Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1865)
- Date
- 1865-10-17
- Page
- Seite 650 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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IBüipü| MWV^SS^WWH V.:, 650 folgendermaßen: „Es ist mir zur Kunde gekommen, daß Israeliten, welche zum Geschwornendienste berufen werden, mit Rücksicht auf die , Grundsätze ihrer Religion, die es ihnen verbieten, am Sabbath irgend welche körperliche Thätigkeit vorzunehmen, sonderlich auch zu schreiben, minder nicht einen Eid abzuleisten, bei dem Vorsitzenden der Schwurgerichtshöfe um Dispensation von jenem Dienste für den Sonnabend nachgesucht haben, indeß abschläglich beschieden sind, weil das Gesetz dem Präsidenten die Befugniß, eine solche Dispensation zu ertheilen, nicht eingeräumt habe. Es erscheint inzwischen mindestens unbillig, daß die Israeliten, welche als Geschworene zu fungiren haben, hierdurch mit ihrer religiösen Ueberzeugung in Conflict gesetzt werden; ich veranlasse deshalb königl. Kronanwaltschaft, in Fällen, welche an Sonnabenden zur Verhandlung kommen, die israelitischen Geschworenen zu refusiren, sofern sie, gestützt auf den obgedachten Grund, bei der Kronanwaltschaft darum nachsuchen." Die Israeliten unseres Landes werden sich für die dem angeführten Rescripte zu Grunde liegende wohlwollende Absicht sicher zu dem aufrichtigsten Danke verpflichtet fühlen. Wie in vielen Gemeinden, ist auch in der unsrigen für die sich augenblicklich in so großer Roth befindenden Glaubensgenossen in Jerusalem eine Sammlung veranstaltet worden, die einen nicht unansehnlichen Ertrag geliefert und bei welcher sich Herr.Obercommerzrath Simon allein mit der namhaften Summe von 150 Thlr. betheiligt hat. Vor einiger Zeit wurde der Pastor zu Midlum zu einem fremden Schäferknecht gerufen, der sich I. Meher Rosenthal nannte, aus dem Lippe'schen war und sein Ende nahen fühlte. Sein Zustand war der Art, daß ihm die Stimme versagte und er nur durch Kopfbewegungen sich äußern konnte. Trotz seines jüdischen Namens wurden ihm von dem Pastor die Tröstungen des Christenthums gespendet und nachdem sein Tod erfolgt war, wurde er nicht allein christlich begraben, sondern auch ins Kirchenbuch eingetragen. Als aber zur Vervollständigung des Kirchenbucheintrages der Geburtsschein verschrieben wurde und dieser endlich nach gerichtlicher Vermittelung erfolgte, ergab sich, daß der Verstorbene israelitischen Ursprungs und Glaubens war. Die Gebeine des letzteren ruhen indeß noch auf dem christlichen Gegräbnißplatze in Midlum. Am 10. d. M. feierte der 82 jährige Veteran Joseph Salomon RosenLerg in Leer vom ehemaligen dritten westphälischen Infanterie-Regiment nebst feiner 73 Jahre allen Ehefrau die goldene Hochzeit. Die würdigen Alten zählen noch 7 Kinder und 20 Enkelkinder zu ihrem Familienkreise. Das Jubelpaar wurde durch allerlei Ehrenbezeugungen und Geschenke reichlich erfreut, am Vorabende wurde ihm ein Musikständchen gebracht und am 10. in der Mittagsstunde fand in der gedrängt gefüllten Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Zur Warnung und Beachtung für die vielen, auch unser Königreich durchstreifenden jüdischen Bettler theiler wir Folgendes mit. Schon im April d. I. war in Celle der Fall vorgekommen, daß man bei einem wegen Bettelns verhafteten Israeliten aus Jerusalem mehrere hundert Thaler vorfand. Vor Kurzem wurde nun wiederum ein alter, anscheinend sehr armer Israelit aus dem Preußischen von der dortigen Polizei bei demselben Vergehen betroffen und hatte derselbe, welcher außerdem keine richtigen Papiere besaß, wie sich bei seiner Abführung ins Gefangenhaus herausstellte, ebenfalls eine Summe von 180 Thlr. bei sich, die er sich erbettelt hatte. Es wurde Transport über die Grenze verfügt und auSgeführt. Preußen. Schwersten), im Oktober. (Privatmitth.) In hiesiger Gemeinde regt sich ein neues Leben. Ein Theil des früheren Gemeinde-Vorstandes hat in einer vor Kurzem stattgehabten Wahl jüngeren Kräften Platz gemacht, welche die Gemeinde regeneriren, Mißstände abschaffen und heilsame Reformen einführen wollen. Unter andern soll die bereits länger als sieben Jahre verwaiste Kanzel im Laufe dieses Jahres durch eine tüchtige Kraft aus dem Breslauer Seminar wieder besetzt, sowie das Gemeindehaus und die Badeanstalt renovirt und zweckmäßig eingerichtet werden. Auch wird beabsichtigt, Chorgesang einzuführen, damit Andacht und Ordnung den Gottesdienst neu belebe. Wenn der neue Vorstand, dessen Vorsitzender, Herr Moritz Wiener, eine lobenswerthe Energie entwickelt, nur die hier genannten Reformen bald wirklich und vollständig durchführt, dann hat er sich schon dadurch ein Verdienst um die Gemeinde erworben. Das Vereinswesen befindet sich hier in der schön-