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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-31 · Heft 44 (31.10.1865) · p. Seite 684

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 44 (31.10.1865)
Date
1865-10-31
Page
Seite 684 (sequence 12)
Language
German
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Weise von würden. Ferner: Beim Ausbruch einer Cholera-Epidemie brauchen — wie erwähnt — nur die Christen und Juden Vorsichtsmaßregeln. Es wird nämlich der Kranke allsogleich in eines der Cholera-Lazarethe gebracht, und die ganze Familie begleitet ihn vor die Stadt hinaus in die Quarantäne. Nur die freiwillige Uebereiukunft der europäischen Consulu mit ihren Landsleuten verpflichtet Letztere zu diesen Maßregeln. Daher werden unglückliche Fälle, die sich unter den Christen und Juden zeigen, allsogleich bekannt, während kein Mensch weiß, wie es unter den Türken zugeht. Die Unterbrechung der Communication — durch die Quarantäne — muß also die Christen und Juden viel mehr vor der Cholera schützen. Afrika. Tunis, im Sept. Von hier aus erhielt das Je\v. Chr. eine Zuschrift, welche die Ausgleichung der dortigen Uebelstände mittheilt. Sie lautet: Tunis, 10. September. Während des Aufstandes in Tunis im vorigen Jahre benutzten die Araber wie gewöhnlich in solchen Fällen, die Gelegenheit, um die Juden zu mißhandeln und auszuplündern. Sobald die Ordnung wieder hergestellt war, schickte der Beh einen General nach der Insel Gherba, dem Schauplatze der Gewaltthat, welchem die Juden eine Petition um Erstattung ihrer Verluste einreichten, welche sie im Belauf von 900,000 Piastern (ungefähr 22,000 L.'St.) angaben; der General billigte es, daß die Araber den Juden eine Entschädigung auszahlen sollten, und Mr. Joseph Levh, welcher häufig eine hervorragende Stellung in der tunesischen Politik eingenommen hat, vermittelte in der Angelegenheit zwischen den Arabern und Juden, indem er eine Entschädigung von mindestens 400,000 Piastern (10,000 L. St.) zu erlangen suchte, aber inmitten der Unterhandlungen, da die Araber nur die gerinfügige Summe von 150,000 Piastern anboten, erklärten einige der jüdischen Aeltesten in einem Moment der Erregung, daß sie lieber auf das Ganze verzichten wollten, als sich mit dieser Entschädigung begnügen. Der General hielt sie beim Worte, veröffentlichte eine Proclamation, worin er erklärte, daß die Juden freiwillig auf jede Entschädigung verzichtet hätten, und schickte zu ihnen, um sie zu veranlassen, diese Erklärung zu untersuchen. Sie kamen auch, aber nur diejenigen, welche wirklich jenen Ausspruch gethan hatten, wollten sich entschließen, dem Verlangen des Generals zu willfahren, und erst nachdem man den Andern mit der Bastonade gedroht und sie in Wirklichkeit hatte binden lassen, um sie zur Exemtion abzuführen, entschlossen sie sich dazu. — Kaum hatte Herr Richard Wood, englischer Consul in der Hauptstadt Tunis, von den Vorfällen Kenntniß erhalten, als er augenblicklich zum tunesischen Minister Siti Mustafa Kasnadar eilte, und ihm ernstlich das Unrecht in dieser Sache vorstellte; der Minister mißbilligte sie entschieden und befahl dem Caid von Gherba, direkt mit. Mr. Joseph Levh nach seiner Provinz aufzubrechen. Diese beiden Herren ordneten an, daß die Araber durch Vermittlung der Behörde den Juden 250,000 Piaster auszahlen sollten, welchem Befehle dann auch unverzüglich Folge geleistet wurde. Die Erlangung dieser Entschädigung^ welche den geprüften Juden ehrlich zukam, verdankten sie doch nur einzig und allein dem energischen Einschreiten des Mr. Richard Wood; außerdem ist dieser Herr äußerst beliebt bei Allen, die ihn kennen, wegen seiner treuen und wachsamen Pflichterfüllung. Als Carl Russell, nachdem diese Nachrichten in England angelangt waren, durch ein jüdisches Parlamentsmitglied daraus aufmerksam gemacht wurde, trug er dafür Sorge, daß die Juden auf der Insel Gherba in jeder Hinsicht ruhig und geschützt fürherhin wohnen können. Korrespondenz. Uedrr Ivormstr Zustande, von einem Landjuden. Wo'irms, 10. October. Erlauben Sie, geehrter Herr Redacteur, einem jungen Kaufmann, der, hier leider eine Ausnahme, neben feinem Geschäfte auch noch für religiöse und Gemeindeangelegenheiten sich iüteressirt, die hiesigen Zustände in einer Reihe von Artikeln zu skizziren. So weit meine Erfahrung reicht, sind dieselben so abnorm, daß sie wohl schwerlich noch .ein Mal in einer israelit. Gemeinde Deutschlands sich wiederholen. «84 100 Kranken stets 60 .bis 65 gerettet

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