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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-31 · Heft 44 (31.10.1865) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 44 (31.10.1865)
Date
1865-10-31
Page
Seite 683 (sequence 11)
Language
German
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683 Zustimmung zur Vornahme der Wahl nicht gegeben. Die Statthalterei dekretirte eine neue Wahl, jedoch nur aus dem ersten Grunde, verwahrte sich aber gegen die Behauptung, daß es einer Zustimmung des Rabbiners bedürfe, um die Wahl von Vorstehern oder Gaboim vorzunehmen. Die neue Wahl fand daher am 8. d. statt; aber es bot sich ein betrübendes Schauspiel dar, denn die Dunkelmänner glaubten, was sie nicht durch ihre Stimme erreichen könnten, durch Faust und Prügel zu erlangen. Endlich begab sich der Vorstand aus der prosanirten Synagoge nach der Gemeindekanzlei, aber einer der Herren ergriff die Urne, schüttete die Stimmzettel über den Tisch aus und behauptete, die Wahl sei falsch. Der die Wahl leitende Regierungsbeamte protestirte gegen einen solchen Akt. Bis jetzt ist der Ausfall der Wahl noch nicht bekannt gemacht, aber der Wunsch lebt in allen Gemüther: Gott bessere es hier. 5. Bonn, 19. Oetober. (Privatmitth.) Was auch die ungarischen Blätter, so wie die an uns gelangten Privatmittheilungen an Meinungen und Hoffnungen aussprechen: für uns tritt der Umstand schmerzlich heraus, daß auch von den gegenwärtigen Wahlen die Juden in Ungarn ausgeschlossen sind, und weder das aktive noch das passive Wahlrecht besitzen. Wir geben zu, daß es in der Continuität der Gesetze von 1848 begründet liegt. Nichts destoweniger bleibt es, dem übrigen Europa gegenüber, für die Magyaren eine Schmach, und wir wollen nun sehen, ob sie diese von sich abzuwälzen geneigt sind. Wir brauchen kaum zu bemerken, daß Nichts so sehr den Gradmesser ihrer politischen Reife, ihres Sinnes nicht blos für die Selbständigkeit ihrer Nationalität, sondern für das Recht und die persönliche Freiheit abgeben wird, als die Beseitigung der gedachten Ausschließung, oder deren Aufrechterhaltung. Rußland. Warschau, 2. Oktober. Der Besitzer des schönen Rittergutes Wola Krzyztoporska bei Petrikau, ein reicher Israelit aus Warschau, Namens I. Pik, hat auf seinem Gute verschiedene gebildete Religionsgenossen angestellt, unter denen sich auch Deutsche befinden, die in ihrer Heimath agronomische Akademieen absolvirt haben. Diese Beamten werden bei allen vorkomiUeü-- den Ereignissen von dem Woit (Dorfschulzen), einem gewöhnlichen polnischen Bauer, der seine Rescripte von einem Secretair muß schreiben lassen und sich selbst nur mit drei Kreuzen unterzeichnet, unter dem Titel: „Der Jude rc." vorgeladen. Hierüber beschwerte sich Herr Pik, und da er bei niederen Behörden keinen Bescheid erwirken konnte, wandte er sich an das Organisation-Comitö. Am 18. Sept. erhielt Herr Pik nun eine Zuschrift vom General Trepow, in der ihm bekannt gemacht wurde, daß das Comite in Folge seiner Klage den Befehl ertheilt habe, daß bei allen amtlichen Ausschreiben in Civilsachen an Israeliten die bisherige Bezeichnung „dem Juden" eben so wenig beigefügt werden dürfe, als dies Lei anderen Glaubensbekenntnissen geschehe. (Schles. Z.) Orient. Smyrna, im September. Der Nothruf, der jetzt aus allen größeren orientalischen Städten nach Europa ertönt und wie aus Jerusalem, so auch jetzt aus Smyrna, Constantinopel, wo die Zerstörung durch Feuersbrünste sich der Verheerung durch Cholera zugesellt hat, aus Alexandrien u. s. w. um Hülfe steht, macht jede Notiz von dort interessant. So finden wir aus Smyrna folgende: Das Judenquartier gleicht denen im ganzen Orient: unreinlich, voller Koth und Pfützen. Jedes Haus, oder richtiger gesagt, jeder Schuppen, besteht aus einer halb unter der Erde befindlichen Kammer, wo vorne die Krambude.-, hinten die Wohnung ist. Das sind wahre Cloaken. Dieses Quartier zählt gegen 6000 Einwohner. Dennoch haben die Einwohner dieses Stadttheiles, auch bei der jetzt herrschenden Cholera-Epidemie, relativ eine geringere Sterblichkeitsskala als das türkische Quartier, indem die Juden klugerweise und instinktmäßig alle nur möglichen Vorsichts-. maßregeln ergreifen. Man öffnet zur besseren Reinigung der Luft die Thüren und Fenster, streut in die Pfützen und Cloaken Kalklösungen; ist Jemand von von der Cholera befallen, so bedeckt man ihn so warm wie möglich, daß er im Schweiße fast gebadet wird, giebt ihm heißen Kaffee, läßt ihn die strengste Diät beobachten, giebt ihm zum Getränke nichts als Limonade. Smyrnaer Aerzte behaupten auch, daß auf diese 44»*

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