Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1865)
- Date
- 1865-10-24
- Page
- Seite 663 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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angebahnt haben, sie bilden noch heute die Quellpunkte der Geschichte der Menschheit, sie füllen noch heute mit Reichthum den Geist der Culturvölker, sie bilden die Größe der Gesinnung, und die von ihnen erkannten Ideen beherrschen noch als Zielpunkte alles Strebens die vorzüglichsten Geister: in der Stimme^ eines sanften Säuselns ist die Erscheinung alles Göttlichen auf Erden." Ueber den Unterschied zwischen den andern orientalischen Völkern und Religionen einerseits und den Hebräern andererseits spricht sich Hermann Lotze im 3. Bande seines „Mikrokosmus" (Leipzig, 1864) S. 147 in folgender Weise aus, der wir nicht in allen einzelnen Bemerkungen, wohl aber im Ganzen beipstichten können. „Unter den theokratisch geordneten Völkern des Orients erscheinen uns die Hebräer wie Nüchterne unter Trunkenen; dem Alterthum freilich dünkten sie die Träumer unter den Wachenden zu sein. Mit leichtsinniger Phantasie hatten die Andern die Gründe der Welt, die Ursprünge ihres Werdens und Vergehens geschaut, und in ausschweifenden Culten der Sinnlichkeit oder. der Selbstpeinigung begleiteten sie, die sich als Theile des großen göttlichen Weltleibes fühlten, alle Zuckungen seines geheimnißvollen Lebens, den jährlichen Wechsel der ersterbenden und wiederauflebenden Natur, den Kampf der lichten und wohlthätigen mit den dunklen und feindseligen Gewalten. Und über diese Weisheit hinaus, die das tägliche Leben kannte, versprach die zurückhaltende Wissenschaft der Priester noch unzählige Geheimnisse. Dies alles betrachteten die Hebräer mit äußerster Gleichgiltigkeit; der starke und eifrige Gott, der die Gerechtigkeit des Herzens will und die Sünde verfolgt und rächt um der Sünde willen, er hatte freilich auch die Welt geschaffen und allerlei Kräuter und Thiere entstehen lassen und das große und die kleinen Himmels lichter gebildet, damit Alles gut sei; aber nicht in diese Schöpfung, in der seine Herrlichkeit doch nur nebenher zum Ausdruck kam, vertiefte sich die Phantasie des Volkes; ihm war Gott ein geschichtlicher Gott, dem die Natur ein Fußschemel seiner Macht, aber das Leben der Menschheit, seines auserwählten Volks, das einzige Augenmerk seiner Vorsehung ist. Den ganzen Luxus naturphilosophischer Mystik, der so nutzlos die übrigen Religionen des Allerthums beschwert, hatten die Hebräer hinweggeworfen, um dem einen Räthsel der inneren Welt, dem der Sünde und der Gerechtigkeit vor Gott, nachzuhangen; sie fühlten sich nicht in den Taumel eines ewigen Naturkreisl!aufs, sondern in den Fortschritt einer Geschichte verflochten; sie kümmerten sich nicht um Geheimnisse, welche' nur vergangene Thatsachen bedeuten,, aber um so mehr um die, welche die Aufgaben der Zukunft betreffen; und nicht geheim sollten diese bleiben, sondern die göttliche Eingebung trieb die Propheten, die späte Vollendung eines Himmelreichs zum Trost und die Gebote Gottes zur Buße Aller zu verkündigen. Seit den Zeitender Erzväter, mit denen Gott seinen Bund geschlossen, hatte die Lebensweise des Volks viele Wandlungen erfahren. Die patriarchalischen Hirten der Vorzeit waren nach dem ägyptischen Drucke zu einem kriegerischen Wanderstamm geworden; sie hatten dann sich seßhaft niedergelassen und bebauten das Land; endlich hatte sie der Handelsgeist der semitischen Nachbarn ergriffen, und gleich den Phöniziern waren sie durch die ganze damals bekannte Welt verbreitet; jenen Grundgedanken ihrer Volksthümlichkeit, den Bund mit Gott, das Bewußtsein einer weltgeschichtlichen Bestimmung und die Hoffnung auf ihre Erfüllung hatten sie nicht vergessen , sondern nach' manchen anfänglichen Schwankungen mehr und mehr in sich befestigt. Die antike Bildung, der zu ihrer sinnigen Mythologie und zu den Gottesbegriffen ihrer Philosophie Nichts als der unmittelbare Glaube an deren Realität fehlte, begann auf ein Volk aufmerksam zu werden, das die lebendige Ueberzeugung, die ihr selbst abging, in so hohem Maße besaß und dem seine Vorstellungen von Gott und seinem Reiche nicht als poetische Randverzierungen einer völlig weltlichen Lebensansicht, sondern als der tiefste Ernst der Wirklichkeit galten. In dem allmählich finkenden römischen Reiche gewann der jüdische Glaube Achtung und Anhang, obwohl seine nationale Färbung ihm hinderlich war." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus dem Luxemburgischen, im Oktober. Düs „Fr. I." berichtet: Am Versöhnungstage, welchen, die Israeliten vorige Woche feierten, erschien gegen 7 Uhr- Morgens in der kleinen Synagoge zu Arlon im Luxemburgischen ein Jesuit mit seinem Dreimaster, setzte