Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1865)
- Date
- 1865-10-24
- Page
- Seite 666 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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666 „freie Religionsübung für alle, eine freie Kirche in einem freien Staate!" Es ist mindestens übertrieben, unsere ungarisch-jüdischen Verhältnisse ungünstig dem Auslande gegenüber zu malen. Es wird schon anders werden und auch das ungarische Israel wird bald frei sein. So. wie die Deutschen in Ungarn in ihren Bestrebungen echte Magyaren sind, so muß auch der ungarische Israelit sich der liberalen Partei anschließen, da nur von dieser sein Heil kommen wird. Wohl wissen wir, daß von den 350,000 Juden noch ein großer Theil auf der Seite des Szikszöer Rebbe steht; doch da dieser vor Kurzem mit noch 12 Stammhäuptern eine Berufung nach Nordamerika erhielt, und wir hoffen können, daß dieser Chassid mit seinem Anhänge auswandern wird; so steht auch von dieser Seite eine Besserung der Verhältnisse bevor. Kommt zu diesem noch,- daß die hohe Regierung aus dem Schulfonds die Bevölkerung unterstützt und nicht nach einer Schablone das Synagogenwesen ordnet; treten die Vertrauensmänner abermals zusammen, um an der Seite des Landtages zu verhandeln, so sind wir gewiß, daß auch dem nördlichen Ungarn sich die Bildung erschließen wird, und der Molochdienst des Chassidismus hat für immer sein Ende wenigstens bei uns erreicht. Oberlehrer I. I. Rosenmeyer. Pest, 10. Oktober. (Privatmitth.) Die Vorstandswahl ist im Sinne der Fortschrittspartei ausgefallen, wenn auch Herr Dr. Hirschler die aus ihn gefallene Wahl eines ersten Vorstehers der Pester Cultusgemeinde nicht annehmen konnte. Unser würdiger Oberkantor Friedmann hat vom Musiker Liszt ein Anerkennungsschreiben, in den schmeichelhaftesten Worten abgefaßt, erhaltend In der soeben bei Osterlamm erschienenen und von der protestantischen Studiencommission mit dem ersten Preise gekrönten Schreiblesefibel nebst Anleitung für Lehrer lesen wir am Schlüsse des Vorwortes : „Das Zustandekommen dieses Werkes wurde in nicht geringem Grade von dem ujhelyer Oberlehrer Jsak I. Rose um eher gefördert. In Folge seiner Aufforderung unternahm ich die Abfassung dieses Buches. Den Plan entwarfen wir gemeinschaftlich und in der Ausführung hat- Herr Rosenmeyer mir fortwährend große Hilfe geleistet. Habe ich durch Ausarbeitung dieses Werkes dem Unterrichtswesen einigs Dienste gleistet, so ist dieses zum Theile das Verdienst des Herrn Rosenmeyer. Säros Patak. , Josef Arvai. Seminardirector und akademischer Professor. Wir empfehlen dieses Buch; das frei von aller confessionellen Färbung ist, allen ung.-isr. Schulen auf daS wärmste. Ofen, im Oktober. (Privatmitth.) Soeben erschien von dem Rabbi in Balkäny eine Streitschrift gegen das Preßburger Oberrabbinat gerichtet, zu Gunsten des Heiligen in Szikszü und zur Vertheidigung des „jüdischen Herzens vom Rebbe Hilel." Bei der rabbinischen Censur sind die harten Stellen gegen einen orthodoxen Prediger gestrichen worden. Przemyöl, 18. September. (Privatmitth.) Es ist wohl wahr, daß die Przemysler Jsrael.-Gemeinde in humanitärer Beziehung den anderen großen Gemeinden Galiziens nicht nachsteht, und besteht hierorts nebst anderen wohlthätigen Instituten auch ein israel. Krankenhaus, welches lediglich aus Gemeindemitteln erhalten wird. Was aber die Verwaltung der Institute, sowie des Spitales betrifft, so wurde diese bis nun sehr lax gehandhabt, und war vorzüglich die Kassagebahrung stets in einen dichten Schleier gehüllt. Erst in der jüngsten Periode wurde, Dank der ehrenwerthen Gemeinderepräsentanz und Spitalverwaltung, in die Verwaltung des Gemeindewesens, der wohlthätigen Institute und des Spitals eine igeregelte Ordnung eingeführt, von welcher der für das Jahr 1864 veröffentlichte Bericht über die Gebahrung des isr. Spitals das beste Zeugniß giebt. Laut diesem Berichte beliefen sich die Einnahmen des Spitals im Jahre 1864 auf 4791 fl. 194/i o kr. und die Ausgaben auf 4322 fl. 44/io fr. und stellt^ sich sonach ein Ueberschuß von 469 fl. 15 kr. heraus, aus welchem eine Staatsschuldverschreibung von 500 fl. zu Gunsten des Spitals angekauft wurde. In diesem Jahre war. der Krankenbestand 193, von denen mir 26 mit Tod abgegangen sind. Indem also der Gemeinderepräsentanz sowie der Spitalsverwattung für ihre uneigennützige, segensreiche Wirksamkeit der wärmste Dank ausgedrückt wird, erlaubt man sich, auch die Synagogenverwaltung aufzufordern, diesem lobenswerthen Beispiele zu folgen, da-