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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-10-17 · Heft 42 (17.10.1865) · p. Seite 654

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 42 (17.10.1865)
Date
1865-10-17
Page
Seite 654 (sequence 10)
Language
German
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654 „Alderman Phillips, der heute erwählte zukünftige Lordmayor, ist ein Jude und der Sohn eines deutschen Schneiders, der hier in sehr bedrängten Verhältnissen lebte. Er selbst ging noch vor 30 Jahren in London mit Glas hausiren, hat sich aber seitdem durch sein Geschäft mit Stickwolle (in England nur unter dem Namen Berlin-Wool - bekannt) ein bedeutendes-Vermögen erworben und ist eine in der City sehr beliebte Persönlichkeit." — Es war um des neuen Lordmayors willen ein Banket auf Freitag Abend im Mansionhouse angesagt, ist aber weil gerade Kol-Nidre-Abend war, auf Dienstag verschoben. Amerika. Santiago, 9. Aug. Das Toleranzgesetz Chiles vom 27. Juli d. I. besteht aus folgenden 2 Artikeln: Art. 1. Es wird erklärt, daß in Gemäßheit des Art. 5 der Verfassung denen, welche die katholische, apostolische, römische Religion nicht bekennen, der Cultus gestattet ist, welchen sie im Umfange von Gebäuden ausüben, die Privateigenthum sind. Art. 2. Es ist den Dissidenten gestattet, Privatschulen zum Unterrichte ihrer eigenen Kinder in den Lehren ihrer Religion zu gründen und zu unterhalten. gez. Jose Perez. Der erste Artikel wurde in dem Hause der Abgeordneten mit 43 gegen 7 Stimmen, der zweite Artikel mit 41 gegen 8 Stimmen angenommen. Der Art. 5 der Verfassung ist dadurch nicht verändert, vielmehr mit 34 gegen 10 Stimmen am 5. d. M. beschlossen worden, daß der Art. 5 der Verfassung keiner Aeuderung bedarf. Nach den bestehenden Gesetzen wird die katholische Geistlichkeit aus Staatsmitteln unterhalten. Die Propaganda anderer Confessionen durch ihre Geistlichen ist nicht gestattet. Dagegen können sie nicht verhindert werden, in der Presse die Lehren der katholischen Kirche zu bekämpfen, wie dies gegenwärtig vom nordamerikanischen Presbyter Trumball in Valparaiso geschieht, welcher in den Zeitungen mit den katholischen Geistlichen Erörterungen über katholische Dogmen führt, das Lesen der Bibel empfiehlt und für die Verbreitung derselben thätig ist. In der Debatte über das Toleranzgesetz sprach der Cultus-Minister mit großer Wärme für die Erhaltung der religiösen Einheit der Republik. Wir brauchen arbeitsame, thätige und genügsame Einwanderer, sagte er, keine Sectenführer und Apostel fremder Culte. Philadelphia, im September. (Privatmitth.) Es ist nur zu gewöhnlich bei dem Menschen, daß fröhliche und düstere Anschauungen bei ihm wechseln, und daß, wo er heute die heiterste Aussicht in die Zukunft zu haben glaubt, morgen sie sich ihm völlig verdunkelt. So geht es auch jetzt bei uns. In dem Kampfe gegen die Rebellen war Alles einig; nach dem Siege desselben ist die alte Uneinigkeit wieder da, und die Folge ist, daß man mit - einer unnöthigen Hast Alles nur wieder Herstellen will, wie es vor dem Aufstande in der Union gewesen. Daher kommt es, daß man sich mit dem halben Werke begnügt, und so in Zukunft den Kampf noch einmal beginnen müssen wird. Es ist jetzt schon sichtbar, daß zwar die persönliche Freiheit der Farbigen gesichert ist; dagegen steht es sehr fraglich um ihre politischen Rechte, und indem man diese zu bestimmen den einzelnen Staaten überlassen wird, werden deren genug die Farbigen zu Parias hinunterdrücken. Hiermit wird denn auch die Rechtspflege für die Farbigen eine sehr mangelhafte bleiben, und sie vielleicht in manchen Stücken übler daran sein, als früher. Es wird also jetzt ein neuer Begriff in die Union eingeführt: der Begriff von Menschen, die zwar persönlich frei sind, aber der politischen Rechte entbehren. Und diesen Umstand dürfen auch wir nicht übersehen. Man wird in Europa glauben, daß dieses auch an den Negern selbst liege, und daß deren Verkommenheit diese Zurücksetzung rechtfertige. Allein diese Ansicht, die man natürlich hier auch gern vorträgt, wird durch alle unparteiischen Berichte widerlegt. Die übereinstimmenden Berichte aller den Süden bereisenden Regierungs-Agenten und Privatpersonen lauten dahin, daß sich der emancipirte Neger durchschnittlich sehr gut anlasse. So erstattete dieser Tage der General Strong, Inspektor des Emancipations- Bureaus, welcher gerade aus dem Süden zurückkommt, einen Bericht, w.elchen er mit dem Geständniß beginnt, daß er mit Borurtheilen gegen die farbige Race dorthin gekommen, seine Erfahrungen aber alle seine Erwartungen übertressxn. Die Neger seien fleißig und das Ziel ihrer Wünsche und Bestrebungen sei der Besitz eines Stückchen Landes. Wo ihre früheren Herren so. vernünftig gewesen, ihnen ein solches kaufs- oder pachtweise zu überlassen, haben siedieselben in Erstaunen gesetzt, denn es reifen ihnen jetzt reiche Baumwollenernten heran. Alt und Jung besuchen die Schulen, wo immer dazu Gelegenheit gegeben werde. So

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