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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-31 · Heft 44 (31.10.1865) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 44 (31.10.1865)
Date
1865-10-31
Page
Seite 677 (sequence 5)
Language
German
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während der Revolutions-Epoche in höheren Aemtern verwendet gewesener Deputirter, gegenwärtig in dem. Wahlbezirke von Balascha-Gyartnat mit Akklamation zum Wahlkandidaten ausgestellt, steter Partisan der ,ewigen Gerechtigkeit und allgemeinen Rechtsgleichheit" spricht in seiner Wahlrede die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als seine Parole aus. „Freiheit ohne Gleichheit, äußert er, ist — Privileg!um . . . DieMrüderlich keit aber ist es, die besonders in diesem Va terlande die verschiedenen Nationalitäten und Confessionen verschmelzen und es unmöglich machen solle, daß, wie es in der nahen Vergangenheit geschah, die Volksstämme unseres Vaterlandes die brudermörderische Kainswaffe gegen einander erheben. E. v. Zvünka, eine der avancirtesten Autoritäten der Beschlußpartei, sagte zu seinen früher» Wählern: „Ich halte nur dasjenige Land für glücklich, wo Jedermann Gelegenheit findet, sich Verdienste zu erwerben, und wo vor dem Gesetze gleiche Berechtigung herrscht." K. Rüth, Candidat in einem Theile der Landeshauptstadt Pest: „Die vollste Gleichberechtigung ohne Unterschied der Stände und Confessionen darf keine Phrase mehr bleiben." In gleichem Sinne äußerten sich bisher noch die gewesenen Deputaten V. v. Latinowitsch und G. Zlinskh. Eben als ich gegenwärtigen Bericht schließen wollte, kam mir die heutige Zeitung zur Hand, der ich mit Vergnügen die von aufrichtigem Gerechtigkeitssinne zeugenden, bei Gelegenheit seiner Installation als Obergespan des Klausenburger Comitates (in Siebenbürgen) gesprochenen Worte des, einer der angesehensten Familien des Landes angehörenden Barons L. v. Josika entnehme. „Ich mag in meiner amtlichen Stellung, sprach er, weder confesstonelle noch nationale Unterschiede kennen. Ich huldige den aufgeklärten Prinzipien der Jetztzeit, welche in der Rechtspflege, in der Vertretung der öffentlichen Interessen, sowie in der Austheilung der amtlichen Stellen vor Allem darauf Rücksicht nehmen, was und wer am ehesten den Ansprüchen des öffentlichen Bedürfnisses zu entsprechen vermag." Möge Schreiber dieses immer Erfreulicheres in dieser Hinsicht zu referiren haben, und möge den schönen Worten, was viele ungarische Israeliten hoffen zu können meinen, die noch schönere That folgen. S. Blum, Hauptschullehrer. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 22. Oktober. An die Redaktion d. Blattes wurde von vielen Seiten das Verlangen gestellt, die in demselben erschienenen Artikel: „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" als Broschüre erscheinen zu lassen. Dieselbe erscheint jetzt bei Louis Ger schel in Berlin. — In No. 4L und 42 des „Mag. f. Lit. d. Ausl." lieft man einen Auszug aus Michelet's bible de rhumanitg. Derselbe macht Einem Lust, weder das Buch zu lesen, noch die darin ausgesprochenen Ansichten zu bekämpfen. Es ist eine ebenso verkehrte Glorifikation des Japhetismus, wie eine verkehrte Heruntersetzung des Semitismus. In beiden wird der Geschichte jeden Augenblick ins Gesicht geschlagen und die feuerige Phantasie des Autors dafür an die Stelle gesetzt. Jndeß kommt es hierbei noch weniger auf die Verdrehung der Geschichte, als auf die theils irrigen, theils wunderlichen Grundansichten des Verf. an, nach welchen die Verfälschung der Geschichte sich modeln muß. Man liebt jetzt Japhetismus und Japhetiten für Jndogermanen zu sagen, trotzdem hiermit die Feinde der h. Schrift dieser eine große Concession machen, da sie somit die Anschauungen der Bibel über die menschengeschlechtlichen Völkerfamilien als richtig anerkennen, während sie doch bemüht sind, der Bibel allen historischen Werth abzusprechen. Merkwürdiger Weise haben aber nach mehrfachen Seiten hin die Arbeiten der Antibiblianer die geschichtlichen Mittheilungen der h. Schrift vielmehr bestätigt, so hinsichtlich Egyptens, Assyriens, Babyloniens. Warum man nun jetzt lieber zu dem Ausdruck Japhetiten greift, ist leicht erklärlich. Man hat damit einen viel unsicherern Ausdruck gewonnen, als wenn man den konkreten „Jndoperso-greco-germanen" oder kurzweg Jndogermanen sagt. Man kann dem ersteren alles Mögliche zuschreiben, während man bei dem letzteren die bestimmt gewußten Völker vor sich hat. So war es denn auch Michelet leicht, den Japhetiten alle möglichen Vorzüge, den Semiten alle möglichen Nebel nachzusagen. Einen Hauptunterschied findet er darin, daß die Semiten Priester gehabt, die Japhetiten Nichts davon gewußt. Hätte er nun Jndogermanen gesagt, so mußte er sich doch erinnern, daß die Inder die mächtigste Priesterkaste, die Brahminen und die Germanen ihre Druiden und Priesterinnen gehabt, während wir 'von den phönicischen und assyrischen

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