Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1865)
- Date
- 1865-10-17
- Page
- Seite 652 (sequence 8)
- Language
- German
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M M 653 Oesterreichijcher Kaiserstaat. Raab, im October. (Privatmitth.) Wir haben eine ziemlich erregte Woche, indem die Wahlen zum Landtage vor^ sich gehen. Nachdem aber diese dem Modus vom Jahre 1848 ^analog sein müssen, so hat abermals jener Theil der Landesbewohner, welche, nicht zu den „recipirten Confessionen" zählen, nur das Mitansehen. Unsere Magnaten mit ihren volksbeglückenden Theorien stehen abermals an der Spitze, und da die Leibeigenschaft, die Frohne mit all den Appendixen nicht wieder zu erobern sind, Heloten aber ä tont prix sein müssen: so wird wenigstens die exclusive Stellung der Juden so lange als' möglich aufrecht erhalten, was diesen als Trägern deutscher Sprache und deutscher Gesittung von allen Schichten unserer bunten Bevölkerung gegönnt wird. " Prag, im September. (Privatmitth.) Dieser Tage hat die Cultus-Repräsentanz ihren Vorsitzenden gewählt, -kdie Wahl fiel, wie wohl nicht ohne Kampf, auf vr. Tedesko. Von 15 Stimmen erhielt dieser 8, sein Gegen-Candidat, Herr Georg Fei gel, 7, Hr. T. siegte also mit einer Stimme. Der Kampf galt weniger dM Personen, die beide achtungswerth sind, — als vielmehr einem Principe. Auf der einen Seite wollte Mn an dem Herkommen festhalten, daß der Präses dÄ Prager Cultus-Repräsentanz nicht blos allgemeine Bildung, sondern auch jüdisches Wissen besitze. Auf bei? andern Seite aber ging man von der Ansicht aus, d^^die Repräsentanz kein Rabbiner-Collegium sei, sie Hube sich lediglich mit Verwaltungssachen zu befassen, ö'tiüiü^^iiique! Ueber religiöse Fragen habe sie die GMchtÄi^d'er Rabbiner einzuholen. Es sei nur vom MbeEÄeniv biej Repräsentanz oder ihr Vorsitzender „MMäRiMs "üiWtz." Auch wird hier und da her- Mgehob'eti^^daß 'M'Vorsitzende der Repräsentanz vo'i! HÄt^Uchdmehr Vorsteher der Gemeinde, sondern riü!r GeschcistÄtzsier/lM Repräsentanz sei. Die Zukunft ' der^eÄähnten Ansichten die riPW^fti?^Möeffen^Wß bemM ivÄben, daß Herr M' KWnH»aWch'-''gWÜö8er Mann, soMÄ ^äüch" iin^ bre5er!er^hÄäkt'er Wit 'Bescheiden verfehlte. -sifüw?foin Der System-Wechsel in der Regierung erweckte in jüdischen Kreisen einiges Bedenken. — Hoffen wir das Beste. Zu 'Rosch-Haschana ist Prof. vr. Kämpf von Seiten der CultuS-Repräsentanz der isr. Gemeinde zu Teplitz mit einer, in warmen Worten abgefaßten Dunkad resse überrascht worden, für seine Bereitwilligkeit, mit welcher er bei seiner jüngsten Anwesenheit in Teplitz am Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers auf Ersuchen des dortigen Vorstandes in der Synagoge die Festpredigt gehalten. Der kalligraphisch ausgefertigten, in Sammet geschmackvoll gebundenen Adresse waren mehrere Prachtexemplare der herrlichen Ananas- Frucht beigefügt — wie es im Begleitschreiben des Vorstandes heißt: zum liturgischen Gebrauch für den zweiten Rosch-Haschana-Abend. — Nach den Feiertagen wird die gesetzliche Neuwahl der Vorstände der hiesigen Talmudthora- und der Beth- Hamidrasch- Stiftung stattfinden. Es ist wohl nicht, zu bezweifeln, daß die verdienstvollen Männer: E. Wehli, G. Feigel. K. Lieben, S. K. Frankl, Sal. Kohn u. A., die für die betreffenden Stiftungen bereits so Ersprießliches geleistet haben, wieder gewählt werden. Mitte October soll hier durch jüdische Pädagogen ein Real-Gymnasium eröffnet werden. Die Genehmigung der hohen Behörde ist bereits erfolgt. Wir wünschen dem Unternehmen den besten Erfolg.*) Krakau, 24. Sept. Die „Debatte" schreibt von hier: „Die Zuneigung, welche der Pole für seine israelitischen Landsleuten in Folge jahrhundertlangen Zusammenwohnens hegt, prägt sich auch in der Art aus, wie er dieselben benennt. Er nennt sie „starozakonni“, d. h. Alttestamentarische. In einer der letzten Sitzungen der hiesigen Handelskammer protestirte nun ein israelitisches Mitglied derselben, Herr Mendelsburg, gegen die gedachte Benennung, in Folge dessen die Kammer den Beschluß faßte, auf die Israeliten künftig den Namen „Mitglieder der mosaischen Konfession" oder schlechtweg „Israeliten" anzuwenden. Es scheint, als ob die s. g. aufgeklärten Israeliten, welche mehr *) Wie nothwendig hier. ein solches Real-Gymnasium ist, ersieht man daraus, daß zum Eintritt in das jetzt eröffnete städtische Real-Gymnasium' die Beibringung des Taufscheines erfordert wird — so daß jüdischen Kindern der Besuch dieser Lehranstalt unmöglich ist.