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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-24 · Heft 43 (24.10.1865) · p. Seite 664

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 43 (24.10.1865)
Date
1865-10-24
Page
Seite 664 (sequence 6)
Language
German
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m iE sich unter die Betenden, erbat sich von einem Nachbar ein Gebetbuch und recitirte laut mit den Gläubigen die Gebete. Am anderen Tage ward den erstaunten Juden, welche ihn ruhig hatten gewähren lassen, das Räthsel gelöst. Der Jesuit erschien in allen jüdischen Familien und collectirte für das Moll ument, welches dem jüngst verstorbenen Bischof von Namur errichtet werden soll. Damit seine Collecte ergiebig ausfalle, hatte unser Jesuit '— nach dem Grundsätze der Jünger Lohola's: „der Zweck heiligt die Mittel" — mit den Israeliten in ihrem Tempel gebetet. —ch. Preußen. Berlin, 13. Obtober. (Privatmitth.) Es ist sehr ausgefallen, daß das hiesige Gericht in den Erkenntnißgründen den' Herrn Dohm, den Redakteur des „Kladderadatsch", zu einem „eifrigen Bekenner des JudenthumS" macht, während derselbe getauft, also Christ ist. Ist damit angedeutet, daß die Taufe Jemanden nicht abzuhalten braucht, das Judenthum eifrig zu bekennen? oder zeigt es sich auch hier, daß der Christ den getauften Juden noch aus einem besonderen Gesichtspunkte betrachtet, und hierzu auch wohl oft genug ein Recht hat?*) Elberfeld, im October. (Privatmitth.) In dieser Zeitung wurde vor einiger Zeit aus der Behauptung eines Fachmannes mitgetheill, daß Ehen zwischen nahen Verwandten, namentlich zwischen Cousins und Cousinen, öfter eine nachtheilige Wirkung in sofern zeigten, als namentlich taubstumme 'Kinder in größerer Anzahl daraus entsprängen. Diese Behauptung, die doch statistisch sehr schwer nachweisbar ist, könnte in *) Ein Wiener Blatt erzählt hierbei folgende Anekdote von einem Juden, der später eine einflußreiche und bedeutende Stellung im Staatsdienste bekleidete. Als dieser nämlich an seinem Tauftage, wahrscheinlich aus Freude über seine geistige Umwandlung, sich einen kleinen Rausch antrank und Veranlassung zu einem öffentlichen Skandal gab, wurde er von einem seiner Vorgesetzten deßhalb mit den Worten zur Rede gestellt: „Auf diese Weise machen Sie Ihrem neuen Glauben keine Ehre", worauf der Convertit ihm höchst naiv erwiderte: „Zu diesem Zwecke habe ich mich auch nicht taufen lassen." — Fällen nachtheilig wirken und einen hindernden Ein-' fluß auf das wirkliche Leben üben , besonders bei-den Juden, wo dergleichen Ehen nicht selten wünschenswerth sind. Ich will nicht von eigenen Erfahrungen sprechen, die jener Behauptung geradezu entgegenlaufen; aber ich habe auch wissenschaftliche Autoritäten anzuführen, welche jeden Zweifel zerstreuen müssen,' und erweisen, daß in unserm h. Gesetze die Grenzlinie zwischen oen erlaubten und unerlaubten Ehen richtig gezogenst, um die Freiheit des Menschen nicht mehr zu beschränken als nothwendig. In der Sitzung der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 16. Januar d. I. trug Dr. A. Boisin eine Studie „über die Heirathen zwischen Verwandten in der Gemeinde Batz (Loire Interieure)" vor, mitgetheilt im Moniteur seienlifique, iivr. 195 (p. 138), aus welcher ich folgende Stelle Hervorhebe: Im vorigen Jahre brachte ich in dem Dorfe Batz einen Monat zu, und bemerkte dort, daß die dortigen Einwohner seit mehreren Jahrhunderten derartige Ehen schließen, und fast ganz isolirt von den sie umgebenden Landschaften leben, deren Umgang sie zu verachten scheinen. Ich habe die Ehen unter Verwandten beobachtet und gesunden, daß eS deren 46 giebt; ich habe den Eltern des Mannes, sowie der Frau nachgesragt; ich habe sie und ihre Kinder in physischer und geistiger Hinsicht untersucht; ich habe mit dem Bürgermeister, dem Pfarrer und den Aeltesten des Landes die Sache besprochen und habe bei Zusammenstellung aller Thatsachen gesunden, daß durch die Verwandtschaftsehen keine Krankheit, keine Entartung, lein Btldungsfehler herbeigeführt worden, und überhaupt das Geschlecht sehr schön und rein geblieben ist." Diese Mittheilung, fügt die Redaktion des Mon. seienl. hinzu, erscheint uns als entscheidend und bestätigt das, was wir immer von dieser Frage gehalten haben, die schon so viele Familien erschreckt hat; sie bestätigt ebenfalls, was Dr. Gaubert in diesem Blatte gesagt hat. (Siehe Mon. scient., Iivr. 172, p. 173.) Wenn Sie erlauben, komme ich auf den Bericht des letzteren Gelehrten noch zurück. — Trier, 4. Oktober. (Privatmitth.) Bei dem Congreffe der kath. Vereine Deutschlands, welcher vor Kurzem hier tagte, mußten auch wir Juden herhalten und einige Redner erlaubten sich heftige Angriffe aus dieselben. Hierdurch sah sich der Oberrabb. K a'h n hier veranlaßt, in seiner Kol-Nidrepredigt, der auch viele Nicht-

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