Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1865)
- Date
- 1865-10-17
- Page
- Seite 655 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ist es, wo die Ex-Sktaveuhalter Vernunft und guten Willen an den Tag legen. Wo dies aber nicht der Fall ist, wo jene auf dem Vorsatz beharren, den Negern die Freiheit zu verleiden., da muß ihr Zustand um so trauriger werden, je laxer die Coutrolle der Regierung wird. Daß das Confiscationsgesetz mehr als ein todter Buchstabe ist und bleiben wird, kann wohl heute kein Mensch mehr leugnen. Wie sott nun das Emancipations-Bureau für seine Schutzbefohlenen sorgen? Ihre Prüfungszeit wird überhaupt noch lange nicht vorüber sein. Durch die Coalition der progressiven Demokraten mit den conservativen Republikanern sind die Verfechter der politischen Gleichberechtigung der Neger vorerst zu einer aussichtslosen Minorität geworden und jene Loalitionspartei wird den Neger unter dem Vorwände, die Frage seiner politischen Rechte den Einzelstaateu anheimftellen zu müssen, in einer Paria-Stellung lassen, welcher in mancher Hinsicht schlinuner sein wird, als seine frühere. Durch ecue unglückliche Combination von Umständen wird .auf diese Weise eine Arbeit halb gethan bleiben, die man früher oder später doch wieder aufnehmen muß, und welche uns dann um so schwerer werden wird. Solche Halbheiten haben sich nirgends mehr gerächt, als in unserer politischen Geschichte; gleichwohl baut man jetzt in Washington wieder goldene Berge aus eine solche Politik. Philadelphia, 5. Sept. (Privatmitth.) Wenn Sie auch grundsätzlich Angriffen, die nicht der Sache gelten, eine Erwiderung nicht zukommen lassen, so gestatten Sie mir doch einige Worte über einen vorliegenden Fall. Sie werden schon wissen, daß der Artikel über die deutschen Inden in Nordamerika in No. 30 d. Bl. die paar jüdischen Zei'tungsredactenre in hiesigen Landen außerordentlich aufgebracht hat, so daß sic in der bekannten nordamerikanischen Weise Zeter Mordio! über Sie schreien. Was beweist dies? Nichts Anderes, als daß der Artikel einen wunden Fleck richtig getroffen. Es ist daher an uns, zu erklären, daß diese Herren Nedacteure mindestens in diesem Punkte nicht die Vertreter der allgemeinen Meinung sind. Wir wissen sehr wohl, daß die Blätter derselben von der jüdischen Presse und Literatur in Deutschland gänzlich abhängig sind, daß hingegen hier noch Nichts produzirt worden, was den Rückweg nach Europa werth gewesen wäre. Wir finden dies bei der Jugend des amerikanischen Iudenthums sehr natürlich, ganz ebenso, wie wir Raöbiner, Prediger und Lehrer immerfort aus Deutschland kommen lassen müssen. Aber je selbstverständlicher es ist, desto weniger ist der Ausspruch dieser Thatsache anzuktagen, vielmehr ist es ein reiner Jrrthnm, wenn jene Herren glauben, daß sie uns über das Faktum täuschen können. Jndeß ist es nicht das erste Mal, daß die Leute Steine in den Brunnen werfen, aus welchem sie geschöpft haben. Man versuchte zuerst, Ihre Correspondenten, die Sie doch genannt, für pseudonym zu erklären — das ging aber doch nicht lange, da die Personen leben.*) Ein Anderer sagte, daß Sie unmöglich den amerikanischen Humbug kennen könnten, und daher für leere Münze nähmen, was ein Produkt jenes sei. In Letzteren! liegt nun etwas Wahres, nur daß der Humbug nicht auf Seiten Ihrer Corrspondenten, sondern auf der Seite jener Herausgeber amerikanischer Blätter liegt. Den Beweis liefern sie durch ihre Wuthausbrüche. Ueber Humbug lacht man, über Wahrheiten ärgert man sich. Am besten wäre es, die Herren rächten sich durch Thatsachen, indem sie wirklich Tüchtiges leisteten und Unternehmungen unterstützten, die zum allgemeinen Wohl des Judenthums gerreichen; bis jetzt copiren sie nur und unterdrücken Alles, was gemeinnützig ist. — Bei der großen Discussion, die jetzt über die Gleichberechtigung der Neger stattfindet, ist kein Argument gewöhnlicher, als daß die Neger eine völlig unfähige Nace seien, welche höherer Cultur nicht zugänglich jfet. Es erinnert uns dies lebhaft an dasselbe Argument, welches früher gegen die Gleichberechtigung der Juden unzählige Male aufgestellt worden, bis wir es faktisch in glänzender Weise widerlegten. Es muß daher für uns von besonderem Interesse sein, zu bemerken, wie dieses Argument allmälig auch von den Negern thatsüchlich widerlegt wirr, und Sie erlauben mir daher wohl, einen kleinen Bericht der New-Aorker „Tribüne" hierherzustellen. „Wer sich gegen die befreiten Neger im Süden als eine herabgewürdigte und unverbesserliche Klasse von Menschen ereifert, sollte einen Blick auf die Ver- *) Herr Moses Ehrlich ist eine so wirkliche Person, daß wir soeben 131 Thlr. für die Rießerstiftung von ihm empfingen, und den Namen des Herrn Wetterhahn kann man seit Jahren in der Abonnentenliste des Instituts lesen. Die Redaktion. 42**