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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-11-07 · Heft 45 (7.11.1865) · p. Seite 692

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 45 (7.11.1865)
Date
1865-11-07
Page
Seite 692 (sequence 4)
Language
German
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WMM^WW^WMM 692 derte von-jüdischen Elementar- und Mittelschulen in Posen, Schlesien, Preußen und den anderen Provinzen, wir müssen natürlich auch Lehrer für diese Schulen haben. Wo sollen diese Herkommen, wenn jüdische junge Leute an christlichen Seminaren kaum als Hospitanten geduldet werden? Warum sollen Juden speciell christliche Seminare besuchen? Für christliche Seminare giebt der Staat jährlich Hunderttausende aus, für jüdische Anstalten giebt es keine Fonds. Warum nicht? Tragen die jüdischen Bürger nicht die Lasten des Staates mit und haben sie nicht im Verhältniß zur christlichen Bevölkerung dasselbe Recht zu denselben Bildungsinstituten?<' — „Dieselbe Regierung, die den Einfluß eines jüdischen Lehrers an höheren Schulen fürchtet, einen jüdischen Schulvorsteher zur Jnspection der äußeren Angelegenheiten einer christlichen Schule nicht duldet, und sicherlich einen jüdischen Lehrer an einer christlichen Elementarschule in keinem Falle zulassen würde, nimmt keinen Anstand, die jüdischen Gemeinden, wie z. B. in der Provinz Posen, zu zwingen, christliche Lehrer an ihren confefsionellen Elementarschulen anzustellen, wenn nicht bei einer eintretenden Vacanz binnen mehrerer Monate die Stelle mit einem jüdischen Lehrer besetzt ist. Dies kann oft nicht geschehen, weil es an jüdischen Lehrern mangelt, doch ein jüdisches Lehrerseminar, um dem abzuhelfen, wird nicht errichtet. „Dieselbe Regierung läßt die jüdischen Schulen von evangelischen oder katholischen Geistlichen inspiciren und ordnet sie evangelischen oder katholischen Schulräthen unter. Warum wird nicht die Jnspection jüdischer Schulen an solchen Orten, wo geeignete Rabbiner fungiren, die. gleich den christlichen Geistlichen den Anforderungen der Bildung und Pädagogik genügen, denselben übertragen? Warum werden nicht in den Provinzen Posen, Preußen, Schlesien und den Rheinprovinzen neben den katholischen und evangelischen Schulräthen auch jüdische angestellt? Wir haben auch in dieser Beziehung das gleiche Recht auf gleiche Behandlung mit unseren christlichen Mitbürgern zu fordern. Wir haben auch das Recht, einen Decernenten für das jüdische Schulwesen im Cultusministerium zu fordern. Entweder Confessionsschulen mit allen Consequenzen, oder confessionslose Schulen und Zulassung aller Confessionen zu allen Aemtern." — Die Petita, wie sie daher Herr Dr. Korn aufstellt sind: daß 1. an wenigstens einer Landesuniversität Stühle für jüdische Theologie errichtet werden; 2. alle oder eine Anzahl von Gymnasien und Realschulen für confessiouslos erklärt und jüdische Lehrer an denselben angestellt oder jüdische Gymnasien und Realschulen errichtet werden; 3. eine verhältnißmäßige Anzahl jüdischer Schullehrerseminare errichtet werde; 4. an den Orten, wo geeignete jüdische Persönlichkeiten vorhanden sind, die Jnspection der jüdischen Schulen denselben übertragen werde; 5. jüdische Schulräthe und ein Decernent für das jüdische Schulwesen im Cultusministerium angestellt werden; 6. statt der üblichen confessionellen Eide, des christlichen und des Eides more judaico, ein allgemein gültiger, wie bei den Schwurgerichten eingeführt werde. So weit der Verfasser. Es wundert uns nur, daß er hierbei sich auf das Schulwesen beschränkt, während doch nicht minder auch die Erhaltung des Cultus eine Subvention je nach dem Maßstabe wie zu den Cultuskosten der christlichen Kirchen vom Staate und den städtischen Gemeinden beigetragen wird, zu fordern berechtigt wäre — wie dies auch bereits in Frankreich, Belgien, Holland, und zum Theil in Hannover ünd Sachsen geschieht. Soll mit einem Male die Gesammtheit alles Dessen aufgestellt werden, was zu unserer völligen Gleichstellung noch gehört, so darf auch dieser wichtige Punkt nicht fehlen. Der Verf. wendet sich nun zu den Städten und heben wir hier folgende Bemerkungen hervor: „In ähnlicher Weise, wie sich bis jetzt der Staat seinen jüdischen Bürgern gegenüber gestellt Hatz hat sich das Verhältniß einzelner Städte ihren jüdischen Gemeinde-Mitgliedern gegenüber gestaltet, indem daselbst evangelische und katholische Elementar-, mittlere und höhere Schulen geschaffen wurden, ohne daß die Juden auch nur im Geringsten dabei berücksichtigt wurden. Die Schuld davon liegt theilweise an der Indifferenz unserer Glaubensgenossen. Wenn in Posen, Bres.lau, Berlin u. s. w. die jüdischen Bürger energisch für ihre Rechte aufgetreten wären und bei Errichtung von christlich confessionellen Schulen aus städtischen Mitteln auch auf Errichtung solcher jüdischer Schulen gedrungen hätten, sie hätten Manches erreicht." „So ist in den letzten Sitzungen des Magistrats und der Stadtverordneten Breslau's beschlossen worden, daß

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