Gehen trägt diesen Anhauch einer mit den Unvollkommenheiten dieser Erde in schmerzlichem Widerspruch stehenden Sehnsucht. ' Von dem Heimgang einer solchen rs'np*» wvd, einer seltenen Erscheinung, will ich Ihnen heute berichten. Wie ihr Scheiden in den Herzen der ihr Nahestehenden eine lichte Spur zurückgelassen, so dürfte ihr Andenken auch wohl auf einen Platz in diesen Blättern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.