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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-31 · Heft 44 (31.10.1865) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 44 (31.10.1865)
Date
1865-10-31
Page
Seite 675 (sequence 3)
Language
German
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um das Prinzip des Cultus, in welchem zugleich die Nationalität Israels ihren Ausdruck finden sollte gegen das Llos äußerliche Durchführen des demokratischen Prinzips, wie es in seinem Ertreme jede Organisation verhindert und Staat und Nation durch die Auflösung in eine niv.ellirte Masse von Individuen unmöglich macht. Aber noch ein Anderes hatte sich an jenen ersten Kampf um das Fundamentalprinzip am Fuße des Sinai geknüpft. Das Volk hatte faktisch erwiesen, wie wenig die obersten Sätze der Gotteslehre es noch erfüllten, wie geneigt es noch sei, bei erster Gelegenheit dem Götzendienste anheimzufallen. Hieraus trat um so mehr die Notwendigkeit der Isolirung von den dasselbe umgebenden Völkerschaften hervor. Außer dem religiösen Motiv, das freilich im Mosaismus auch der Eckstein des ganzen israelitischen Lebens war, mußte hierzu auch ein sittlicher Zweck bewegen, da diese Völkerschaften in eine furchtbare Sittenlosigkeit und Entartung verfallen waren, wie auch aus mehrfachen Verboten, die darum das Gesetz enthält, hervorgeht. Sollte Israel irgend eine Zukunft für seinen eigenthümlichen Zweck, für das religiös sittliche Leben, für die Erhaltung und Verbreitung der Gotteslehre haben, so war dies nur durch eine isolirte Existenz, durch ein von den benachbarten Völkern abgeschlossenes Dasein möglich. Schon unmittelbar nach dem Siege über die Anhänger des goldenen Kalbes wurde daher nach der großen Offenbarung auf Horeb (2 Mos. 34) vor jeder Verbindung mit den Völkern des Landes, die namentlich aufgeführt werden (V. 11), streng gewarnt, und die Ausrottung ihrer götzendienerischen Gebräuche und deren Werkzeuge ge-, wie auch jede Verschwägerung mit ihnen verboten (V. 12— 16), weil letztere die Israeliten zum Götzendienste verleiten würde. Es war dies jedenfalls eine Einschränkung der Individuen, die namentlich da, wo die Völker in nähere Berührung kamen, den Individuen oft schwer fallen mußte. Hierum nun der dritte Kampf, als das Volk bereits an den Grenzen Canaans, in Schittim, weilte, und die Moabiter und Midjaniter die Israeliten durch ihre Töchter zu sich herüberzuziehen suchten <4 Mos. 25). 24000 Israeliten fielen dem Kampfe um dieses Prinzip der nationalen Isolirung (B. 9.).* *) — Die Bedeutung, die gerade die- *) Auch bei diesem Kampfe scheint ein Stammesverhältniß, aber im entgegengesetzten Sinne wie bei dem ersten Kampfe, obgewaltet zu haben, denn nicht allein, daß der Fürst des Stammes Simeon derjenige war, der Moses durch die Verbindung mit einer Midjanitin am sen Kämpfen einwohnte, ist auch dadurch angedeutet, daß nach dem ersten und zweiten Kampfe (2 Mos. 32, 10. 4 Mos. 16, 21.) der Wille Gottes ausgesprochen wird, die Israeliten zu vertilgen und Moses und Aaron mit ihren Nachkommen zum eigentlichen Israel gemacht werden sollten ^— was eben ausvrücken soll, daß die Versündigung des Volkes hierbei so groß gewesen, daß es sich seines hohen Berufes so unwürdig erwiesen, daß es eigentlich hätte fallen gelassen werden müssen.*) Diese Kämpfe und ihr für jene drei großen Prinzipien günstiger Ausgang waren denn auch entscheidend. Nicht als ob niemals wieder ein Schwanken oder gar ein Abfall eingetreten wäre, vielmehr währte es noch ein ganzes Jahrtausend, ehe der Kampf vollständig beendigt war. Aber sie waren entscheidend dadurch, daß die Tendenz der Nation ihr Gepräge von jenen Prinzipien annahm, diese doch immer das Legitime in Israel ausmachten, und zuletzt das Lebenselement der ganzen Nation wurden. Äm großen Ganzen war durch sie Israel das geworden, was es werden sollte. Neu-Verbaß (Ungarn) 11. Oktober. Die Obcrgespane und Wahlkandidaten in Ungarn. Hochgeehrter Herr Redakteur! Sie begleiten in Ihrem hochgeschätzten Blatte jede Entwickelungsphase der Emancipation unserer Glaubensgenossen in den verschiedenen Ländern mit vollster Aufmerksamkeit, und stehen nie an, für unser Menschenrecht mit anerkanntem Eifer in die Schranken zu treten. Darum werden Sie auch sicherlich mit regem Interesse der Lösung des Knotens entgegensehen, in den das staatliche Verhältniß dieses Landes zu der österreich. Monarchie geschürzt ist, indem von der Schlichtung der politischen Streitfrage zugleich auch das bürgerliche Wohl der nahezu 4/a Million hierländischer Israeliten bedingt ist. Um nun Ihren geehrten Leserkreis hinsichtlich dieser offenbarsten trotzte, sondern bei der Zählung nach der Plage fand sich der Stamm Simeon um ^/s seiner Zahl vermindert, so daß er wohl bei der letzteren am meisten gelitten hatte. *) S. unfern Commentar zu den angeführten Stellen in unserm Bibelwerk. Allerdings findet ein solcher Ausspruch auch nach dem Aufstande wegen der Kundschafter statt. (4 Mos. 14, 12.) 44*

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