Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1865)
- Date
- 1865-10-24
- Page
- Seite 667 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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mit auch in dem Gotteshause einmal eine normirte Verwaltung eingeführt werde.. Schließlich muß noch erwähnt werden, daß wir am 14. d. M. das Glück hatten, den aus den vakant gewordenen Kreisraöbinerposten berufenen hochberühmten, allgemein beliebten Herrn I. A. Ettinger aus Lemberg, in Przemysl, zu begrüßen und in sein Amt einzuführen. Der Empfang dieses hochwürdigen Rabbiners war äußerst solenn, und kann man mit Bestimmtheit behaupten, daß in jenem Momente kein einziges Gemeindemitglied etwas anderes wünschte, als nur den Rabbiner begrüßen zu können. Die Gassen waren illuminirt, in manchen Fenstern waren Transparente mit passenden Inschriften sichtbar, die Menschenmenge war unzählbar, und muß nur noch hervorgehoben werden, daß auch die christliche Schwestergemeinde sich bei diesem glänzenden Feste betheiligte, welcher Umstand zur Hoffnung berechtigt, daß fürderhin der Friede in unserer Gemeinde begründet sein und der Fortschritt festen Fuß fassen wird. Schweiz. Bern, 2. Oktober. Noch ist der Conflict mit dem Canton Baselland nicht gelöst, der sich trotz des Handelsvertrages mit Frankreich aus das hartnäckigste weigert, französischen Israeliten bei sich die Niederlassung zu gewähren. Die Renitenz des Cantons Baselland, dessen Landrath fest entschlossen ist, seine Ansicht bis auf das äußerste zu verfechten, dürfte übrigens zu noch sehr unangenehmen Auftritten führen. Belgien. Brüssel, 8. Oktober (Privatmittheilung). Es giebt Länder und Zeiten, wo die Aufklärung gerade dieselbe Wirkung hat, oder doch denselben Verlauf nimmt, wie der Klerikalismus oder Ultramontanismus, wo sie nämlich zur Unvernunft und zum Fanatismus führt. Dies ist hier in Belgien gegenwärtig der Fall, und verdanken wir es dem üppig wuchernden Iesuitismus, daß die Reaktion gegen denselben so überaus heftig ist, so ist doch der Erfolg nicht minder beklagenswerth. Man braucht nur einen Blick auf Blätter, wie „Ie libre Examen“, die wie Pilze aus der Erde aufwachsen, zu werfen, um zu gewahren, daß wir in das Fahrwasser des radikalsten Extrems gerathen sind. Daß diese Atheisten ebenso intolerant wie die Ultramontanen find, ist eine anerkannte Thatsache. Sie wollen Nichts dulden, was irgend ein religiöses Moment enthält; ihnen ist daher das geklärte Iudenthum ganz so zuwider, wie ihnen alles Klerikale verhaßt ist, und das Geringste ist, daß sie es todtschweigen. Jndeß ist dies dennoch nur eine Strömung, die sich bald wieder verlaufen wird. Diese Radikalen werden bald wieder zum Bewußtsein ihrer Schwäche kommen, und sich dann, wenn auch nicht nach Bundesgenossen, denn diese können sie niemals für uns sein, doch nach Stützen und Bertheidigern umsehen. Nun wir werden bald Gelegenheit haben, dies zu erproben, wenn im November der „ Catholique" unter Mitwirkung der Gebr. Veuillot hier erscheinen wird. Als Etikette sind freilich Belgier als Hauptredakteure ausgehängt, damit man ungestraft über Alles schreiben könne, ohne wie Rogeard und die „Rive gauche“ über die Grenze gebracht zu werden. Diese heiligen Männer kommen, um der Freigeisterei in Belgien einen Dämpfer auszusetzen; und sie werden nicht verfehlen, nebenbei ihre „Judenfresserei" auszuüben. Vielleicht lernen dann die belgischen Radikalen es den Juden vergeben, daß fie ihren Gottglauben und ihre Gotteslehre nicht aufgeben wollen, und suchen da einigen Schutz, wohin sie bis jetzt nur Blicke der Mißachtung warfen. Ja, mögen wir Juden es uns immer deutlicher zum Bewußtsein bringen, haß wir berufen sind, mitten in den Strömungen un^ Stürmen der Völker jene erhabene Mitte einzunehmen, die wie ein Felsen aus den Fluthen sich erhebt und unerschütterlich das Fundament eines reinen Gottglaubens, einer lautern, religiösen Ueberzeugung festhält. Amerika. New-Aork, 11. September. ^Privatmitth.) WaS auch die paar Männer, welche sich die Leitung des nordamerikanischen Judenthums anmaßen wollen, und die sich ein viel größeres Verdienst erwerben könnten, sagen mögen, wir können hier des deutschen Judenthums nicht entbehren, und es ist ein ebenso erfolgloses wie Unrechtes Streben, uns von diesem abschneiden zu wollen. Wir begrüßen daher jeden deutschen Gelehrten und insonderS Theologen oder Lehrer, der