Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1865)
- Date
- 1865-10-24
- Page
- Seite 668 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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hierher kommt, um ein Amt zu übernehmen, mit Freuden. In 'Deutschland wird die dadurch entstandene Lücke bald wieder ausgefüllt, während für uns einem sehr fühlbaren Mangel abgeholfen wird. Die hiesigen Zeitungen haben sich daher auch höchst anerkennend über die Ankunft und die Antrittspredigt des Rabb. Dr. Mielziner, früheren Oberlehrers in Kopenhagen, ausgesprochen, und theile ich Ihnen als Beleg die« Ny. 215 der „New-Aorker Staatszeitung" mit, in welcher folgender Bericht enthalten ist: „Für die israelitische Gemeinde „Anchi Chesed" war der vorgestrige Sabbath ein wichtiger und bedeutungsvoller Tag,; denn an ihm jwurde Rev. Dr. M. Mielziner, der neuberufene und jüngst von Kopenhagen hier eingetroffene Rabbiner und Prediger, in sein Amt feierlich eingeführt, und demgemäß erklang nach mehrjähriger Unterbrechung zum. erstenmale wieder „das göttliche Wort" in deutscher Sprache in den Räumen der großen Norfolkstr.-Synagoge. Kein Wunder, daß die Gemeinde sich zahlreich eingefunden, um ihren neuen geistlichen Führer persönlich kennen zu lernen. Aber auch aus anderen hiesigen Gemeinden kamen Viele, um die Antrittsrede des.jungen Theologen zu vernehmen, dem ein sehr günstiger Ruf vorausgegangen war; doch, wurden, um Ueberfüllung zu verhüten, nur diejenigen zugelassen, welche von den Gemeindevorstehern mit Einladungskarten versehen waren. Um 9 Uhr begann der Gottesdienst unter Leitung des Rev. Herrn Sternberg und seines trefflichen Chores; ihre vereinten Bemühungen und Vorträge verfehlten auch diesmal , nicht, eine, andachterregende Wirkung zu üben, während,, wie immer, von den Gemeindebeamten dafür gesorgt wurde, daß keine Störung der musterhaften Ruhe und Ordnung Eintrag that. Nach Recitirung des Thorah-Äbschnittes, womit die interessante Ceremonie der Einführung eines „Bar-Mizwah" verbunden war, erhob sich der neue Rabbiner und verlas zunächst die „Haftarah", d. i. den Wochenabschnitt aus den Büchern der Propheten, in ausdrucksvoller, nur das Verständniß berücksichtigender Weise. Nachdem so das Morgengebet zum Abschluß gebracht war und der Chor einen einleitenden Psalm gesungen hatte, bestieg Dr. Mielziner. die Kanzel und leitete seine Antrittspredigt mit einem, passenden Gebete ein. An den Text Jes. 60, 6 anknüpfend., in. welchem von der göttlichen Einsetzung der Wächter über Jerusalems Mauern , die Rede ist, erörterte, er das Thema „über den Beruf und d:e Wirksamkeit des israelitischen Geistlichen in der Jetztzeit." Wer etwa einen von gelehrten Citaten prunkenden, oder mit pikanten Ausfällen gegen Andersdenkende gewürzten Vortrag erwartet haben mochte, fand sich getäuscht. Es war eine einfache, durch zweckmäßige Anordnung, folgerichtige Entwickelung der Gedanken und klaren Fluß der Sprache sich auszeichnende Predigt, wie sie bekanntlich heutzutage in allen größeren Synagogen Deutschlands an Sabbathen und Feiertagen vernommen werden. Wohlthuend berührte in der Antrittspredigt des Dr. Mielziner die darin sich kundgebende freimüthige und entschiedene, aber zugleich milde und versöhnliche Gesinnung, mit welcher der Redner sich als Freund des gemäßigten, auf wissenschaftlichen Forschungen basirten Fortschrittes im Judenthume kundgab, sowie die Wärme, mit der er von seinem Berufe sprach, dem er, scheint es, sich von früher Jugend an gewidmet und in welchem er bereits anderswo mit Erfolg gewirkt hat. Er verhieß insbesondere, sich die Pflege und Hebung des religiösen Ju^- gendunterrichts angelegen sein zu lassen, und'wir zweifeln nicht, daß er auf diesem Felde, wie in den übrigen Theilen seines Amtes eine ersprießliche Wirksamkeit entfalten und seinen erhabenen Vorbildern, den jüdischen Propheten und Priestern, nachzuahmen bemüht sein wird. In der That darf die Anchi Chesedgemeinde sich dazu Glück wünschen, in Dr. Mielziner einen jener Theologen erlangt zu haben, in denen die berufsmäßigen Kenntnisse mit deutscher Bildung sich gepaart haben, und wenn die Gemeinde, wie zu erwarten steht, ihm auch fernerhin die Liebe und Verehrung, womit sie ihm bis jetzt entgegengekommen ist und wofür er in herzlichen Worten seinen Dank aussprach, bewahren wird, so werden sich die erfreulichen, an seinen Amtsantritt geknüpften Hoffnungen gewiß erfüllen." Asien. Aus Ceylon, im August. Einem Londoner Blatte entnehmen wir die folgende Eorrespondenz aus Ceylon: Nächstens werden wir zwei Männern Lebewohl sagen müssen, deren Namen sowohl als jener ihres großen Besitzthums seit einem Vierteljahrhundert in Ceylon genannt wurden, wann und wo immer die Kaffeefrago zur Erörterung kam. Wir meinen die Herren Worms,